Aufgedeckt: So lockt die Eizelle Spermien an

Verena Elson
Spermien auf dem Weg zur Eizelle
Die Eizelle sendet ein Lockmittel aus, das dem Spermium „Superkräfte“ verleiht – diese befähigen es zu der unglaublichen Leistung, die Schutzschicht der Eizelle zu durchdringen © Fotolia

Die Entstehung menschlichen Lebens ist ein bereits gut erforschtes Phänomen. Und doch gibt es immer noch Neues zu entdecken: Wissenschaftler stießen jetzt auf ein „Lockmittel“, das die Spermien zu sportlichen Höchstleistungen motiviert.

Spermien, die es schaffen, eine Eizelle zu befruchten, sind echte Siegertypen. Sie haben nicht nur ein hartes Rennen gegen rund 100 Millionen Konkurrenten gewonnen – am Ende dieses kräftezehrendenden Wettstreits müssen sie auch noch Höchstleistungen vollbringen: Sie müssen die äußere Schutzschicht der Eizelle durchdringen. Das erfordert ungeheure Kräfte – wie kann ein kleines Spermium das schaffen? Diese Frage konnten selbst Experten bis vor kurzem nicht beantworten.

 

„Schalter“ verleiht dem Spermium Superkräfte

Wissenschaftler der University of California machten jetzt eine neue Entdeckung: Der „Schwanz“ des Spermiums ist mit einem Rezeptor namens ABHD2 ausgestattet. Sobald sich das Spermium der Eizelle nähert, setzt diese das weibliche Geschlechtshormon Progesteron frei – und dadurch wird ABHD2 wie per Knopfdruck „angeschaltet“. Jetzt gibt es für das Spermium kein Halten mehr. Es beginnt, mit dem Schwanz schnelle, peitschende Bewegungen zu machen, mit deren Hilfe es ihm gelingt, die Schutzschicht der Eizelle zu durchdringen.

 

Neue Möglichkeit: Verhütungsmittel für beide Geschlechter

Diese Entdeckung liefert nicht nur interessante Informationen über Details der Befruchtung – sie könnte auch der Medizin Vorteile bringen. Denn die Wissenschaftler glauben, auf eine weitere mögliche Ursache für Zeugungsunfähigkeit bei Männern gestoßen zu sein, nämlich einen defekten „Schalter“ am Spermienschwanz. „Wenn der Rezeptor nicht auf Progesteron reagiert, ist man unfruchtbar“, erklärt Studienautorin Melissa Miller. Weitere Forschungen auf dem Gebiet könnten zu Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bei diesem speziellen Problem führen.

Eine weitere Hoffnung verbinden die US-Forscher mit ihrer neuen Erkenntnis: Die Entwicklung eines Verhütungsmittels für beide Geschlechter könnte in greifbare Nähe rücken. Denn ein Mittel, das den Rezeptor an den Spermienschwänzen inaktiviert, könnte sowohl von Männern als auch von Frauen eingenommen werden. „Wenn wir das Progesteron daran hindern können, einen solchen Power-Kick auszulösen, sind die Spermien nicht in der Lage, die Eizelle zu erreichen oder zu penetrieren“, so Miller.

Hamburg, 18. März 2016

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.