Barmer-Post: Hilft Masturbation beim Einschlafen?

Verena Elson Medizinredakteurin

Ein Facebook-Post der Barmer sorgt derzeit für Aufsehen: Die Krankenkasse empfiehlt Menschen mit Einschlafproblemen zu masturbieren, um schneller in den Schlaf zu finden. Funktioniert das wirklich?

Eine Frau masturbiert
Masturbation als Einschlafhilfe – bei vielen Menschen funktioniert das Foto:  iStock/miljko

„Masturbation hilft beim Einschlafen. Wenn du mal wieder nicht schlafen kannst, dann leg einfach mal selbst Hand an oder hol dir ein Spielzeug dazu, dann kommt der Schlaf ganz von alleine.“ Mit diesem Einschlaftipp wandte sich die Barmer in einem Facebook-Post an ihre Leser – und erntete damit mehr als 2.800 überwiegend positive Kommentare.

 

Masturbation hilft beim Einschlafen – Sex mit Partner ist besser

Doch hilft Masturbation wirklich beim Einschlafen? Eine in diesem Jahr veröffentlichte Onlineumfrage zur schlaffördernden Wirkung von Sex und Masturbation ergab folgendes Bild: 47 Prozent der Befragten gaben an, nach dem Masturbieren schneller einschlafen zu können; 54 Prozent hatten den Eindruck, nach der Masturbation besser zu schlafen.

Eine wirksamere Einschlafhilfe ist laut dieser Umfrage Sex mit einem Partner (mit Orgasmus): 62 Prozent der Befragten berichteten von einer kürzeren Einschlafzeit, 71 Prozent von einer besseren Schlafqualität.

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Warum kann Masturbation beim Einschlafen helfen?

Ein Orgasmus scheint also durchaus schlaffördernd zu wirken – und das umso mehr, wenn die sexuelle Handlung mit einem Partner vollzogen wird. Der Grund dafür ist ein Mix an Hormonen, der während des Orgasmus freigesetzt wird. Eins dieser Hormone ist das sogenannte Prolaktin: Die Hauptaufgabe dieses Hormons ist es, nach der Geburt die Milchproduktion bei der Mutter zu stimulieren. In niedrigeren Mengen produzieren aber auch Frauen, die weder schwanger noch Mutter sind, und Männer dieses Hormon.

Forscher haben festgestellt, dass der Prolaktinspiegel passend zu unserem Schlaf-Wachrhythmus abfällt und ansteigt – und zwar ähnlich wie der Spiegel des Schlafhormons Melatonin: Beide Hormonspiegel sind am Morgen typischerweise niedrig und steigen im Tagesverlauf an.

Nach dem Orgasmus ist der Prolaktinspiegel ebenfalls erhöht – dies ist aus Medizinersicht vermutlich der Grund für die von vielen beschriebenen Gefühle von Entspannung und Schläfrigkeit nach dem Sex.

 

Oxytocin wirkt entspannend und schmerzlindernd

Ein weiteres Hormon, das während des Orgasmus ausgeschüttet wird, ist das Bindungshormon Oxytocin. Ein Oxytocinanstieg wirkt sich gleich mehrfach auf den Körper aus: Er senkt den Spiegel des Stresshormons Cortisol und wirkt so entspannend. Zudem bewirkt er die Ausschüttung von Endorphinen, die schmerzlindernd und beruhigend wirken. Kuscheln und Körperkontakt lassen den Oxytocinspiegel noch höher ansteigen – das könnte ein Grund sein, warum Sex mit dem Partner stärker schlaffördernd wirkt als Masturbation.

Niederländische Forscher fanden in einer 2006 veröffentlichten Orgasmus-Studie zudem heraus, dass Frauen während des Orgasmus von ihren Emotionen „entkoppelt“ werden. Bilder der Gehirne von Frauen während des sexuellen Höhepunkts zeigten, dass das Hirnareal, das für Ängste und Sorgen zuständig ist (der Temporallappen), zeitweise „ausgeschaltet“ wurde – eine gute Voraussetzung, um das Einschlafen zu beschleunigen.

Quelle:
Lastella, Michele, et al. (2019): Sex and Sleep: Perceptions of Sex as a Sleep Promoting Behaviour in the General Adult Population. In: Frontiers in public health.

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