Baby-Nestchen: Gefährlich und sinnlos!

Rasmus Cloes Medizinredakteur
Plötzlicher Kindstod durch Baby-Nestchen
Im ersten Lebensjahr des Kindes gilt: Keine Stofftiere, keine Kissen und kein Baby-Nestchen ins Baby-Bett © Fotolia

Eine neue Studie zeigt, dass sogenannte Baby-Nestchen ein gefährliches und bisweilen tödliches Accessoire im Kinderbett sind. Experten fordern jetzt ein Verbot.

Die Studie in der Fachzeitschrift Pediatrics stammt von Bradley T. Thachs, einem emeritierten Professor für Kindermedizin von der Universität Washington, der mit zwei weiteren Verbraucherschützern Fälle des SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) untersucht hat. In Industrienationen eine der häufigsten Todesursachen von Säuglingen.

Seit Jahre forscht Tachs zu dem ernsten Thema – doch selten wurde er so deutlich wie jetzt: „Baby-Nestchen töten Kinder!“, folgert er aus seinen Daten. Für mindestens 23 Todesfälle von Babys in den USA waren sie innerhalb der letzten sieben Jahre verantwortlich. Verglichen mit den Jahren zuvor hätte sich die Zahl der Unfälle verdreifacht. Hinzu kommt: Aufgrund ungenauer Berichte zu den einzelnen Todesfällen vermuten die Experten, dass die tatsächliche Zahl noch höher liegt.

„Wenn die Nase und der Mund eines Babys von einem Nestchen verdeckt werden, dann ersticken sie sehr schnell“, sagt Nancy Scheers, eine Expertin der US-Verbraucherschutzorganisation CPSC. Der wichtigste Punkt für Scheers: „Die Nestchen haben keinen Nutzen.“ Zwar könnten sie davor schützen, dass Kinder ihren Kopf an den Gitterstäben des Bettchens stoßen oder mit einem Fuß daran hängen bleiben, doch es sei kein Fall dokumentiert, bei dem das zu einer ernsten Verletzung geführt habe. Sie seien also gefährlich und sinnlos.

So sieht das auch Tachs: „Es gibt eine hundertprozentige Methode, um Todesfälle durch Baby-Nestchen zu verhindern: Sie einfach nicht benutzen.“ Die US-Staaten Chicago und Maryland haben das jetzt sogar gesetzlich geregelt. Dort sind die Baby-Nestchen verboten.

 

So können Sie dem Plötzlichen Kindstod vorbeugen

Es ist der Albtraum für Eltern: Morgens wacht das Baby nicht mehr auf, nie mehr. Der plötzliche Kindstod ist eine Horrorvorstellung für alle Eltern. Doch obwohl er zu den häufigsten Todesursachen bei Neugeborenen zählt, sollten sich Eltern keine übetriebenen Sorgen machen. Auf jährlich etwa 700 000 Neugeborene kommen 152 Fälle des plötzlichen Kindstods. Das ist ein Fall pro 4500 Geburten.

Trotzdem gibt es wichtige Regeln, mit denen sich das Kind leicht schützen lässt: Es muss auf dem Rücken schlafen. Die Bauchlage ist das größte Risiko für den plötzlichen Kindstod. Denn dann ist der Mund zu nah an der Matratze und das Baby atmet seine eigene, gerade ausgeatmete verbrauchte Luft wieder ein. Damit das Baby aber trotzdem seine Bauch- und Rückenmuskeln gleichmäßig ausbilden kann, sollte es im Wachen ruhig mal auf dem Bauch liegen und üben, das Köpfchen zu heben und nach vorn zu greifen.

Das Kind braucht ein eigenes Bett. Um es zu beruhigen oder zum Stillen kann die Mutter das Baby natürlich in ihr eigenes Bett holen. Aber zum Schlafen muss es wieder raus. Sonst kann es unter die große Decke geraten oder die Ausatemluft der Eltern einatmen. Außerdem wird es im großen Elternbett einfach zu warm. Die Wiege ins Elternschlafzimmer zu stellen, so dass die Erwachsenen auch im Halbschlaf sofort auf Veränderungen beim Baby reagieren können, ist aber eine gute Idee.

Das Kind muss im Schlafsäckchen schlafen. Der große Vorteil: Es kann sich nicht im Traum unter eine Decke wühlen und dort ersticken. Aus dem gleichen Grund braucht es auch kein Kissen und natürlich keine großen weichen Kuscheltiere, unter die es rutschen kann.

Die Mutter sollte nicht rauchen. Hat eine Frau in der Schwangerschaft täglich zehn Zigaretten geraucht, erhöht sich das Risiko eines plötzlichen Kindstods um das Siebenfache. Auch nach der Geburt sollte das Baby keinen Zigarettenqualm einatmen.

Und: Die Mutter sollte stillen. Stillen wirkt vorbeugend, auch wenn die Wissenschaftler noch nicht den Wirkmechanismus entdeckt haben.

Hamburg, 24. November 2015

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