Baden in der Schwangerschaft: Was ist erlaubt?

Michelle Kröger

Nicht selten hören werdende Mütter, dass Baden in der Schwangerschaft schaden kann. Wer jedoch einige Dinge beachtet, hat nichts zu befürchten und kann sich etwas Gutes tun. Entspannende Momente und das leichte Gefühl in der warmen Wanne können nicht nur schwere Beine oder Rückenschmerzen lindern.

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Inhalt
  1. Baden in der Schwangerschaft: Ist der Verzicht wirklich nötig?
  2. Was ist die ideale Badetemperatur in der Schwangerschaft?
  3. Heiß Baden in der Frühschwangerschaft
  4. Wie lange darf man in der Schwangerschaft baden?
  5. Badezusatz in der Schwangerschaft: Auf ätherische Öle verzichten
  6. Sind Whirlpool und Schwimmbad schwanger eine gute Idee?
  7. Schwanger baden ist erlaubt
 

Baden in der Schwangerschaft: Ist der Verzicht wirklich nötig?

Baden in der Schwangerschaft ist ein Thema, das mit viel Unsicherheit verbunden ist. Doch wer ein paar Regeln beherzigt, der kann auch mit Babybauch in die Badewanne steigen. Aber: “Wenn Ihr Kreislauf nicht stabil ist, sollte jemand in Rufweite sein, der/die Ihnen im Notfall helfen kann”, so Frauke Lippens, Hebamme und Fachbuchautorin. Ansonsten steht einem gemütlichen Bad fast nichts im Wege. 

 

Was ist die ideale Badetemperatur in der Schwangerschaft?

Ideal ist eine Wassertemperatur zwischen 33 und 34 Grad. Wichtig ist es, in er Schwangerschaft nicht zu heiß zu baden: “Wer gern heiß badet, sollte die Wassertemperatur messen und nicht über 40 Grad gehen”, so Frauke Lippens. Denn auf diese Weise können sich Gefäße erweitern, was zu Kreislaufproblemen führen kann. Durch den Schwindel maximiert sich zudem das Unfallrisiko beim Wannenausstieg. Auch bestehende Krampfadern können sich verschlimmern.

Bei einer fortgeschrittenen Schwangerschaft sollte die Körperkerntemperatur durch zu warmes Badewasser nicht länger auf über 38,5 Grad ansteigen. Dadurch steigt nämlich das Risiko für vorzeitige Wehen und eine Frühgeburt.

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Heiß Baden in der Frühschwangerschaft

Beim Baden in der Frühschwangerschaft ist besondere Vorsicht geboten. In den ersten drei Monaten sollten Schwangere darauf achten, dass das Wasser nicht heißer als 38 Grad ist. Eine zu hohe Badetemperatur könnte beim Kind zu Fehlbildungen der Organe oder des Skeletts führen. Dieses Risiko braucht niemand eingehen – einfach lauwarm baden und genießen.

 

Wie lange darf man in der Schwangerschaft baden?

Eine Badedauer von 10 bis maximal 15 Minuten sollten Schwangere nicht überschreiten. Je länger die Verweildauer im Wasser ausfällt, desto eher heizt der Körper auf und das Risiko für die oben genannten Folgen steigt. Übrigens: Auch zu langes und zu heißes Duschen kann sich negativ auf die Schwangerschaft auswirken.

 

Badezusatz in der Schwangerschaft: Auf ätherische Öle verzichten

Eine ausgedehnte Aromatherapie sollte bis nach der Kugelzeit warten. Beim Baden in der Schwangerschaft sollte man lieber auf ätherische Öle verzichten, da einige unter ihnen (darunter Zimt, Nelken oder Kampfer) Wehen anregen können.

Eine gute Alternative ist ein fertiges Ölbad mit beispielsweise pflegendem Mandelöl. “Wer einen niedrigen Blutdruck hat, greift am besten zu Rosmarin. Zum Entspannen lieber zu Lavendel oder Melisse”, rät Hebamme Lippens.

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Tipps für das Baden in der Schwangerschaft
  • Wohlfühlatmosphäre schaffen: Kerzen, Musik, Hörbuch? Alles, was Schwangere entspannt, ist erlaubt.
  • Nicht allein baden: Eine weitere Person sollte in der Nähe bleiben, um der Frau im Notfall bei Kreislaufproblemen und Schwindel aus der Wanne zu helfen.
  • Trinken bereitstellen: An den Wannenrand ein Glas Wasser stellen. Denn durch die Wärme verliert der Körper viel Flüssigkeit.
 

Sind Whirlpool und Schwimmbad schwanger eine gute Idee?

Das Baden im Whirlpool ist keine gute Idee. Was sich harmlos anhört, birgt ein hohes Infektionsrisiko, das keine schwangere Frau eingehen sollte. Das wärmere Wasser des Whirlpools bietet Bakterien und Pilzen optimale Bedingungen, sich zu vermehren. Insbesondere, wenn das Wasser nicht regelmäßig erneuert wird.

In der Schwangerschaft ist zudem das Säureniveau in der Scheide verringert, was die lokale Immunabwehr schwächt und das Risiko für eine vaginale Pilzinfektion zusätzlich erhöht.

Trainierte und geübte Schwimmerinnen können auch in der Schwangerschaft weiter gemäßigt schwimmen gehen. Allerdings sollten sie nur Brust-, Kraul- und Rückenschwimmen ausüben und nicht in den Leistungsbereich abschweifen. Gegen gelassenes Schwimmen mit ruhigem Puls ist nichts einzuwenden. Das ist nicht nur gut bei Rückenschmerzen, sondern unterstützt auch die Darmtätigkeit.

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Schwanger baden ist erlaubt

"Wenn die Wanne vorher - vom Partner - ordentlich gesäubert wurde, muss eigentlich keine Schwangere auf ein Wannenbad verzichten”, so Frauke Lippens. Voraussetzung: ein stabiler Kreislauf. Wer sich an die hier genannten Regeln hält, der hat auch nichts zu befürchten. Es kann Mama und Baby richtig gut tun. Bei Unsicherheiten zum Baden in der Schwangerschaft lieber einen Arzt oder die Hebamme befragen.

Unsere Expertin: Frauke Lippens, Hebamme und Fachbuchautorin aus Hamburg.

Quellen:

Chambers, CD. (2006): Risks of hyperthermia associated with hot tub or spa use by pregnant women, in: Birth Defects Research, Volume 76, Ausgabe 8

Deutscher Hebammenverband (2011): Entspannt erleben: Babys 1. Jahr: Alles Wichtige: Ernährung, Schlafen, gesunde Entwicklung, Pflege, Stuttgart: Trias Verlag

A case–control study of maternal bathing habits and risk for birth defects in offspring, in: Environmental Health

Gesund schwanger – Alles, was jetzt wichtig ist, in:  Broschüre der European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI)

Kainer, F. & Nolden, A. (2014): Das große Buch zur Schwangerschaft, München: Gräfe und Unzer Verlag (8. Auflage)

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