Behandlungsfehler: Was tun, wenn Ärzte pfuschen?

In Deutschland unterlaufen Ärzten jährlich zehntausende Behandlungsfehler
In Deutschland unterlaufen Ärzten jährlich zehntausende Behandlungsfehler. Bei einem tragischen Fall entschied nun ein Gericht, dass auch Kliniken für so entstandene Schäden am Patienten haftbar sind © Fotolia

In Deutschland ereignen sich jedes Jahr zehntausende Behandlungsfehler. Im tragischen Fall einer zweifachen Mutter, die nach einem Behandlungsfehler in ein bis heute andauerndes Wachkoma gefallen war, entschied nun ein Gericht, dass auch die Krankenhäuser für Behandlungsfehler zur Rechenschaft gezogen werden können.

Vor drei Jahren fällt eine Frau nach einer Schönheits-OP in ein Wachkoma. Zu dem tragischen Fall kommt es, weil eine Medizinstudentin der zweifachen Mutter irrtümlicher Weise ein Narkosemittel gegeben hat. Die Studentin ist als Nachtwache für die Patientin zuständig, als ihr der Behandlungsfehler unterläuft. Die Frau hatte nach der fälschlich getätigten Injektion einen Atem- und Kreislaufstillstand und musste von einem Notarzt reanimiert werden. Nach Aussagen von Ärzten wurden irreparable Gehirnschäden bei der Patientin diagnostiziert. Das Landgericht Mainz entschied nun, dass neben der Studentin auch die Klinik für den schweren Behandlungsfehler haften muss.

 

Zehntausende Behandlungsfehler in Deutschland

Das Gericht ermöglicht mit der richtungsweisenden Entscheidung zukünftig eine bessere Chance für Schadenersatz der Betroffenen. Das Bundesministerium für Gesundheit geht von jährlich mindestens 40.000 bis 170.000 Behandlungsfehlern in Deutschland aus. Ein Großteil davon wird allerdings nicht offiziell. Die Medizinischen Dienste der Krankenversicherungen (MDK) untersuchten für das Jahr 2012 knapp 13.000 gemeldete Behandlungsfehler. Die Studie zeigt, dass in 31,5 Prozent der untersuchten Fälle schwere Mängel bei Behandlungen vorgefallen waren. Alleine in den Bereichen der Chirurgie und Unfallchirurgie waren gemäß der im Abschlussbericht genannten Zahlen beinahe 6.000 Fälle fehlerhafter Behandlungen gemeldet worden. Bei der ambulanten Behandlung wurde für das Fachgebiet der Zahnmedizin das größte Risiko einer Fehlbehandlung durch die MDK registriert. Mehr als 1.000 Fälle wurden hier untersucht. Seit 2013 regelt das Patientenrechtegesetz die Rechte von Geschädigten einer Falschbehandlung.

Joachim Laux – Fachanwalt für Medizinrecht und Arzthaftungsrecht in Berlin – rät Betroffenen „so früh wie möglich einen Anwalt aufzusuchen, der auf solche Fälle spezialisiert ist.“

 

Wo finde ich Unterstützung?

Wer Zweifel an einer ärztlichen Behandlung hat, sollte sich an seine Krankenkasse wenden. Auch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland ist eine wichtige Adresse für Betroffene: Unter der Rufnummer 0800 0117722 hat sie ein kostenloses Beratungstelefon eingerichtet. Bevor ein Anwalt eingeschaltet wird, sollte in einem Erstgespräch abgeklärt werden, wie gut die Erfolgsaussichten sind. Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Hamburg, 16. Apri 2014

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