Beeren pflücken im Wald – Welche darf ich essen?

Waldbeeren
Waldbeeren dürfen gern direkt vom Strauch genascht werden. © Alamy

Waldbeeren standen jahrzehntelang unter dem Verdacht, Überträger des gefährlichen Fuchsbandwurmes zu sein. Gilt das immer noch? Welche Beeren sollte man auf jeden Fall vermeiden?

Eigentlich sollte es für den Menschen das natürlichste auf der Welt sein: Das zu essen, was die Natur für uns bereitstellt. Doch viele scheuen sich, auf einem Waldspaziergang Beeren von den Büschen zu naschen. Schließlich wird Kindern seit Jahren eingebläut, dass man von wilden Waldbeeren einen Fuchsbandwurm bekommen kann. Dieser soll durch die Ausscheidungen von Füchsen auf die Beeren gelangen und beim Verzehr der Früchte auch den Menschen befallen.

 

Gefährlicher Parasit

Der Fuchsbandwurm (Echinokokkus multilocularis) ist ein Parasit, der sich eigentlich auf Füchse und Mäuse als Wirte spezialisiert hat. In Einzelfällen kann sich ein Fuchsbandwurm aber auch in einen menschlichen Wirt verirren – und das obwohl er sich hier gar nicht vermehren kann. Die Folgen können für den Wirt trotzdem sehr unangenehm sein. Nach und nach bildet der Parasit im Körper des Menschen kleine Bläschen, die sämtliche Organe befallen können. Wird der Befall nicht rechtzeitig bemerkt, kann die Bandwurm-Infektion zum Tode führen. Aber auch wenn ein Arzt den Bandwurm rechtzeitig erkennt, lässt er sich nicht entfernen. Einmal beim menschlichen Wirt eingezogen, bleibt er ein Leben lang. Seine schädlichen Auswirkungen müssen dann ständig mit Medikamenten in Schach gehalten werden.

Besonders tückisch: die ersten Symptome zeigen sich mitunter erst zehn Jahre nach dem ersten Kontakt mit dem Parasiten. Nach aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Institutes infizieren sich heute etwa doppelt so viele Menschen mit dem Bandwurm wie zu Beginn des Jahrtausends.

 

Waldbeeren sind unschuldig

Gilt die Warnung vor Waldbeeren also heute stärker denn je? Nein, im Gegenteil. Sich durch den Verzehr von Waldbeeren mit einem Fuchsbandwurm zu infizieren, ist nämlich äußerst unwahrscheinlich. Auch wenn die Zahl der Neuansteckungen gestiegen ist, bleibt sie mit etwa 20 Neuansteckungen, die jedes Jahr an das Robert-Koch- Institut (RKI) gemeldet werden, immer noch sehr niedrig.

Aber wie kann man sich dann mit dem Bandwurm infizieren? Das „Epidemiologische Bulletin" des RKI stellt dazu fest, dass eine Ansteckung durch den Verzehr von Waldbeeren noch nie nachgewiesen wurde. Stattdessen sei das Risiko „deutlich höher bei Personen, die in der Landwirtschaft tätig sind oder Umgang mit Hunden haben“. Dabei geschieht die Aufnahme der Wurmeier vor allem über die Hände, etwa wenn ein Hundebesitzer seinen Vierbeiner streichelt und sich Eier in dessen Fell befinden. Deshalb ist es wichtig, sich nach dem Waldspaziergang mit Hunden gründlich die Hände zu waschen und zwischendurch die Hände nicht zum Mund zu führen.

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Gerade Blaubeeren besitzen viele sogenannte Anthocyane. Diese sollen vor Krebs schützen.© Alamy
 

Trau' keiner fremden Beere!

Darf nun also wieder unbeschwert der Beerenstrauch geplündert werden? Nicht ganz. Es drohen nämlich immer noch Gefahren aus anderer Richtung. Die größte ist die Verwechslungsgefahr mit giftigen Beeren. Himbeeren, Brombeeren und Co lassen sich gut erkennen.  Aber was ist mit weniger bekannten Beeren? Hier lautet die Faustregel: Keine Experimente und nur die Beeren verzehren, die man eindeutig identifizieren kann. Vergiftungen drohen zum Beispiel bei Tollkirsche, Zwergmispel, Seidelbast, Pfaffenhütchen, Vogelbeere, Eiben, Wolfsbeere und Stechpalme.

Um ganz sicher zu sein, dass die Beeren nicht mit Tierexkrementen beschmutzt sind, sollten vor allem Beeren, die man in Bodenhöhe gepflückt hat, gründlich gewaschen werden. Wer ganz sicher sein will, kann die Beeren zu einer Marmelade einkochen. Auch sollte man beim Beerensammeln gut auf Zecken achtgeben, die man sich im hohen Gras und an Büschen einfangen kann. 

 

Leckere Gesundwunder

Waldbeeren sind übrigens wahre Gesundwunder. Sie besitzen viele Antioxidantien und schützen uns so vor Alterserkrankungen wie Alzheimer. Durch viele Ballaststoffe halten Beeren auf Waldspaziergängen lange satt. Brombeeren, Blaubeeren und schwarze Johannisbeeren besitzen außerdem sogenannte Anthocyane. Dieser Farbstoff schenkt den Beeren nicht nur ihre leuchtenden Farben, sondern wirkt beim Verzehr auch entzündungshemmend. Sogar das Risiko an Krebs zu erkranken, soll durch Anthocyne gesenkt sein.

Und ganz nebenbei kosten Waldbeeren nichts und sind zu 100 Prozent „Bio“!

Hamburg, 27. Juli 2016

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