Autoimmunkrankheiten: Wenn der Körper verrückt spielt

Mit speziellen Bluttests und Gewebeproben wird bei einer Autoimmunkrankheit das Auftreten von Abwehr-Zellen nachgewiesen, die sich gegen den eigenen Körper richten
Mit speziellen Bluttests und Gewebeproben wird bei einer Autoimmunkrankheit das Auftreten von Abwehr-Zellen nachgewiesen, die sich gegen den eigenen Körper richten © Fotolia

Bei vier Millionen Deutschen attackiert das eigene Immunsystem den Körper. Warum? Dafür gibt es drei Theorien...

Autoimmunerkrankung – ein Krankheitsbild, das den Wissenschaftlern weltweit noch immer viele Rätsel aufgibt. Denn bei einer Autoimmunerkrankung greift der Körper plötzlich sich selbst an. Und das ist keine seltene Laune der Natur, sondern mittlerweile eine Zivilisationskrankheit: In den Industrieländern steigt die Zahl der Patienten dramatisch an. Betroffen sind in der Mehrheit Frauen, aber auch immer mehr Kinder. Hier drei Theorien, wo die Auslöser dafür zu suchen sind.

 

These 1: Es liegt an den Genen

Autoimmunerkrankungen sind durch eine Fehlprogrammierung des Immunsystems gekennzeichnet. Wie es dazu kommt, ist bis heute noch nicht restlos geklärt.

 

Erbliche Veranlagung

Es ist allerdings bekannt, dass bestimmte Autoimmunleiden in einigen Familien gehäuft auftreten. Dabei ist wichtig zu wissen, dass nach bisherigem Stand der Forschung die Autoimmunkrankheit selbst nicht vererbt wird. Die Häufung der Krankheit in einigen Familien lässt lediglich den Schluss zu, dass einige genetische Faktoren, die den Ausbruch der Krankheit begünstigen, weitergegeben werden. Das zeigt sich daran, dass Geschwister von bereits Erkrankten deutlich häufiger an der Autoimmunerkrankung leiden als andere Bevölkerungsteile. Beispiele sind die Hashimoto-Thyreoiditis, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt. Genetische Veranlagungen gibt es unter anderem auch bei der Schuppenflechte oder dem Darmleiden Morbus Crohn.

 

Frauen sind öfter betroffen

In der Mehrheit sind es Frauen, die erkranken. So leiden sie an Schilddrüsenkrankheiten bis zu fünfmal häufiger, an rheumatoider Arthritis dreimal und an dem Sjögren-Syndrom, das die Speichel- und Tränendrüsen betrifft, sogar neunmal häufiger als Männer.

 

Im Verdachtsfall zum Arzt

Wichtig ist immer die frühe Diagnose. Dabei wird mit speziellen Bluttests und Gewebeproben das Auftreten von Zellen nachgewiesen, die sich gegen die Abwehr richten.

 

These 2: Auslöser sind Keime

Erschöpfung, Verdauungsprobleme, Juckreiz, Ziehen in den Gelenken - die Beschwerden variieren je nach Erkrankungsbild. Anfangs sind sie oft so unspezifisch, dass man sie leicht als harmlose Unpässlichkeit verharmlost.

 

Bakterien als Auslöser

Was viele nicht wissen: Als Verursacher der Beschwerden kommen auch Bakterien wie Streptokokken oder Borrelien, die von Zecken übertragen werden, in Betracht. Auch Herpes-Viren oder der Magenkeim Helicobacter pylori stehen im Verdacht, Autoimmunleiden wie Multiple Sklerose oder Zöliakie (Getreideunverträglichkeit) auszulösen. So deuten aktuelle Forschungsergebnisse darauf hin, dass eine undichte Darmschleimhaut das Risiko von Autoimmunprozessen im Körper erhöht. Gelangen beispielsweise ständig Keime durch Darmschleimhaut-Lücken ins Blut, wird das Abwehrsystem des Darms überfordert. Es kommt zu Entzündungen, die auf Dauer die Gelenke und die Organe (zum Beispiel das Herz) schädigen können.

 

Entzündungen stoppen

Eine Behandlung beim Immunologen oder Rheumatologen ist daher umgehend nötig, damit diese Entwicklung gestoppt wird. Zur medikamentösen Therapie zählen entzündungshemmende Mittel wie Kortison und Wirkstoffe, die das Amok laufende Immunsystem unterdrücken. Mit künstlichen Antikörpern werden Entzündungsstoffe blockiert.

 

These 3: Die Umwelt ist schuld

Experten wissen mittlerweile, dass auch die Umwelt beziehungsweise Umweltgifte eine große Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen. So verdoppelt Rauchen die Wahrscheinlichkeit für Gelenkrheuma. Für das Hautleiden Lupus erythematodes (zeigt sich mit schmetterlingsförmigen Rötungen im Gesicht) werden unter anderem Weichmacher in Kosmetika verantwortlich gemacht. Und der Kontakt zu Mineralöl und Silikonstaub am Arbeitsplatz erhöht nachweislich die Gefahr für Gelenkrheuma.

 

Die Rolle der Ernährung

Darüber hinaus können auch unsere veränderten Ernährungsgewohnheiten unser Immunsystem beeinflussen. Insbesondere entzündliche Darmerkrankungen nehmen zu, und für Zöliakie wird die frühe Gabe von getreidehaltiger Babykost verantwortlich gemacht. Daher kann im Umkehrschluss bei Autoimmunleiden wie Morbus Crohn, Allergien und Zöliakie das Kind möglicherweise durch Stillen geschützt werden.

 

Autoimmundiät kann helfen

Grundsätzlich sollten die Betroffenen gewisse Ernährungsregeln einhalten. Studien zeigen, dass man so Schmerzen und übereifrige Immunreaktionen etwas abmildern kann. Eine "Autoimmundiät" sollte einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren enthalten, zum Beispiel aus fettem Seefisch (Hering). Zudem hemmt Lein-, Schwarzkümmel- und Fischöl eine überschießende Abwehr. Wichtig ist auch, tierische Fette zu meiden und weniger Kohlenhydrate (Zucker, Getreide) zu essen. Ein Zuviel verstärkt die Symptome.

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