Baby-Sprache macht klug

„Was hast DUUU denn da? Ist das dein SCHNULLIII?" Baby-Sprache klingt für Außenstehende häufig anstrengend. Forscher haben aber entdeckt, dass sie für Babys genau richtig ist, um sprechen zu lernen.

Bisher war sich die Forschung nicht ganz einig, wie Kinder am besten sprechen lernen. Einige Verhaltensforscher plädierten dafür, mit Babys ganz normal wie mit Erwachsenen zu sprechen, damit die Kleinen von Anfang an lernen, richtig zu sprechen. Wissenschaftler der Rutgers University-Newark (RU-N) haben ein Computer-Modell entwickelt, mit dem sie geprüft haben, welche Art des Sprechens sich am besten eignet, um mit Babys und Kleinkindern zu kommunizieren. Ihre unerwartete Erkenntnis war, dass Baby-Gehirne stärker reagieren, wenn Erwachsene in Baby-Sprache mit ihnen kommunizieren.

 

Auf die richtige Betonung kommt es an

„Unsere Intuitionen sind in dieser Hinsicht überraschenderweise richtig“, sagt Patrick Shafto, einer der Autoren der Studie. „Warum sprechen wir so albern mit Kindern? Es hilft ihnen tatsächlich, die relevanten Eigenschaften der Sprache zu lernen“.

Die erstaunliche Ursache dahinter ist nicht, dass Baby-Sprache simpler aufgebaut ist. Es liegt viel mehr daran, dass bei dieser Art des Sprechens Vokale stärker auseinander gezogen werden und die wichtigsten Wörter im Satz stärker betont werden. Vokale sind die ersten Laute, die Kinder selbst bilden und verstehen können. So ist es auch kein Zufall, dass „MAMA“ häufig eines der ersten Worte ist, die ein Kind spricht, da für dieses Wort weder Zähne, noch komplizierte Mundbewegungen erforderlich sind. „Die betonten Wörter überspitzen die, für den Spracherwerb von Babys wichtigen Eigenschaften der Sprache“, erklärt Shafto. Im Laufe der Zeit soll sich das Gehirn des Babys dann so weit entwickeln, dass es die Baby-Sprache in normale Sprache umwandeln kann. 

 

Auch Fremdsprachen können durch gezieltes Betonen leichter erlernt werden

Die Erkenntnisse von Shafto und seinem Team sind nicht nur für Eltern interessant. Auch für den Fremdsprachenerwerb kann das Computer-Modell genutzt werden, um herauszufinden, durch welche Art des Kommunizierens eine Fremdsprache am besten erlernt werden kann. „Indem man die Sprache manipuliert und nur auf wichtige Dinge beschränkt, könnten wir zum Beispiel Englisch leichter erlernbar für Nicht-Muttersprachler machen“, erklärt Shafto.

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Hamburg, 28. Juni 2016

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