Bauchmassage: Verdauungsfördernde und wohltuende Selbsthilfe

Michelle Kröger

Von Rückenmassagen lassen sich regelmäßig viele Menschen verwöhnen. Doch eine Bauchmassage? Davon haben bisher nur die wenigsten gehört. Dabei handelt es sich bei einer Bauchmassage um eine einfache Selbsthilfemaßnahme, die nur ein paar Minuten Zeit benötigt und viel bewirken kann. Was sie bringt und welche Techniken es gibt, erklärt Experte Ulrich Pötter, Direktor der SWAV-Akademie (Sport- und Wellness-Akademie ViaVita  (www.swav-berlin.de).

Bauch wird massiert
Foto:  iStock/MarinaVarnava
Inhalt
  1. Was ist eine Bauchmassage?
  2. Wirkung: Wogegen hilft eine Bauchmassage?  
  3. Kann man eine Bauchmassage selbst durchführen? 
  4. Wie funktioniert die Bauch-Selbstmassage? 
  5. Bauchmassage: Wer sollte lieber darauf verzichten? 
  6. Was ist eine Colonmassage und worin besteht der Unterschied zur klassischen Bauchmassage?
 

Was ist eine Bauchmassage?

Eine Bauchmassage ist eine Wellnessanwendung, bei der die Bauchregion im Fokus steht. “Sie entstammt der Ampuku-Massage aus Japan, welche auf dem Konzept der Shiatsu-Massage basiert”, sagt Experte Ulrich Pötter. Bauchmassagen haben demnach eine lange Tradition. Sie unterliegen den reflektorischen Massagetechniken, bei denen die Reflexzonen im Bauch sowie die Meridiane angeregt werden.

“Der Bauch gilt diesbezüglich in den urtümlichen Lehren aus Fernost als Körperregion, bei der sich alle Emotionen, organischen und physischen Funktionen treffen. Die ganzheitliche Vitalität, bei der Körper, Geist und Seele im Einklang sind, spielt dabei eine tragende Rolle, sodass die Körpermitte einen hohen Stellenwert bei der Behandlung verschiedener Disharmonien hat.” Derzeit ist die Bauchmassage deutlich weniger bekannt als andere Wellnessmethoden, beispielsweise die klassische Rückenmassage. Dabei kann sie viel bewirken und die Gesundheit fördern.

 

Wirkung: Wogegen hilft eine Bauchmassage?  

Die Wirkungsweisen sind sehr unterschiedlich. Eine Bauchmassage kann den Organismus in vielerlei Hinsicht positiv unterstützen. “Im Mittelpunkt steht das Drei-Säulen-System”, sagt Pötter und erklärt weiter:

  1. Die erste Säule bezieht sich auf einen funktionsfähigen Stoffwechsel.  “Denn er ist nachweislich für eine gesunde Magen-Darm-Aktivität verantwortlich und fördert die Verdauung”, sagt er. Massagen in der Bauchgegend können präventiv gegen Verstopfung wirken. Warum? “Weil sie die Peristaltik oder auch Eigendynamik des Darms genannt, aktivieren. Dies begünstigt einen geregelten Stuhlgang und vermeidet ein Völlegefühl.” Auch schädliche Ablagerungen lassen sich durch Bauchmassagen leichter von den Darmwänden lösen und abtransportieren. So lässt sich der Körper zugleich entgiften und entschlacken. “Schließlich regen die Grifftechniken die Durchblutung in der Bauchregion an, was sowohl positiv auf die Haut wirkt, als auch das Bindegewebe und die Darmfunktion verbessert”, sagt Pötter. Das stellt eine ideale Sauerstoff- sowie Nährstoffversorgung der vorhandenen Organe sicher. Außerdem dient die Bauchmassage dazu, die empfindsame Muskulatur, die den Darm umgibt, zu entkrampfen – damit der Bauch weich bleibt und Blähungen abgehen können. Die Anwendung kann dann ebenfalls dem Gewichtsverlust beitragen. 
  2. Die zweite Säule widmet sich dem beruhigenden Aspekt der Massage. Sie ruft laut dem Experten ein Wohlgefühl und eine angenehme Wärme hervor. Doch die sanfte Massagetechnik kann der Bauchregion noch mehr Gutes tun. “Die Praktik verhilft dem Organismus zu mehr Vitalität auf ganzheitlicher Ebene. Wird die Bauchmuskulatur mittels der Massage von Verspannungen befreit, löst dies ebenfalls emotionale Blockaden, Angstzustände oder Konzentrationsschwächen”, sagt Pötter. “Die Person fühlt sich insgesamt gesünder, ist fröhlicher sowie agiler.” 
  3. Die dritte Säule bezieht sich Pötter zufolge auf eine reflektorische Wirkung, bei welcher über die Reflexzonen des Bauches und deren Verbindung zu den inneren Organen weitere gesundheitliche Verbesserungen wie ein starkes Immunsystem, ein stabiler Kreislauf, die Linderung von Unterleibserkrankungen der Eierstöcke oder Gebärmutter, Hämorrhoiden oder Haltungsprobleme unterstützt werden. “Nicht zuletzt könnte die Bauchmassage aber genauso wirkungsvoll sein, um Rücken- und Kopfschmerzen zu behandeln”, sagt er. 


Die Anwendung bietet sich folglich für eine breit gefächerte Zielgruppe an. Ob für Personen mit vorhandenen Dysbalancen oder solche, die eine gesunde Magen-Darm-Funktion benötigen und sich als Präventivmaßnahme für die Massage entscheiden.    

Leinsamen und Leinsamenöl nebeneinander auf einem Tisch
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Kann man eine Bauchmassage selbst durchführen? 

Eine Rückenmassage lässt sich als Einzelperson nicht ohne Hilfe durchführen. Anders sieht das bei der Bauchmassage aus, sie ist im Allgemeinen auch für die Heim- und Eigenanwendung geeignet. “Gerade der Bauch lässt sich gut in einer Selbstmassage entspannen. Im Gegensatz zu anderen Körperpartien und Organen wie den Nieren, die in der Rückengegend lokalisiert sind oder der Lunge, die von Rippen umgeben ist, können unsere Hände den Bauch und damit indirekt auch den Darm bestens berühren”, sagt Pötter. “Wenngleich noch Haut, Binde- sowie Fettgewebe in unterschiedlichem Ausmaß dazwischen liegen, spürt unser Darm die sanften Massagetechniken und lässt sich gut von außen anregen.” 

Bauchmassagen als Eigenleistung – eine gute Idee. Gleichzeitig können dabei Hemmungen vor Berührungen eines Massagetherapeuten vermieden werden, die die meisten Menschen an der Tabuzone Bauch verspüren. Ein weiterer Vorteil der Eigenmassage: sie hat einen nachhaltigen Einfluss auf die Selbstheilungskräfte des Menschen. “Der bewusste, achtsame und liebevolle Umgang mit unserem Körper durch die behutsamen Berührungen führt zu mehr Selbstachtung sowie Lebensfreude. Dadurch können positive Energien freigesetzt werden”, sagt Pötter.    

 

Wie funktioniert die Bauch-Selbstmassage? 

Das richtige Vorgehen ist bei einer Bauch-Selbstmassage essenziell. Üben lohnt sich: “Eine Bauch-Selbstmassage sollte stets zehn bis fünfzehn Minuten andauern und täglich angewandt werden”, sagt Pötter. “Im Idealfall einmal am Morgen direkt nach dem Aufwachen, solange die Person noch nicht aufgestanden ist und zum zweiten Mal in Abhängigkeit von dem jeweiligen Tagesplan, sodass sie während einer ruhigen Phase stattfindet, um ihre Wirkung freizusetzen.” Zum Beispiel am Abend ca. 30 Minuten nach der letzten Mahlzeit oder unmittelbar vor dem Einschlafen. Wichtig sei eine regelmäßige, tiefe Atmung und die bewusste Entspannung der Bauchmuskulatur. Vermieden werden sollten auch ein übermäßiger Druck, ruckartige oder klopfende Bewegungen. Es handelt sich um eine Massagetechnik, die möglichst sanft angewendet werden sollte.  Laut dem Experten lässt sie sich sehr gut in drei Phasen unterteilen: 

  1. Die erste Phase (auch: Aufwärmphase) führt den Bauchraum schonend an die ungewohnten Berührungen heran, indem die Hände ganz vorsichtig über die Behandlungsregion streichen. 
  2. Die zweite Phase soll den Bauchraum aktivieren. “Sanfte Vibrationen gehen in langsame Kreisungen um den Nabel herum über, die dann mit behutsamem Druck der Handballen von dem Bauchnabel zur Magengegend wandern und eine Harmonisierung erzeugen”, sagt Pötter. 
  3. Die dritte Phase dient der Stimulation des Energiepunktes rund vier Zentimeter unter dem Bauchnabel. So können neue Energien fließen. “Diese Anwendung gilt bei den Japanern als Stimulation der Lebensquelle. Ohnehin beziehen sich viele der Grifftechniken bei Bauchmassagen auf die Nabelregion, weil sie am schnellsten auf Außenreize reagiert.” In den japanischen Lehren ist sie passenderweise als „Hara“ bekannt, was so viel bedeutet wie “Körpermitte".
 


Bauchmassage: Wer sollte lieber darauf verzichten? 

Ob jemand geeignet für eine Bauchmassage ist, sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Denn jeder Mensch reagiert anders auf Massagen. Der jeweilige Mediziner kann dann entscheiden, ob diese Massagetechnik effektiv und für die betreffende Person geeignet ist. 

“Gerade bei Menschen, die erst kürzlich in der Bauchregion operiert worden sind und demzufolge frische Narben haben, darf keine Massage angewandt werden. Ebenso verhält es sich bei vorliegenden Hauterkrankungen, denn auch hier sollte keine Bauchmassage zum Einsatz kommen. Sie würde die Hautveränderungen eher verschlimmern und als unangenehm empfunden werden”, sagt Pötter. Vor allem die weibliche Zielgruppe reagiert laut dem Massageprofi noch sensibler auf Massagepraktiken für die Bauchgegend, weswegen die Wellnessmethode während der Menstruation oder einer Schwangerschaft ausbleiben muss. “Die Grifftechniken könnten ein Unwohlsein hervorrufen und sogar vorzeitige Wehen auslösen.” Auch bei starken Schmerzen, einem akuten Entzündungsprozess oder Krebserkrankungen (mit tumorösen Wucherungen im Magen-Darm-Trakt) sollte lieber darauf verzichtet werden.

 

Was ist eine Colonmassage und worin besteht der Unterschied zur klassischen Bauchmassage?

Eine Sonderform der Bauchmassage stellt die sogenannte Colonmassage dar, oftmals auch als Kolonbehandlung bezeichnet. Sie legt ihren Fokus hauptsächlich auf das Kolon (lateinisch für Dickdarm) als Anwendungszentrum. “Sie wurde ursprünglich von Paul Vogler entwickelt und weist mehrere Unterschiede zu der klassischen Bauchmassage auf. Einerseits eben durch die Fokussierung auf den Dickdarm statt der Bauchnabelregion, wie es bei der Massage für den Bauch sonst üblich ist. Andererseits aber auch durch die Technik selbst”, sagt Pötter. “Eine Colonmassage setzt deutlich stärkere Massagereize voraus, um die Eigendynamik des Dickdarms (Peristaltik) zu aktivieren. Die Bauchmassage basiert eher auf behutsamen, sanften Grifftechniken wie Reibungen oder Vibrationen.” 

Ein weiterer Unterschied: Die Colonmassage wird als medizinisch-therapeutische Praktik bezeichnet, die Bauchmassage als Wellnessverfahren. “Das heißt auch: Colonmassagen sollten nur von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt werden – mit entsprechender Zusatzqualifikation. “Dann kann die Colonmassage sogar eine medikamentöse Therapiemaßnahme ersetzen oder zumindest ergänzen.”

Unser Experte

Ulrich Pötter, Direktor der SWAV-Akademie (Sport- und Wellness-Akademie ViaVita), ist staatlich anerkannter Therapeut und Masseur, Sportphysiotherapeut, medizinischer Trainingsexperte und seit über 20 Jahren aktiv im Massage-, Wellness- und Fitnessbereich als Unternehmer tätig.


 

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