Übersicht

Barrierefreies Bad: Worauf Sie bei der Planung achten sollten

Alexander Scherb

In den eigenen vier Wänden möchte man sich zu jederzeit wohl und heimelig fühlen. Gerade im Alter ist es daher besonders wichtig, dass man barrierefreien Zugang zu seinen Räumlichkeiten hat. Ein barrierefreies Bad gehört dann zum Alltag, denn der Gang zur Toilette oder Dusche soll beschwerdefrei möglich sein. Meist muss das Bad dafür umgebaut werden und dies erfordert ein gewisses Maß an Planung. Alles was Sie für den Ausbau eines barrierefreien Bads wissen müssen, erfahren Sie hier.

Barrierefreies Bad
Ein barrierefreies Badezimmer kann den Alltag von vielen Senioren erheblich erleichtern Foto:  domin_domin
Inhalt
  1. Barrierefreies Bad: Die Begriffserklärung
  2. Welche Größe muss ein barrierefreies Bad haben?
  3. Türgrößen eines barrierefreien Bads
  4. Barrierefreie Badelemente
  5. Dusche und Badewanne eines barrierefreien Bads
  6. Wie viel kostet ein barrierefreies Bad?
  7. Tipps für ein barrierefreies Bad
 

Barrierefreies Bad: Die Begriffserklärung

Der Begriff „barrierefreies Bad“ lässt genauso viele Interpretationsmöglichkeiten wie etwa behindertengerecht oder seniorengerecht. Wann ist ein Bad barrierefrei, seniorengerecht oder behindertengerecht? Das Oberlandesgericht in Koblenz entschied, dass ein seniorengerechtes Bad nicht zwangsläufig für Rollstühle oder Rollatoren geeignet sein muss. Denn nicht alle Senioren benötigen einen Rollator oder gar einen Rollstuhl. Wenn Sie sich ein barrierefreies Bad anschaffen wollen, achten Sie beim Austausch mit den Handwerkern auf die DIN-Norm 18040, denn diese beinhaltet sämtliche Richtlinien, die man für barrierefreies Wohnen benötigt.

 

Welche Größe muss ein barrierefreies Bad haben?

In erster Linie benötigt ein barrierefreies Bad jede Menge Platz. So muss beispielsweise zwischen den einzelnen Sanitärelementen ein Abstand von 20 Zentimeter frei bleiben. Der Abstand zur Wand muss sogar 30 Zentimeter betragen. Noch mehr Freiraum sieht es beim Platz vor den Sanitäreinheiten wie Toilette und Waschbecken aus. Hier muss mindestens eine Bewegungsfläche von 60 mal 60 Zentimeter für Personen ohne Rollstuhl vorhanden sein. Sitzt die Person in einem Rollstuhl, so muss die Bewegungsfläche sogar 150 mal 150 Zentimeter betragen. Handelt es sich also um ein recht kleines Badezimmer (wie es heutzutage oft in Mietwohnungen der Fall ist) wird es mit einem barrierefreien Badezimmer schon schwer.

Älterer Mann mit Gehstock vor einer barrierefreien Toilette
Alter & Pflege Altersgerecht Wohnen: So klappt der Umbau

 

Türgrößen eines barrierefreien Bads

Ebenfalls muss über einen Umbau der Badezimmertür nachgedacht werden. In neueren Wohnungen ist eine Breite von 80 Zentimetern, welche bei einem barrierefreien Bad gefordert sind, schon Standard, ältere Wohnungen haben allerdings kleinere Türdurchgänge. Für einen Rollstuhlfahrer muss die Tür allerdings auf 90 Zentimeter verbreitert werden. Außerdem muss sich die Tür eines barrierefreien Bads nach außen öffnen lassen, damit Helfer im Notfall das Bad schnell und problemlos betreten können. Ein barrierefreies Bad benötigt außerdem spezielle Türschlösser, die sich bei Bedarf auch von außen öffnen lassen können.

 

Barrierefreie Badelemente

Auch beim Waschbecken und bei der Toilette gibt es spezielle Normen, die für ein barrierefreies Bad erfüllt werden müssen. So benötigen Sie seitliche Stützhilfen, welche Ihnen beim Aufstehen helfen. Apropos Aufstehen: Soll das Bad rollstuhlgerecht sein, muss das Waschbecken unterfahrbar sein. Dies ist bei den meisten Waschbecken nicht möglich, weil schon allein der Siphon im Weg ist. Es gibt spezielle Flachaufsitzsiphons, die Raum unter dem Waschbecken schaffen. Übrigens ist ein unterfahrbares Waschbecken nicht nur für Rollstuhlfahrer sinnvoll. Auch für Senioren kann es sehr erleichternd sein, wenn sie sich beim Händewaschen oder Zähneputzen hinsetzen können. Die Armatur sollte beim Waschbecken mit einem ausreichend langen Hebel ausgestattet sein, damit dieser auch im Sitzen leicht zu bedienen ist.

Bei der Toilette müssen beidseitig Haltegriffe angebracht werden, die zudem noch nach oben hin weggeklappt werden können. Die Höhe der Toilette ist in der DIN-Norm 18040 mit 46 bis 48 Zentimetern angegeben, allerdings empfiehlt es sich, eine höhenverstellbare Toilette zuzulegen. Hier kann die Höhe direkt auf die passende Körpergröße eingestellt werden. In einem Abstand von 55 Zentimetern ist eine Rückenlehne anzubringen, allerdings erfüllt in den meisten Badzimmern dies schon die Rückwand.

 

Dusche und Badewanne eines barrierefreien Bads

Bei einer barrierefreien Badewanne gibt es kaum Unterschiede zu einer normalen Badewanne. Einzig einen klappbaren Duschsitz und Haltegriffe müssen angebracht werden. Beide müssen ein Gewicht von mindestens 100 Kilogramm aushalten können. Natürlich gibt es auch spezielle Wannenlifter, diese sind aber keine Notwendigkeit für die Bezeichnung „barrierefreies Bad“. Ein spezieller Antirutsch-Bereich vor der Wanne ist auch für Personen ohne Behinderung von Vorteil. Leiden Personen unter einer Sehbehinderung, sollte die Armatur kontrastreich gehalten werden, damit Kalt- und Warmwasserzulauf gut voneinander zu unterscheiden sind.

Die Dusche sollte ebenerdig gebaut werden, mit einem maximalen Höhenunterschied von zwei Zentimetern. Eine Dusche wird nur dann als barrierefrei gekennzeichnet, wenn keine Stufen zu überwinden sind. Auch vor einer Dusche sollte es einen Anti-Rutsch-Bereich geben.

 

Wie viel kostet ein barrierefreies Bad?

Leider muss man sagen, dass ein Umbau vom normalen Bad zu einem barrierefreien Bad sehr kostspielig ist. Vor allem wenn es sich um Veränderungen in einer bestehenden Wohnung handelt. Meist kosten speziell barrierefreie Einrichtungsgegenstände mehr als ihr Standard-Pendant. Die Kosten lassen sich allerdings mit sorgfältiger Planung auf mehrere Arten begrenzen. Beispielsweise bei der Toilette oder der Dusche. Außerdem wird ein Umbau oft vom Bund gefördert. Dadurch lassen sich die Kosten weiter senken.

So gibt es beispielsweise von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kostengünstige Kredite und auch Fördergelder von bis zu 5000 Euro können beantragt werden. Wichtig ist, dass sie jegliche Anträge vor dem Umbau beantragen. Neben der gesamtstaatlichen Förderung haben auch die einzelnen Bundesländer eigene Förderprogramme. Kranken- und Pflegekassen sind manchmal mit einem Zuschuss behilflich. Dafür sollten Sie sich bei Ihrer Krankenkasse erkundigen.

 

Tipps für ein barrierefreies Bad

Damit Sie mit all den Informationen nicht überfordert sind, gibt es hier noch einmal eine kurze Liste mit wichtigen Infos, welche Sie vor dem Baubeginn abgehakt haben sollten.

  • Halten Sie sich bei der Planung an die DIN-Norm18040. Sie beinhaltet alle Zusätze, die ein barrierefreies Bad benötigt.
  • Definieren Sie, welche Art der Einschränkung es gibt und welche Umbaumaßnahmen nötig sind.
  • Prüfen Sie die Fördermöglichkeiten.
  • Vermessen Sie Ihr Bad und gehen Sie sicher, dass der Ausbau zu einem barrierefreien Bad überhaupt möglich ist.
Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2021 praxisvita.de. All rights reserved.