Baby aus gefrorenem Eierstock

Ein Laborarbeiter nimmt eine Schachtel aus einem Kühlfach
Zwölf Jahre lang war der Eierstock einer jungen Frau aus Belgien eingefroren, bevor Mediziner ihn wieder einsetzten © Fotolia

Eine Chemotherapie kann unfruchtbar machen. Um einem damals 13-jährigen Mädchen dieses Schicksal zu ersparen, entnahmen seine Ärzte ihm einen Eierstock und setzten ihn Jahre später wieder ein – inzwischen ist die junge Frau glückliche Mutter eines kleinen Jungen.

Als Kind war die heute 27-Jährige an Sichelzellenanämie erkrankt, einer erblichen Erkrankung der roten Blutkörperchen. Als die Krankheit soweit vorangeschritten war, dass das Mädchen eine Knochenmarktransplantation benötigte, sollte ihr Immunsystem zunächst mit einer Chemotherapie ausgebremst werden, um zu verhindern, dass es das fremde Gewebe abstößt.

 

Chemotherapie kann Eierstöcke schädigen

Da durch die Chemotherapie die Gefahr bestand, dass die Eierstöcke der jungen Patientin dauerhaft geschädigt würden und ihr somit eine spätere Unfruchtbarkeit drohte, entschlossen sich ihre Ärzte zu einem drastischen Schritt: Sie entnahmen ihr noch vor ihrer ersten Periode den rechten Eierstock und froren ihn ein. Dieses Verfahren wurde schon bei erwachsenen Frauen eingesetzt – bei einem Kind fand es weltweit zum ersten Mal Anwendung.

Als die Patientin 15 Jahre alt war, versagte ihr noch vorhandener linker Eierstock – sie war unfruchtbar. Zehn Jahre später wandte sich die inzwischen geheilte Frau an ihre Ärzte mit einem Kinderwunsch. Sie setzten daraufhin Teile des eingefrorenen Eierstocks wieder ein. Dieser begann kurz darauf, Eizellen zu produzieren und nach fünf Monaten setzte die Menstruation der jungen Frau ein.

Zwei Jahre später wurde sie auf natürlichem Weg schwanger und im vergangenen November brachte sie einen gesunden Jungen zur Welt.

Mediziner sprechen von einem Durchbruch – in Zukunft könnten viele junge Frauen von dieser Methode profitieren.

Hamburg, 10. Juni 2015

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