Bau des Panamakanals: Wie das Gelbfieber die Arbeiter dahinraffte

Unter den Bauarbeitern des Panamakanals grassierte das Gelbfieber
Das Gelbfieber forderte viele Todesopfer unter den Arbeitern beim Bau des Panamakanals © Corbis

Beim Bau des Panamakanals starben tausende Arbeiter am Gelbfieber. Damals wusste niemand, wie das Virus übertragen wird und es gab noch keinen Impfstoff. Erfahren Sie hier, wie der „gelbe Dämon“ in Südamerika wütete.

Es war ein uralter Menschheitstraum: An der engsten Stelle Zentralamerikas in Panama sollte ein Kanal die beiden Weltmeere Pazifik und Atlantik miteinander verbinden. Die langwierige und gefährliche Umrundung Südamerikas um Kap Horn würde damit überflüssig, Schifffahrt und Handel könnten so enorm profitieren. 1881 machte sich der französische Ingenieur Ferdinand de Lesseps (1805-1894) daran, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Er hatte bereits den Suezkanal gebaut. Doch ein Freund warnte ihn: „Wenn Sie wirklich den Kanal bauen wollen, dann wird es hier nicht genügend Bäume geben, um Grabkreuze für Ihre Arbeiter daraus zu schnitzen.“ Denn die stickig-heiße Sumpflandschaft Panamas machte die Menschen krank. Hier grassierte das berüchtigte Gelbfieber. Doch Lesseps ließ sich nicht abschrecken – und zahlte einen furchtbaren Preis. Jeden Tag fielen 20 bis 40 Bauarbeiter dem Gelbfieber zum Opfer. Bald entstand entlang des Kanals ein endloser Friedhof. In der siebenjährigen Bauzeit starben etwa 50.000 Arbeiter. Die Kosten wuchsen ins Unermessliche, schließlich mussten die Franzosen den Bau abbrechen. Erst viel später wurde der Kanal von den Amerikanern vollendet.

 

Die Gelbfieber-Patienten hatten safrangelbe Gesichter

Das Gelbfieber oder auch der gelbe Dämon war eine Geißel der Tropen. Lateinamerika und die Karibik wurden ganz besonders heftig heimgesucht. Schon Christoph Kolumbus (1451-1506) hatte mit der Infektionskrankheit traurige Bekanntschaft gemacht. Kaum war er auf Haiti gelandet, brach unter den Spaniern die Seuche aus, 300 Männer fielen ihr in wenigen Tagen zum Opfer. Die Kranken wurden safrangelb im Gesicht, litten unter quälendem Erbrechen und starben schließlich. Ob Spanier, Engländer oder Franzosen – bei den vielen Kolonialkriegen in der Karibik war oft das Gelbfieber der schlimmste Feind. Man kann sogar sagen, dass es Weltgeschichte geschrieben hat. So wäre Nordamerika vielleicht dauerhaft französisch geworden, wenn nicht Napoleons Truppen 1803 in Santo Domingo (Dominikanische Republik) vom Gelbfieber gestoppt worden wären.

 

Übertragung von Gelbfieber durch Stechmücke

Schon der Forscher Alexander von Humboldt (1769-1859) hatte festgestellt, dass die Seuche nur in der heißen Jahreszeit ausbricht und auch nur in der Ebene. Die Ursache war bald gefunden: Das Gelbfieber-Virus wird von einer Stechmücke übertragen, die es heiß und feucht liebt. Urwälder und Sümpfe sind geradezu ihr Paradies. Dabei übertragen nur weibliche Mücken das gefährliche Virus.

 

Gelbfieber-Symptom schwarzes Erbrechen

Drei bis sechs Tage nach dem Mückenstich spürt der Kranke die ersten Symptome. Hohes Fieber, Schüttelfrost, Kreuz- und Gliederschmerzen erinnern zunächst an eine Grippe. Schließlich können auch innere Organe wie Leber und Nieren angegriffen werden. Galle gerät ins Blut und färbt die Haut gelb. Es kommt zu Blutungen der Mundschleimhaut, der Nase und zu „schwarzem Erbrechen“, das durch Kontakt des Blutes mit der Magensäure entsteht. „Viele erbrechen eine schwarze Masse“, schrieb schon der Arzt Ferreira de Rosa im 17. Jahrhundert. „Manchmal werden sie von schrecklichen Delirien erfasst, dass sie aus dem Bett springen und nackt auf die Straße rennen. Unter allen Symptomen sind zwei prognostisch äußerst ungünstig: Gelbsucht und Versiegen des Harns.“ Diese zweite toxische Phase endet tatsächlich häufig tödlich. Wer die Krankheit jedoch übersteht, ist ein Leben lang immun.

 

Von Humboldt hatte die Mücke im Verdacht

Während seiner Reise nach Südamerika machte er 1799 auch mit dem Gelbfieber Bekanntschaft. Als scharfer Beobachter stellte er fest, dass die Seuche nicht durch schlechte Ausdünstungen oder Ansteckung verbreitet wird. Vielmehr verdächtigte er die Stechmücke als Überträger. Seine Beobachtung blieb aber zunächst ohne Folgen.

Lesen Sie hier, wie mutige Forscher schließlich im Selbstversuch den Beweis brachten, dass das Gelbfieber durch Mückenstiche übertragen wird.

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