Aus dem 3D-Drucker: Eine neue Hand für 65 Euro

Eine neue Hand aus dem Drucker
Die gedruckten Hände werden von ihren späteren Nutzern selbst designt © SWNS.COM

Die kleine Hayley Fraser (5) wurde ohne Finger an der linken Hand geboren. Um dem Mädchen zu helfen, wandten sich ihre Eltern an ein Experten-Team, das Handprothesen druckt. Lesen Sie bei Praxisvita, wie es dazu kam, dass einem kleinen Mädchen der größte Wunsch erfüllt wurde: Eine selbstdesignte „Superhelden-Hand“.

Es ist nicht lange her, da versteckte die fünfjährige Hayley ihren linken Arm am liebsten. In der Schule schämte sie sich. Der Grund: Das Mädchen kam mit einer sogenannten Symbrachydaktylie (angeborene Reduktionsfehlbildung) zur Welt. Das bedeutet, dass sie an der linken Hand keine Finger hat – nur der Handstumpf ist ausgebildet.

Heute ist sie stolz auf ihren linken Arm – und das liegt an ihrer „Superhelden-Hand“, wie sie ihre neue Handprothese nennt.

 

Ärzte rieten zu Operation

Wie kürzlich die Zeitung Mail Online berichtet, hatten Ärzte Hayley vorher zu einer Operation geraten, um die Funktionen der fehlgebildeten Hand wiederherzustellen. Dabei hätte man ihr den linken Fuß an ihren Armstumpf transplantiert. In Anbetracht der Schwere der Operation suchten ihre Eltern im Internet nach alternativen Wegen, um der Fünfjährigen zu helfen – und fanden sie tatsächlich bei der gemeinnützigen Organisation „E-Nabling the Future“.

Eine Hand aus dem Drucker

Diese Non-Profit-Organisation hat es sich zum Ziel gemacht, in solchen Fällen zu helfen. Und das taten sie. Nachdem von Hayleys Handstumpf ein exakter Gipsabdruck angefertigt worden war, wandte sich „E-Nabling the Future“ an Professor Frankie Flood von der Universität in Wisconsin (USA).

Der Ingenieur und Experte für 3D-Drucker konzipierte zusammen mit „E-Nabling“ eine genau an Hayley angepasste „Second-Degree-Hand“ – eine Prothese die speziell für Menschen entwickelt wurde, die keine Finger mehr haben – und druckte sie aus.

 

Kreativ und billig: Die perfekte Hand

Das Design ihrer neuen Hand entwarf Hayley selbst – und selbstverständlich wählte sie dafür ihre Lieblingsfarben lila und rosa aus. Die knalligen Farben gehören bei „E-Nabling the Future“ zum Konzept. Die kreative und bunte Gestaltung der Prothesen soll dazu beitragen, dass sie gerne und sogar – wie im Falle der kleinen Hayley – mit einem gewissen Stolz getragen werden.

Eine weitere Besonderheit dieser Prothese aus dem 3D-Drucker ist, dass die Herstellung insgesamt nur 65 Euro kostet – was nicht auf die Wohltätigkeit von E-Nabling oder Professor Flood zurückgeht, sondern die reinen Produktionskosten der Prothese widerspiegelt.

 

Schon 40 Superhelden-Hände gefertigt

Keine sechs Wochen nach der Bestellung bekamen die Frasers schließlich ein Paket von Professor Flood mit der Prothese für Hayley. Seit Gründung von „E-Nabling“ wurden rund 40 solcher „Superhelden-Hände“ für Kinder hergestellt – alle von den späteren Nutzern selbst entworfen. Einige blinken, andere haben lange Krallen: Eben genauso, wie es sich die Kleinen gewünscht haben.

Hamburg, 2. Oktober 2014

Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.