Autistische Störungen: Leben in einer anderen Welt

Autisten leben häufig isoliert
In der eigenen Welt gefangen: Autisten finden schwer Zugang zu ihren Mitmenschen © Fotolia

Gefühle anderer verstehen sie nicht, eigene können sie selten zeigen. Autistische Menschen leben in ihrer eigenen Welt. Das Spektrum der autistischen Störungen ist groß – Praxisvita erläutert die häufigsten Ausprägungen.

Fernsehzuschauer sind mit einer leichten Form des Autismus vertraut: In TV-Serien werden immer häufiger Menschen mit dem sogenannten „Asperger-Syndrom" gezeigt. Die Zahlen der Erkrankten steigen auch in der Realität – das liegt jedoch an genaueren Diagnose-Möglichkeiten. Schätzungen zufolge leiden rund 500.000 Deutsche an einer Störung aus dem Autismus-Spektrum.

 

Kanner-Syndrom

Autismus ist eine erbliche Entwicklungsstörung. Sie tritt in unterschiedlichen Formen auf. Zwei davon kommen vergleichsweise häufig vor. Das schwere „Kanner-Syndrom" zeigt sich in der frühen Kindheit. Betroffene sind von Geburt an in ihrer sprachlichen und geistigen Entwicklung behindert. Während gesunde Säuglinge ab der sechsten Lebenswoche lächeln und positiv auf Berührungen oder beruhigende Geräusche reagieren, bleiben autistische Kinder davon unbeeindruckt. Allerdings deutet mangelnde Anteilnahme am Geschehen nicht unbedingt auf Autismus hin: Auch Hörschäden oder Augenkrankheiten können Auslöser sein. Bei einem Verdacht auf eine Störung aus dem Autismus-Spektrum kann der Kinderarzt nach ersten Anzeichen suchen. Eine Diagnose erfolgt mit psychologischen Tests.

 

Asperger-Sysndrom

Das leichtere Asperger-Syndrom wird erst ab dem Kindergartenalter diagnostiziert. Die Betroffenen sind durchschnittlich bis sehr intelligent. Veränderungen bereiten ihnen jedoch – wie anderen Autisten auch – Probleme. Die meisten haben deshalb feste Rituale: Sie tragen zum Beispiel nur Kleidung in bestimmten Farben. Typisch sind auch wiederkehrende Bewegungsabläufe, etwa das Schaukeln mit dem Oberkörper.

 

Besondere Begabungen

Erwachsene Asperger-Autisten kommen meist gut im Alltag zurecht, sofern sie nicht aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden. Da manche von ihnen besondere Fähigkeiten haben, etwa ein ausgezeichnetes Zahlenverständnis, sind sie gefragte Arbeitskräfte. So will der IT-Konzern SAP bis zum Jahr 2020 rund 650 Stellen mit hochbegabten Autisten besetzen. Und in Berlin gibt's ein Unternehmen, das nur Autisten beschäftigt. Betroffene mit frühkindlichen Entwicklungsstörungen bleiben dagegen oft auf Hilfe angewiesen.

 

Hoher Hormonspiegel

Die Ursachen sind noch unbekannt. Wissenschaftler haben den Stoffwechsel im Mutterleib in Verdacht – ein Überschuss an Testosteron, dem Männlichkeitshormon, könnte eine Rolle spielen. Das würde erklären, warum hauptsächlich Jungen betroffen sind. Solange man nicht weiß, woher die Störung kommt, ist keine Heilung möglich. Medikamente können nur Begleitsymptome wie zwanghafte Handlungen oder Depressionen lindern.

 

Therapiemöglichkeiten

Der Umgang mit autistischen Kindern erfordert viel Geduld. Nur wenn die Erkrankten Vertrauen haben, greift die Behandlung. Wichtig ist außerdem die Frühförderung schon im zweiten oder dritten Lebensjahr: Sie beschleunigt die geistige Entwicklung. Eine Sprachtherapie hilft dabei, Kommunikationsschwierigkeiten abzubauen. Und von der Verhaltenstherapie profitieren auch Asperger-Autisten: Sie lernen, Gefühle zu verstehen und sich besser in der Welt der „anderen" zurechtzufinden.

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