Baby-Durchfall: Das müssen Eltern wissen

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Hat ein Baby Durchfall, das schon Beikost erhält, darf es sie weiteressen.“ © privat

Was sollen Eltern tun, wenn ein Kleinkind oder Baby Durchfall hat? Welche Nahrung am besten geeignet ist und was den Kleinen außerdem helfen kann, erklärt Kinderärztin Dr. Nadine Hess.

 

Baby-Durchfall: Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Babies und Kinder leiden teilweise mehrmals im Jahr an Erbrechen und Durchfall. Aber Anti-Durchfallmedikamente sind bei Babys und Kindern unter zwei Jahren (und das sind die, die am häufigsten unter Durchfällen leiden) nicht zugelassen. Bei Kindern unter 12 Jahren sind sie nur mit strengster Indikationsstellung erlaubt. Bezüglich der richtigen Durchfall-Behandlung, „erlaubten“ Nahrungsmitteln und den gängigen Hausmittelchen herrscht viel Unsicherheit. In vielen Köpfen ist noch verhaftet, dass bei Durchfall Cola ohne Kohlensäure ein gutes Hausmittel ist.

 

Warum das „Hausmittel“ Cola bei Durchfall eher schadet als hilft

Aber zum einen enthält Cola viel zu wenig Elektrolyte (wie Natrium, Kalium oder Chlorid), die bei Durchfall und Erbrechen verloren gehen. Zum anderen steckt in Cola zu viel Zucker, der durch seine hohe Osmolarität den Flüssigkeitsverlust über den Darm noch verstärken kann. Besser sind Elektrolytlösungen aus der Apotheke.  Deren Elektrolyt- und Zuckergehalt ist genau abgestimmt und sie können rasch helfen, den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Aber lassen Sie Ihre Kinder nicht alles auf einmal austrinken, auch, wenn der Durst groß ist. Insbesondere wenn das Baby zum Durchfall zusätzlich noch erbricht, kommt bei größeren Mengen meist postwendend alles wieder heraus. Stattdessen sollten Sie Ihrem Kind alle paar Minuten immer wieder einen Teelöffel mit der Lösung verabreichen. Klappt das ohne erneutes Erbrechen, kann nach einer halben Stunde bis Stunde die Menge gesteigert werden.

 

Baby-Durchfall:Welche Nahrung hilft?

Eine sogenannte Teepause, wie man sie früher noch empfohlen hat (einen Tag oder länger keine feste Nahrung, sondern nur Tee, teilweise mit Zucker versetzt), ist nicht sinnvoll. Es konnte mehrfach nachgewiesen werden, dass es sogar kontraproduktiv ist – die Darmflora kommt schneller wieder in Ordnung, wenn die normale Nahrung nicht für längere Zeit ausgesetzt wird. Nach vier bis sechs Stunden sollte bei leichtem bis mittelschwerem Durchfall wieder mit normaler Nahrung begonnen werden[1]. Das gilt auch für Heilnahrung. Hier konnte ebenfalls kein positiver Effekt gezeigt werden. Säuglinge sollten normal weitergestillt werden, erhält das Kind Formulanahrung, soll auch diese unverdünnt weitergegeben werden. Hat ein Baby Durchfall, das schon Beikost erhält, darf es sie weiteressen.

Kind wird gefüttert
Hat ein Kleinkind Durchfall, ist es wichtig, den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Elektrolytlösungen am besten langsam mit einem Löffel verabreichen – zu hastig eingenommen, droht sonst Erbrechen© Corbis

Besteht noch Durchfall, sollte bei größeren Kindern oder Erwachsenen selbstverständlich auf sehr fettige, schwer verdauliche Speisen verzichtet werden. Hilfreich ist ein Beginn mit komplexen Kohlenhydraten – Kartoffeln, Griesbrei, helles Brot (ohne grobe Körner) mit ein bisschen Aufstrich (Marmelade, fettarme Wurst, etc.), Reis, auch Salzstangen sind sinnvoll. Sofern dies gut vertragen wurde, kann langsam auch wieder mit fettreicheren Nahrungsmitteln begonnen werden. Mit Säften und stark gesüßten Speisen sollten Sie aufpassen, solange noch Durchfall besteht. Dieser kann durch den hohen Zuckergehalt noch verstärkt werden.

 

Antibiotika greifen die Darmflora bei Durchfall zusätzlich an

Die meisten Magen-Darm-Infektionen sind durch Viren verursacht; Antibiotika sind dann unwirksam. Aber auch bei bakteriell ausgelösten Baby-Durchfall wird nur in Ausnahmefällen antibiotisch behandelt. Da sich das Risiko erhöht, dass die Patienten „Dauerausscheider“ der verantwortlichen Bakterien werden, nimmt die Darmflora, die durch die Infektion ohnehin schon durcheinander ist, noch mehr Schaden – denn das Antibiotikum kann nicht zwischen den „gewollten“ Bakterien und den krankmachenden unterscheiden.

 

[1] Guarino A, Albano F, Ashkenazi S et al.: European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition/European Society for Paediatric Infectious Diseases evidence-based guidelines for the management of acute gastroenteritis in children in Europe: executive summary. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2008; 46(5): 619–21

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