Aufgehoben: Stillverbot wegen Tätowierung

Eine Mutter stillt ihr Baby
Einer Australierin wurde u.a. aufgrund ihrer Tätowierungen per Gerichtsbeschluss verboten, ihren Sohn zu stillen – jetzt entschied ein Familiengericht, dass sie doch stillen darf © Fotolia

Die Nachricht dieses Urteils ging um die Welt: Eine australische Mutter durfte nach einem richterlichen Beschluss ihren elf Monate alten Sohn nicht mehr stillen, unter anderem weil sie sich zwei Tätowierungen stechen ließ. Jetzt wurde das Urteil aufgehoben – Praxisvita hat die Fakten.

Anfang Mai ließ sich die 20-jährige Australierin laut „Sydney Morning Herald“ Tätowierungen in Finger und Fuß stechen. Der Vater des Jungen, der von Mutter und Sohn getrennt lebt, nahm ihr daraufhin das Kind weg und beantragte das alleinige Sorgerecht. Zur Begründung nannte er außer den frischen Tätowierungen angebliche psychische Probleme und Drogensucht der Mutter.

Der Entschluss des Richters lautete: Der Junge könne bei der Mutter bleiben – doch sie dürfe ihren Sohn nicht mehr stillen. Er begründete das mit einer möglichen Infektion mit HIV oder Hepatitis, die sich die Mutter beim Stechen der Tattoos zugezogen und mit der Muttermilch auf das Baby übertragen könnte.

 

Stillverbot-Urteil aufgehoben

HIV- und Hepatitis-Tests fielen bei der jungen Mutter zwar negativ aus, doch laut Angaben des Richters war es für eine Entwarnung noch zu früh – denn eine Infektion kann sich mit einer Zeitverzögerung von bis zu drei Monaten in einem positiven Testergebnis zeigen. Zur Begründung des Gerichtsbeschlusses führte der Richter weiter auf, dass die Mutter in ihrer Stillzeit Cannabis geraucht habe. Der darin enthaltene Wirkstoff THC geht in die Muttermilch über und wird beim Stillen an das Kind weitergegeben.

Die 20-Jährige ging daraufhin in Berufung – mit Erfolg: Ein Familiengericht hob das Urteil am Freitag einstimmig auf. Als Begründung nannte es unzureichende Hinweise auf ein Risiko für den Sohn. Weiterhin habe der Richter die emotionalen und gesundheitlichen Vorteile des Stillens für das Kind bei seiner Entscheidung nicht ausreichend in Betracht gezogen.

Doch ist das Stechen von Tattoos in der Stillzeit eigentlich gefährlich oder nicht? Und wie sieht es mit Alkohol, Medikamenten und Haarfärbemitteln aus? Hier erfahren Sie, was in der Stillzeit erlaubt ist und was Sie lieber verzichten sollten.

Hamburg, 22. Juni 2015

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