Bauer Foodtrend-Tag 2015 mit dem Thema "Green Eating"

Bauer Foodtrend-Tag 2015
Bauer Foodtrend-Tag 2015: Moderatorin Susann Atwell leitete die angeregten Diskussionen zum Thema Green Eating © privat

Ernährungsexperten diskutierten gestern in Hamburg über die Zukunft des Essens. Beim Foodtrend-Tag 2015 der Bauer Media Group wurde besonders das Thema fleischlose Ernährung heiß diskutiert.

Den Bauer Foodtrend-Tag 2015 eröffnete Dr. Jörg Wallner, Trendforscher beim Thinktank 2b AHEAD. Seine These: „Um die Welt 2025 zu verstehen, muss man 20 Jahre in die Vergangenheit blicken.“ All das, was wir heute ganz natürlich im Alltag nutzen, wie zum Beispiel Smartphones, kabelloses Internet oder online Suchmaschinen gab es damals nicht. Eine ähnliche Entwicklung, die die Kommunikationstechnologie in den letzten Jahren gemacht hat, prophezeit er der Ernährungs- und Gesundheitswissenschaft. Auch in diesem Bereich wird es laut Wallner in zehn Jahren Dinge geben, die wir heute noch für unmöglich halten.

 

Die Zukunft der Medizin

Dr. Jörg Wallner erforscht die Lebenswelten 2025
Eröffnung des Bauer Foodtrend-Tag 2015: Dr. Jörg Wallner berichtet vom Essen in 10 Jahren© privat

Eine seiner Thesen: Functional Food, also Essen, das einen bestimmen Effekt auf unseren Körper haben soll, wird an Bedeutung gewinnen. Sei es, um unsere Intelligenz zu verbessern, die Lebenserwartung zu erhöhen oder unsere Haut zu straffen. Auch glaubt er, dass die digitale Entwicklung das Gesundheitswesen revolutioniert: Zum Beispiel durch das Computerprogramm IBM Watson, dem Experten nachsagen, es könne Krebs bald besser diagnostizieren als menschliche Ärzte oder durch individualisierte Medikamente, die auf den Erbinformationen jedes Einzelnen beruhen. Eine Hoffnung, die auch der Google-Manager Ray Kurzweil teilt.

Einen ganz anderen Einblick gab Catherin Anne Hiller, Head of Research & Consulting der Bauer Media Group, die statt der Zukunft die Gegenwart im Blick hat: Sie lieferte auf dem Bauer Foodtrend-Tag 2015 aktuelle Zahlen zum Ernährungsverhalten der Deutschen. Die zeigen einen großen Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Die große Mehrheit (67 Prozent) der Befragten unterstützt zwar die Einführung eines Mindestpreises für Fleisch – aber nur ein Drittel (34 Prozent) wäre bereit, bis zu 50 Euro mehr pro Monat für Nahrungsmittel auszugeben.

 

Nachhaltigkeitskonzepte vorgestellt

Konkret wurde es beim Bauer Foodtrend-Tag 2015 danach: Mehrere Nahrungsmittelhersteller stellten ihre Ansätze für ein nachhaltiges Wirtschaften vor. Für Irmgard Strobl, Marketingleiterin bei der Andechser Molkerei, heißt das: „Bio vom Milcherzeuger bis zur Ladentheke!“ Nach ihrer Ansicht könne nur so eine nachhaltige Produktion von Essen gewährleistet werden. Das bedeutet für Andechser Natur zum Beispiel auch eine nachhaltige Wasserwirtschaft. Das ist nicht bei jedem Bio-Produkt der Fall.

Benjamin Adrion erklärt das Konzept von Viva con Agua
Benjamin Adrion erklärt auf dem Bauer Foodtrend-Tag 2015 das Konzept von Viva con Agua© privat

Mit einem nachhaltigen Produkt erfolgreich ein Unternehmen gründen. Davon konnte Dr. Michael Raß berichten. Mit der Teutoburger Ölmühle stellt er in Deutschland kalt gepresstes Rapsöl her. Sein Versuch: Möglichst keine Abfälle entstehen lassen. Letztlich stellt er so ein Produkt her, das der Umwelt nicht schadet – und die Gesundheit schützt. So hat er in knapp 15 Jahren ein Unternehmen aufgebaut, dass über 100 Mitarbeiter beschäftigt und auf einen Umsatz von über 20 Millionen Euro kommt.

Einen ganz anderen, aber nicht minder wichtigen, Ansatz verfolgt Benjamin Adrion mit seinem Projekt Viva con Agua. Der ehemalige Fußballprofi des FC St. Pauli sammelt unter anderem mit dem Verkauf von Mineralwasser Geld, um Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen zu ermöglichen. Noch immer ist dieser 750 Millionen Menschen verwehrt. Dabei verfolgt Adrion das Modell „All Profit“. Das heißt, die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter sollen aus ihrer Tätigkeit Spaß und Befriedigung ziehen und dabei Geld sammeln, das wiederum anderen Menschen hilft. Bislang konnte Viva con Agua 500 000 Menschen einen dauerhaften Zugang zu Toiletten und sauberen Trinkwasser ermöglichen.

 

Bauer Foodtrend-Tag: Heiße Diskussionen am Nachmittag

Abschlussdiskussion Foodtrend-Tag
Bei der abschließenden Runde des Bauer Foodtrend-Tag 2015 wurde engagiert diskutiert. Von Links: Feinkosthändler Heinrich Höper, Journalistin Jasmin Hekmati, LECKER Chefredakteurin Jessika Brendel und Wissenschaftsjournalist Udo Pollmer© privat

Am Nachmittag standen sich zwei Experten gegenüber, deren Meinungen nicht weiter auseinandergehen könnten. Wissenschaftsjournalist Udo Pollmer warnte vor den Gefahren einer rein pflanzlichen Ernährung: "Salat hat den gleichen Nährwert wie ein Blatt Papier.“ Seine Empfehlung: Kohl. Er poltert weiter gegen andere Trends wie regionale und saisonale Ernährung „die gab es in der DDR und da hat sie den Leuten nicht sonderlich geschmeckt.“ Generell gilt für ihn: Vegane Ernährung ist nicht besser für die Gesundheit oder die Umwelt, als eine, die auf tierischen Produkten beruht.

Ganz anders sieht das Jasmin Hekmati. Die Journalistin hat sich nach der Geburt ihres zweiten Kindes entschieden, mit ihrer ganzen Familie komplett auf tierische Produkte zu verzichten. Also Vegan zu leben. Sie glaubt, dass eine solche Ernährung auch schon für kleine Kinder möglich und sogar gesünder ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät aber bislang davon ab. Viele Experten teilen jedoch die Meinung von Hekmati – wenn Eltern sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und dadurch wissen, welche Nährstoffe ihr Kind braucht.

 

Versöhnliches Ende

Bei derart unterschiedlichen Meinungen war es kein Wunder, dass auch die abschließende Diskussion hitzig geführt wurde. Die Fronten blieben verhärtet. Letztlich fand Hekmati zum Abschluss dennoch versöhnliche Worte: „Eigentlich sollten sich doch alle Fleischesser freuen, wenn viele Menschen vegan leben: Schließlich könnt ihr ja dann unser Schnitzel haben.“

Der Foodtrend-Tag ist eine Fachveranstaltung des Foodmagazins LECKER. Er fand vor einem Jahr zum ersten Mal statt und soll wegen der positiven Resonanz jährlich veranstaltet werden.

Hamburg, 3. Juli 2015

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