Ausfluss riecht: Welcher Geruch ist normal?

Michelle Kröger

Vaginaler Ausfluss ist ganz gewöhnlich und sollte eine Frau im Alltag keinesfalls einschränken – weder in der Menge, noch aufgrund eines zu starken Geruches. Doch welcher Geruch ist eigentlich normal? Wann sollten Sie zum Arzt? Und was haben die einzelnen Vaginalgerüche zu bedeuten? Dr. med Alexander Braun hat uns einige Fragen zum Thema beantwortet. Der erfahrene Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe ist einer der leitenden Ärzte der Praxisklinik Winterhude in Hamburg.

Inhalt
  1. Vaginaler Ausfluss vor Periode – ganz normal?
  2. Ausfluss riecht fischartig – was tun?
  3. Vaginalgerüche: Anzeichen für eine Infektion?
  4. Übel riechender Ausfluss – was hilft?
  5. Ausfluss in der Schwangerschaft riecht anders: Grund zur Sorge?
  6. Stark riechender Ausfluss – wann zum Arzt?
 

Vaginaler Ausfluss vor Periode – ganz normal?

Ausfluss aus der Scheide (auch: Fluor vaginalis oder Fluor genitalis) begleitet den Zyklus einer Frau – mal mehr und mal weniger. Vor allem kurz vor dem Eisprung und vor der Monatsblutung tritt vaginaler Ausfluss häufig in etwas stärkerer Form auf. Auch Stress und hohe seelische Belastungen können die Menge an Scheidensekret beeinflussen. In einigen Fällen können auch Scheideninfektionen Grund hierfür sein.

Normalerweise sondert sich ein geruch- und farbloses, klares bis milchiges Sekret ab. Doch was bedeutet geruchlos genau? “Ein leicht säuerlicher Geruch ist normal, neutral ebenso. Manche sagen, angenehm aromatisch”, erklärt der Hamburger Gynäkologe Dr. med Alexander Braun.

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Ausfluss riecht fischartig – was tun?

Ein leicht fischiger Geruch ist noch kein Grund zur Sorge. Dieser kann vor allem in Verbindung mit Schweiß entstehen. In diesem Fall hilft es, die Scheide vorsichtig mit lauwarmen Wasser zu waschen. Ein sehr starker Vaginalgeruch kann auf eine Infektion hindeuten. “Riechender Ausfluss, bis zu einem fischig stinkendem, ist Zeichen einer Infektion mit meist typischen Bakterien oder selten einem Parasiten, Trichomonaden”, so Dr. Braun. Bei stark nach Fisch riechendem Sekret wird dementsprechend geraten, schnellstmöglichst einen Arzt aufzusuchen und sich untersuchen zu lassen. Und auch grüner Ausfluss kann auf eine Infektion hindeuten.

 

Vaginalgerüche: Anzeichen für eine Infektion?

Ist jeder üble Geruch gleich ein Anzeichen für eine Scheideninfektion? Nein, allerdings sollten Sie bei diesen drei Vaginalgerüchen aufmerksam werden:

  • Ausfluss riecht nach Fisch
  • Ausfluss riecht nach Hefe
  • Ausfluss riecht säuerlich

Denn wie zuvor erklärt, kann ein fischiger Geruch sehr wohl auf eine Infektion hinweisen. Genauso kann ein Geruch nach Hefe, Brot oder Bier ein Anzeichen für eine Pilzinfektion sein. Auch in diesem Fall wird empfohlen, einen Gynäkologen aufzusuchen. Dieser wird, falls eine Erkrankung vorliegt, zu rezeptfreien Salben aus der Apotheke raten, mit denen eine Pilzinfektion in der Regel behandelt werden kann. Darüber hinaus sollten Sie auf zuckerhaltige Lebensmittel verzichten, da diese einen hervorragenden Nährboden für Pilze bilden. “Auch ein bröckeliger Ausfluss ist Zeichen einer Pilzinfektion”, sagt der Hamburger Gynäkologe.

Riecht der Ausfluss säuerlich oder schal, ist gelblich und tritt in Verbindung mit einem Juckreiz im Vaginalbereich auf, kann es sich um die Geschlechtskrankheit Trichomoniasis handeln. Nähere Informationen zu gelben Ausluss lesen Sie auch hier.
Treten all diese Symptome zusammen auf, sollten Sie sich in jedem Fall untersuchen lassen. Die Krankheit kann mit Antibiotika behandelt werden. Schützen können Sie sich mit einem Kondom. Einen hundertprozentigen Schutz vor Chlamydien bietet ein Kondom dagegen nicht, allerdings wird das Risiko einer Infektion dadurch erheblich reduziert. “Ein plötzlich vermehrter Ausfluss zu bisher gewohnter Menge mit zum Teil Unterbauchbeschwerden oder leichten Blutungen, kann Zeichen einer Chlamydieninfektion sein, eine Therapie ist notwendig”, so Dr. Braun.

Entwarnung kann für folgende drei Vaginalgerüche gegeben werden:

  • Ausfluss riecht nach Zwiebel
  • Ausfluss riecht nach Knoblauch
  • Ausfluss riecht leicht vergammelt

Haben Sie zuvor Zwiebel oder Knoblauch gegessen, ist es vollkommen normal, wenn auch Urin, Ausfluss und somit auch die Vagina danach riechen. Ein Gang unter die Dusche hilft und Sie riechen untenrum wieder frisch.

Ursache für einen vergammelten bzw. verrotteten Geruch ist häufig ein vergessener Tampon oder eine vollgeblutete Binde. Ist dieser noch nicht lange vergessen, kein Problem. Ansonsten sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Denn das toxische Schocksyndrom (umgangssprachlich auch: “Tamponkrankheit”) könnte dadurch hervorgerufen werden. Diese Infektion ist zwar selten, dafür aber schwerwiegend. Auch andere Erkrankungen sind bei diesem Geruch nicht auszuschließen. Im Zweifel immer besser abklären lassen.

 

Übel riechender Ausfluss – was hilft?

“Generell sind alle Körpersekretionen in geringem Maße durch unsere Ernährung im Duft zu beeinflussen. Das ist bei jeder Frau aber nicht gleich und voraussagbar.”, erklärt uns Dr. Braun. Insofern sind eine gute Körperhygiene und gesunde Ernährung eine erste Maßnahme, um stark riechenden Ausfluss vorzubeugen bzw. zu beseitigen. Allerdings können auch Krebserkrankungen Grund für einen veränderten Duft von Schweiß, Atmen und Körpersekreten sein”, so der Hamburger Gynäkologe weiter. Zeichen, die uns unserer Körper gibt, sollten wir demnach nicht einfach ignorieren, sondern ernst nehmen.

 

Ausfluss in der Schwangerschaft riecht anders: Grund zur Sorge?

Viele Frauen stellen während der Schwangerschaft fest, dass die Menge des vaginalen Ausflusses mehr wird. Ein verstärkter Scheidenausfluss in der Schwangerschaft ist ganz normal und durch Hormone bedingt. Doch was bedeutet es, wenn sich auch der Geruch verändert? “In der Schwangerschaft sind sowohl leichte Geruchsveränderungen des Scheidensekretes möglich, aber auch der Geruchssinn verändert sich, die Wahrnehmung kann anders sein” sagt Dr. Braun. Bei nur leicht veränderten Vaginalgerüchen besteht dementsprechend kein Grund zur Sorge.

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Stark riechender Ausfluss – wann zum Arzt?

Nicht nur in der Schwangerschaft gelten leichte Vaginalgerüche in der Regel als unbedenklich. Diese kleinen Geruchsveränderungen sind in den meisten Fällen auf die individuelle Körperhygiene und Ernährung zurückzuführen. Doch wann sollten Sie zum Arzt? “Bei starken Veränderung des Ausflusses. Auch wenn er deutlich in der Menge zunimmt, stark riecht, eine wässrige Konsistenz bekommt, wie bei zum Beispiel einem Blasensprung”, empfiehlt Dr. Braun. Darüber hinaus sollten Sie bei Juckreiz im Vaginalbereich aufmerksam werden und stark riechenden Ausfluss nach Fisch und Hefe sowie einen säuerlichen Vaginalgeruch keinesfalls ignorieren.

Quelle:

Unser Experte

Dr. med. Alexander Braun: Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Praxisklinik Winterhude.
Homepage: www.praxisklinik-winterhude.de/de

 

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