Aus Versehen entdeckt: das Abnehm-Protein

Verena Elson Medizinredakteurin

Als sich Krebsforscher mit einem Protein beschäftigten, das sie als treibende Kraft bei der Entstehung von Tumoren vermuteten, machten sie eine erstaunliche Entdeckung: Dieses Protein beschleunigt den Stoffwechsel enorm und führt so zu schnellen Abnehm-Erfolgen.

Aus Versehen entdeckt: das Abnehm-Protein
Foto:  GlobalStock/iStock

FGFBP3 – hinter diesem komplizierten Namen steckt ein kleines Protein, das Forschern der Georgetown University in Washington D.C. zufolge ein großes Problem für Millionen Menschen lösen könnte: Bei adipösen (fettleibigen) Mäusen verringerte eine kurzzeitige Einnahme von BP3 (kurz für FGFBP3) den Körperfettanteil enorm.

 

Was kann das Protein BP3?

BP3 gehört zur Familie sogenannter Fibroblasten-Wachstumsfaktor-bindender Proteine (FGFBP für fibroblast growth factor binding proteins). Fibroblasten-Wachstumsfaktoren sind in eine große Bandbreite biologischer Prozesse involviert – darunter die Regulation des Zellwachstums und die Wundheilung.

BP1, 2 und 3 sind „Begleit-Proteine“, die sich an Fibroblasten-Wachstumsfaktoren festklammern und ihre Wirkung im Körper verstärken. Studienleiter Anton Wellstein beschäftigte sich lange Zeit mit BP1, da seine Konzentration bei einer Reihe von Krebsarten erhöht ist – was nahelegt, dass Fibroblasten-Wachstumsfaktoren bei dem Wachstum einiger Tumorarten eine Rolle spielen.

Als Wellstein und seine Kollegen ihre Aufmerksamkeit auf BP3 richteten, um gezielt die Rolle dieses Proteins beim Tumorwachstum zu untersuchen, machten sie eine Entdeckung, die sie überraschte: „Wir fanden heraus, dass BP3 einen bemerkenswerten Beitrag zur Steuerung des Stoffwechsels leistet“, so Wellstein. „Acht BP3-Behandlungen in 18 Tagen reichten aus, um das Körperfett bei fettleibigen Mäusen um mehr als ein Drittel zu reduzieren.“

Als „Nebenwirkung“ verbesserte die Therapie eine Reihe von Leiden, die mit dem Übergewicht einhergingen – zum Beispiel Diabetes und Fettleber. Unerwünschte Nebenwirkungen zeigten sich dagegen nicht.

 

Wie hilft das Protein beim Abnehmen?

Konkret bindet BP3 an drei Fibroblasten-Wachstumsfaktoren (FGF19, FGF 21 und FGF23), die in die Regulierung des Stoffwechsels involviert sind. Besonders FGF19 und FGF 21 sind für die Gewichtsreduzierung relevant – denn sie steuern die Speicherung und Verwertung von Kohlehydraten und Fetten.

„Wenn man mehr BP3-Begleitprotein zur Verfügung hat, ist die Wirkung von FGF19 und FGF 21 verstärkt. Das macht BP3 zu einem starken Antreiber des Kohlehydrat- und Fettstoffwechsels“, erklärt Wellstein. „Es ist, als hätte man viel mehr Taxis in New York City, um all die Menschen abzuholen, die einen Fahrer brauchen.“

Noch wurde das Wunder-Protein nicht an Menschen getestet. Doch da es sich bei BP3 um einen natürlich im Körper vorkommenden Stoff handelt, rechnen die Forscher damit, dass sie bald klinischen Studien beginnen können.

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