Bauchhöhlenschwangerschaft (Abdominalgravidität) – extrem selten und gefährlich

Redaktion PraxisVITA

Eine Bauchhölenschwangerschaft ist ein medizinischer Notfall: Die befruchtete Eizelle wächst nicht wie von der Natur vorgesehen in der Gebärmutter, sondern im Bauchraum der Frau. Erfahren Sie hier, wie es zu diesem ungewöhnlichen Vorgang kommt.

Eine Frau berührt ihren Bauch
Eine Bauchhöhlenschwangerschaft ist ein extrem seltenes Ereignis. Dabei wandert die befruchtete Eizelle in den Bauchraum der Frau© LarsZahnerPhotography

Ursache

Symptome

Diagnose

Behandlung

Vorbeugung

Wie kann es passieren, dass sich eine befruchtete Eizelle im Bauchraum der Frau einnistet? Für gewöhnlich erfolgt die Nidation („Einnistung“) in der Gebärmutter der Frau. Was ist auf dem Weg dorthin anders verlaufen?

Während des weiblichen Zyklus findet der Eisprung statt. Die Eizelle springt aus dem Eierstock und wird vom trichterförmigen Ende des Eileiters aufgefangen. Von dort wandert die Eizelle weiter und stößt unter Umständen auf ein Spermium, von dem sie befruchtet wird. Die befruchtete Eizelle gelangt in die Gebärmutter der Frau, wo sie sich in die Schleimhaut eingräbt. Neues Leben entsteht.

 

Ursache einer Bauchhöhlenschwangerschaft: Die befruchtete Eizelle wandert nicht in den Eileiter

Die schematische Darstellung eines Eileiters
Zwischen Eierstock und Eileiter gibt es keine direkte Verbindung. Dadurch kann die befruchtete Eizelle in extrem seltenen Fällen in die Bauchhöhle gelangen © magicmine

Bei einer Bauchhöhlenschwangerschaft ist die Befruchtung anders verlaufen. Laut Medizinern sind zwei Möglichkeiten denkbar:

Erstens: Ein Spermium hat es geschafft, den gesamten Eileiter hinauf zu schwimmen, bis es an das Ende gelangt. Dort verschmilzt es mit der Eizelle der Frau. Die befruchtete Eizelle konnte allerdings nicht vollständig in den Eileiter gelangen, sie „verschwand“ in der Bauchhöhle der Frau.

Zweitens: Die Verschmelzung von Samen und Eizelle hat bereits im Eierstock stattgefunden. Von dort ist die befruchtete Eizelle in den Bauchraum der Frau gelangt.

 

Anatomische Ursachen einer Bauchhöhlenschwangerschaft

Fakt ist, bei beiden Möglichkeiten ist die befruchtete Eizelle nicht tiefer in den Eileiter bis hin zur Gebärmutter gewandert. Sie hat es geschafft, sich in der Bauchhöhle der Frau einzunisten, wo sie sich zu einem Embryo entwickelt.

Dieser Vorgang ist anatomisch deswegen möglich, weil zwischen dem Eierstock und dem Eileiter keine feste Verbindung besteht. Für gewöhnlich „locken“ die feinen Härchen (Fimbrien) des Eierstocks die Eizelle an, um sie anschließend durch den Eileiter zur Gebärmutter zu schleusen. Bei einer Bauchhöhlenschwangerschaft hat dieser Vorgang nicht funktioniert.

 

Häufigkeit einer Bauchhöhlenschwangerschaft

Eine Bauchhöhlenschwangerschaft ist extrem selten. Bei 100 Schwangerschaften ist nur eine dadurch zustande gekommen, dass sich die Eizelle außerhalb der Gebärmutter eingenistet hat. Mediziner sprechen bei außerhalb der Gebärmutter eingenisteten Schwangerschaften von „Extrauteringravidität“. Bei 99 von 100 Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter, handelt es sich um Eileiterschwangerschaften. Die Eizelle hängt hierbei im Eileiter fest und entwickelt sich dort stetig weiter. Ungefähr nur eine von 100 Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter ist demnach eine Bauchhöhlenschwangerschaft.

 

Symptome einer Bauchhöhlenschwangerschaft

Viele Frauen bemerken von einer Bauchhöhlenschwangerschaft nichts. Das Embryo wird im Bauchraum der Frau nicht mit Nährstoffen versorgt und kann daher in den überwiegenden Fällen nicht überleben. Es kommt zu einer Fehlgeburt noch bevor die Frau etwas von ihrer Schwangerschaft spürt. Der Embryo wird aus dem Körper ausgeleitet, dabei blutet es und es entstehen Krämpfen im Unterleib. Es kann vorkommen, dass Frauen diese Blutung mit ihrer Menstruationsblutung verwechseln. Der Embryo ist zu diesem Zeitpunkt zu klein, als dass er wahrgenommen werden könnte.

Sollte sich in extrem seltenen Fällen eine Bauchhöhlenschwangerschaft weiterentwickeln, tritt bei der Frau ein typisches Schwangerschaftsanzeichen auf: Ihre monatliche Periode bleibt aus. Unterleibschmerzen machen sich allerdings in den wenigsten Fällen bemerkbar. Denn anders als bei einer Eileiterschwangerschaft, hat die befruchtete Eizelle im Bauchraum der Frau viel Platz, um wachsen zu können. In den überwiegenden Fällen werden betroffene Frauen allerdings durch die fehlende Periode nachdenklich. Ein Schwangerschaftstest zeigt meist ein klares Ergebnis an: Eine Befruchtung hat stattgefunden.  

 

Diagnose einer Bauchhöhlenschwangerschaft

Beim Frauenarzt stellt sich meist schnell heraus, dass es sich nicht um eine normal verlaufende Schwangerschaft handelt. Der Gynäkologe unternimmt mehrere Teiluntersuchungen, um eine Bauchhöhlenschwangerschaft zu diagnostizieren:

Blutuntersuchung: Ist das Hormon Beta-hCG in deutlich erhöhter Konzentration vorhanden, ist die Frau mit großer Wahrscheinlichkeit schwanger.

Tastuntersuchung: Hierbei drückt der Frauenarzt sanft auf den Unterleib der Frau, um durch die Bauchdecke hindurch eine Bauchhöhlenschwangerschaft zu ertasten. Spürt die Frau Schmerzen, kann dies auf eine Bauchhöhlenschwangerschaft hindeuten.

Ultraschall der Vagina: Dieser ist deutlich effizienter als ein Ultraschall durch die Bauchdecke. Stellt sich bei der Untersuchung heraus, dass die Gebärmutter der Frau kein Ei enthält, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft.

Bauchspiegelung: Dieser Schritt ist in den überwiegenden Fällen nicht nötig. Falls bisherige Diagnoseverfahren allerdings nicht ausreichend Klarheit gebracht haben, wird eine Bauchspiegelung vorgenommen. Mit diesem Eingriff kann der Einnistungsort eindeutig geklärt werden. Eine Bauchspiegelung erfolgt unter Vollnarkose.

 

Behandlung einer Bauchhöhlenschwangerschaft: Der Embryo muss entfernt werden

Eine Frau ist verzweifelt wegen ihrer Bauchhöhlenschwangerschaft
Bei einer Bauchhöhlenschwangerschaft muss der Embryo entfernt werden, damit das Leben der Mutter nicht gefährdet wird. Viele Frauen leiden unter dem Schwangerschaftsabbruch© Kerkez

Eine Bauchhöhlenschwangerschaft ist für Frauen eine belastende Erfahrung. Viele von ihnen fragen ihren Arzt, ob der Embryo nicht einfach aus der Bauchhöhle entnommen und in die Gebärmutter eingesetzt werden könnte. Leider fehlen hierfür bisher die medizinischen Möglichkeiten. Der Embryo muss medizinisch entfernt werden, da durch Verwachsungen der Plazenta mit umliegenden Organen Blutungen entstehen können, die für die Mutter lebensbedrohlich sind.

 

Bauchhöhlenschwangerschaft: Der Wirkstoff Methotrexat lässt die befruchtete Eizelle absterben

Für den Schwangerschaftsabbruch wird in den überwiegenden Fällen der Wirkstoff Methotrexat verwendet. Häufig wird dieser als Infusion über eine Vene verabreicht, in einigen Fällen auch in Form von Tabletten. Methotrexat ist ein Zellgift, das das Wachstum sich schnell teilender Zellen (Eizelle) hemmt. Das befruchtete Ei stirbt ab oder wird vom Körper abgestoßen.

 

Bauchhöhlenschwangerschaft: Schwangerschaftsabbruch mittels einer Bauchspiegelung

In seltenen Fällen wird der Embryo mittels einer Bauchspiegelung entfernt. Bei diesem Eingriff steht die Frau unter Vollnarkose. Die Herausforderung für Ärzte besteht bei der Operation darin, die Plazenta zu entfernen, die häufig mit dem hinteren Bauchraum verwachsen ist und fingerdicke Gefäße aufweist.

 

Psychische Belastungen nach einer Bauchhöhlenschwangerschaft

Viele Frauen leiden sehr unter dem Schwangerschaftsabbruch. Hinzu kommt, dass sie sich Sorgen machen, ob sie ein weiteres Mal schwanger werden können. Wissenschaftlich belegte Zahlen, wie viele Frauen nach einer Bauchhöhlenschwangerschaft eine normal verlaufende Schwangerschaft erleben, fehlen bisher.

 

Vorbeugung einer Bauchhöhlenschwangerschaft

Einer Bauchhöhlenschwangerschaft vorzubeugen ist nicht möglich. Für Frauen kann es aber interessant sein, ob ihr individuelles Risiko hierfür erhöht ist. Laut Medizinern gibt es folgende Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit für eine Bauchhöhlenschwangerschaft erhöhen:

  • Eine bereits durchlebte Eileiterentzündung oder Fehlgeburt
  • Vorausgegangene Schwangerschaften, bei denen die Einnistung außerhalb der Gebärmutter stattgefunden hatte
  • Narbengewebe in den Eileitern. Dadurch werden die feinen Härchen der Eileiter zerstört, sodass diese die Eizelle nicht optimal durch den Eileiter befördern können

Die werdende Mutter sollte Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, um mögliche körperliche Hinweise auf eine funktionsbeeinträchtige Plazenta frühzeitig zu erkennen. Bei bestehendem individuellen Risiko wird der Gynäkologe seine Patientin über Behandlungsmethoden aufklären. 

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