Basaltemperatur messen: Wie sicher ist diese natürliche Verhütungsmethode?

Silvia Pucyk Medizinredakteurin
Ein Liebespärchen liegt im Bett
Wer auf künstliche Hormone bei der Verhütung verzichten möchte, kann seine Basaltemperatur messen, um die fruchtbaren Tage zu ermitteln © jacoblund/iStock
Inhalt
  1. Basaltemperatur messen: Fruchtbare Tage ermitteln
  2. Basaltemperatur zu messen hat Vor- und Nachteile
  3. Basaltemperatur messen: Aufklärung beim Frauenarzt oder in Beratungsstellen

Verhütung ohne künstliche Hormone: Für viele Frauen ist das ein großer Wunsch. Aber welche Alternativen gibt es zur Pille oder Hormonspirale? Eine Möglichkeit ist es, die sogenannte Basaltemperatur zu messen und daran zu erkennen, wann die fruchtbaren Tage einsetzen. Doch wie sicher ist die Methode? 

Jeden Morgen dasselbe Prozedere: Thermometer aus dem Nachtschrank hervorholen und die Körpertemperatur messen. Nach diesem Prinzip funktioniert die sogenannte „Basaltemperaturmethode“ bzw. „Temperaturmethode“. Frauen benutzen dieses Verhütungsmittel, um ihre fruchtbaren Tage zu erkennen. Doch wie sicher ist die Basaltemperaturmethode? Laut Experten kann sie genau so zuverlässig sein, wie eine Verhütung mittels der Antibaby-Pille. Allerdings mit zwei Einschränkungen: Die Basaltemperatur muss erstens korrekt gemessen werden und zweitens sollte ein weitere natürliche Verhütungsmethode angewendet werden – die auf der Beobachtung des sogenannten „Zervixschleims“ basiert. 

Zyklustabellen und ein Thermometer

Wer mit der Basaltemperaturmethode verhüten möchte, braucht viel Disziplin. Denn jeden Morgen müssen die Werte in eine Tabelle eingetragen werden © simpson33/iStock

Doch erst einmal Schritt für Schritt. Wie funktioniert die Basaltemperaturmethode? Hierfür benötigt die Frau am besten ein Basalthermometer, das unter anderem in Apotheken für rund acht Euro erhältlich ist. Zusätzlich benötigen Frauen Zyklustabellen, die es bei Frauenärzten gibt oder im Internet zum Download angeboten werden. Jeden Morgen, noch bevor die Frau aus dem Bett steigt, misst sie mit dem Thermometer ihre Körpertemperatur gemäß der Empfehlungen, die der Hersteller in der Packungsbeilage macht. Für die Messung eignen sich mehrere Körperregionen: Mund, Vagina oder Anus. Je nach Körperregion kann die Messzeit unterschiedlich ausfallen. Halten Sie sich auch in diesem Punkt an die Angaben des Herstellers oder die Empfehlung des Arztes bzw. Apothekers. Das Thermometer unter die Achseln zu legen, ergibt laut Frauenärzten hingegen keine zuverlässigen Ergebnisse. Im Anschluss trägt die Frau die Temperatur in die Zyklustabelle ein. 
 

Eine Frau liegt im Bett und schläft

Direkt nach dem Aufwachen wird die Körpertemperatur gemessen © Asia Images/iStock

Bei der Auswertung der Tabelle lassen sich zwei Phasen erkennen: Eine vor dem Eisprung und eine, die danach stattfindet. Vor dem Eisprung verläuft die Temperatur auf einem Niveau von ungefähr 36.6 Grad Celsius. Hat der Eisprung stattgefunden, so steigt die Temperatur auf etwa 37 Grad Celsius. Bis zur Periode bleibt die Temperatur konstant auf diesem Level. Mit Beginn der Regelblutung fällt sie wieder. 

 

Basaltemperatur messen: Fruchtbare Tage ermitteln

Die Frau kann damit rückwirkend feststellen, wann ihr Eisprung stattgefunden hat. Die Basaltemperaturmethode eignet sich demnach weniger, um einen Kinderwunsch zu verwirklichen. Denn: Laut Experten ist die fruchtbarste Zeit der Frau kurz vor dem Eisprung. Wer die Basaltemperatur misst, verpasst jedoch diesen Zeitpunkt, da immer nur rückwirkend ermittelt werden kann, wann der Eisprung stattgefunden hat. 

Ein Temperaturanstieg sollte jedoch nicht grundsätzlich auf einen Eisprung zurückgeführt werden. Wer Stress hat, unter einer Erkältung leidet oder im Schichtdienst arbeitet, ist anfälliger für Temperaturschwankungen. 

Ein Beratungsgespräch beim Frauenarzt

Der Frauenarzt klärt über natürliche Verhütungsmethoden und deren Sicherheit auf © NanoStockk/iStock

Wegen dieser „Störanfälligkeit“ der Basaltemperaturmethode raten Gynäkologen zu einer weiteren natürlichen Verhütungsmethode, der Beobachtung des „Zervixschleims“. Dieser wird aus der Gebärmutter ausgesondert und hat zu verschiedenen Zeitpunkten im weiblichen Zyklus eine andere Zusammensetzung. Steht die Frau kurz vor dem Eisprung, so hat das Sekret meist eine sehr dünnflüssige, fadenbildende Konsistenz und ähnelt Eiweiß. Möchte Sie schwanger werden, wäre jetzt ein guter Augenblick dafür. Besteht hingegen kein Kinderwunsch, sollte die Frau jetzt beispielsweise mit einem Kondom verhüten. 

 

Basaltemperatur zu messen hat Vor- und Nachteile

Erst die Kombination beider Verhütungsmethoden gibt laut Gynäkologen größtmögliche Sicherheit. Anders als bei der Anti-Baby-Pille oder der Hormonspirale greift sie nicht in den natürlichen Hormonhaushalt ein. Sie muss auch nicht regelmäßig den Frauenarzt aufsuchen, um sich die Pille verschreiben zu lassen.

Eine Frau arbeitet am PC

Risiko Stress: Natürliche Verhütungsmethoden wirken am sichersten, wenn sich der Körper und der Zyklus der Frau in einer Balance befindet © Geber86/iStock

Gynäkologen weisen bei Beratungsgesprächen allerdings auch darauf hin, dass es viel Disziplin erfordert, jeden Morgen die Körpertemperatur zu messen und in eine Liste einzutragen. Dieser Schritt ist an sämtlichen Tagen nötig, also auch an Wochenenden oder im Urlaub. Werden die Ergebnisse nicht täglich in die Tabelle eingetragen, verfälscht dies das Ergebnis. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Faktoren, wie den Konsum von Alkohol, Schlafstörungen, oder Medikamente, die die Körpertemperatur beeinflussen können. Gynäkologen raten ihren Patientinnen daher dazu, eine Phase von etwa drei Menstruationszyklen einzuplanen, um den Körper kennenzulernen. Bis dahin sollte beispielsweise mit Kondomen verhütet werden. 

 

Basaltemperatur messen: Aufklärung beim Frauenarzt oder in Beratungsstellen

An Volkshochschulen oder Beratungsstellen gibt es Kurse, in denen ausgebildete Beraterinnen Frauen darin schulen, die Basaltemperatur exakt zu messen und ihre fruchtbaren Tage zu ermitteln. Die Kurse kosten etwa 120 Euro. Natürlich ist es auch möglich, sich in einer Arztpraxis von einem Gynäkologen beraten zu lassen. 

 

 

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