Bauchspeicheldrüsen-Entzündung – so wird die Erkrankung behandelt

Bauchspeicheldrüsenuntersuchung mit dem Endoskop
Um die Ursache der Bauchspeicheldrüsenentzündung zu beseitigen, musste die Patientin – wie bei einer Magenspiegelung – einen "Schlauch schlucken” © Fotolia

Sie wiegt gerade einmal so viel wie eine Tafel Schokolade und ist doch von größter Bedeutung für unseren Körper: die Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt.

Das Organ hat nämlich zwei lebenswichtige Aufgaben: Zum einen produziert es die Verdauungsenzyme. Zum anderen ist die Bauchspeicheldrüse für die Bildung der Hormone Insulin und Glukagon zuständig.Verdauungsenzyme benötigt der Mensch, um die Nährstoffe überhaupt in den Organismus aufnehmen zu können. Die drei wichtigsten der insgesamt 30 Stoffe sind die Lipasen, die die Fette verwerten, sowie die Proteasen (für Eiweiß) und die Amylasen (für Stärke). Mehr als ein Liter Flüssigkeit (Bauchspeichel) sorgt jeden Tag dafür, dass unsere Verdauung reibungslos funktioniert. Die zweite „Arbeit“ der Drüse wird in bestimmten Zellen, den Langerhans-Inseln, geleistet. Sie sind für das Insulin und Glukagon zuständig, das den Blutzucker-Spiegel regelt.

 

Der Schmerz kam aus der Mitte des Körpers

Was passiert, wenn die Bauchspeicheldrüse nicht mehr richtig in Takt ist, hat Corinna Meyer am eigenen Leib erfahren. Ihr Fallbeispiel ist typisch: "Mein Bauch war hart und gespannt. Der Schmerz kam direkt aus der Mitte des Körpers – genau dort, wo ich eigentlich den Magen vermutete”, erinnert sich die Kielerin. Doch die erste Vermutung, dass sie etwas Verdorbenes gegessen hatte, bestätigte sich nicht. Als nach wenigen Stunden noch sehr hohes Fieber einsetzte, ließ sich die Frau von ihrem Mann direkt ins nächste Krankenhaus fahren.

"Keine Minute zu früh”, und der Schrecken steht ihr bei diesen Worten noch ins Gesicht geschrieben. "Mein Zustand wurde immer schlimmer, die Schmerzen immer heftiger.” In der Notaufnahme fiel dann erstmals die Diagnose "akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse”. Das Tückische an einer schweren akuten Pankreatitis ist der Verlauf. Zu 15 Prozent ist er lebensbedrohlich. Der produzierte Bauchspeichel fließt nicht ab, das Organ verdaut sich binnen einiger Tage selbst. Deshalb ist es wichtig, dass die Patienten innerhalb der ersten 48 Stunden in der Klinik versorgt werden.

Weitere Symptome neben Bauchschmerzen, Fieber und Erbrechen sind eine intensive Rötung des Gesichts und eventuell ein Schockzustand. Viel schlimmer noch: Durch Blutungen können alle Organe versagen. Eine Situation, in der Ärzte bis heute machtlos sind. Als Ursache für die Erkrankung gelten lang anhaltender Alkoholmissbrauch und Operationen beziehungsweise Entzündungen im Bauchraum. Nicht selten ist ein verkeilter Gallenstein schuld, der im „Mündungsdelta“ zur Bauchspeicheldrüse den Zugang versperrt.

 

Bei einer schweren Pankreatitis gilt ein Trink- und Essverbot

Auch bei Corinna Meyer tippte das Notfall-Team nach einer ersten Untersuchung per Ultraschall auf diesen Auslöser für die stark entzündete Bauchspeicheldrüse. Besonders schwere Fälle werden auf der Intensivstation behandelt. Hier gilt absolutes Trink- und Essverbot. Die Betroffenen müssen oft wochenlang intravenös ernährt werden.

Die Kielerin hatte Glück. Bei ihr waren in der Tat "nur” Gallensteine der Grund allen Übels. Wie das herausgefunden wurde? Mittels eines hochmodernen Mini-Endoskops. Es dient nicht nur der Diagnose, sondern mit ihm kann gleichzeitig "operiert” werden.

 

Eingriff mit dem Endoskop

Der Eingriff erfolgt dabei über den Mund. Das flexible Endoskop wird über die Speiseröhre durch den Magen bis in den Dünndarm vorgeschoben. Durch die spezielle Seitensichtoptik können wir sogar in die feinen Ableitungsgänge der Organe blicken.

Über den Arbeitskanal führt der Operateur schließlich ein weiteres kleines Instrument ein. Bis zu der Stelle, an der die Gallensteine sitzen. Sie werden mit einem Greifer, der sich am Ende befindet, entfernt. Der Patient merkt von alledem nichts. Er ist zuvor in eine Art Dämmerzustand versetzt worden.

Bei der folgenden Behandlung gilt immer noch die Gabe von hochdosierten Antibiotika als Mittel erster Wahl. Das größte Problem nach 25 Jahren Pankreas-Forschung: Man weiß noch nicht, bei wem die Entzündung harmlos verlaufen wird und bei wem nicht.

Doch auch hier versuchen Mediziner bereits neue Wege zu beschreiten. Anhand verschiedener Untersuchungsergebnisse sind sie zur Zeit dabei, ein Prognosesystem zu entwickeln. Vielleicht kann man die leichteren Fälle bald nur mit Schmerzmitteln und Flüssigkeit behandeln. Patientin Corinna Meyer wurde noch einige Zeit künstlich ernährt. Bereits nach einer Woche durfte sie wieder Nahrung zu sich nehmen. Nach 14 Tagen war sie wieder zu Hause ...

 

Chronische Pankreatitis

Neben der beschriebenen akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse gibt es eine zweite Form: die chronische Pankreatitis. In den Symptomen ähnelt sie sehr der akuten Pankreatitis. Die Schmerzen treten jedoch in immer kürzeren Abständen auf. Eine mögliche Folge ist die Ausbildung der Zuckerkrankheit "Diabetes mellitus”.

Die Ursache für die Schädigung des Organs liegt fast ausschließlich im exzessiven Alkoholmissbrauch. Die Behandlung konzentriert sich auf die Eingrenzung der Schmerzen und die Verhütung der Attacken. Dazu gehört insbesondere eine Umstellung der Lebensweise, das heißt der Verzicht auf Alkohol sowie eine fettarme und kohlenhydratreiche Diät. Fehlende Pankreas-Enzyme müssen dem Körper in Form von speziellen Medikamenten zugeführt werden.

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