Aufgedeckt: Kaiserschnitt-Risiken werden von Ärzten verschwiegen

Rasmus Cloes
Frauen bei Schwangerschaftberatung
Wie gut wird über die Risiken von Kaiserschnitten aufgeklärt? © Fotolia

Viele Studien weisen auf die möglichen Langzeitschäden von Kaiserschnitten hin. Darüber wird jedoch nur selten aufgeklärt.

Es gibt viele Fälle in denen ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig ist und so die Gesundheit von Mutter und Kind schützt. Doch allein das erklärt nicht die stark steigende Zahl an Kaiserschnitten in Deutschland: Zwischen 2000 und 2010 wuchs diese von 21,5 Prozent aller Geburten auf 31,9 Prozent an. Das zeigen Daten der Barmer GEK.

 

Langzeitfolgen von Kaiserschnittgeburten

Deutschland liegt damit im internationalen Vergleich relativ weit vorne. Doch auch in anderen Ländern zeigt sich ein ähnlicher Trend. Eine Analyse, die aktuell in der Fachzeitschrift British Medical Journal veröffentlich wurde, beschäftigt sich aus diesem Grund mit dem Thema. Ihr Fokus: Die Langzeitfolgen einer Kaiserschnittgeburt auf die Gesundheit der Kinder.

 

Problem: Wunschkaiserschnitt

Sorgen bereiteten den Wissenschaftlerinnen besonders die steigende Zahl von sogenannten Wunschkaiserschnitten. Also Eingriffen, die eindeutig keine medizinische Notwendigkeit haben. In Deutschland kommen sie mit etwa zwei Prozent aller Geburten noch relativ selten vor. Auch in Großbritannien (ein bis zwei Prozent) und in den USA (drei Prozent) liegen die Werte vergleichbar niedrig. Doch in manchen Regionen auf der Welt wie zum Beispiel Südchina machen solche Eingriffe schon 20 Prozent aus. Und: In fast allen Industrienationen wächst ihr Anteil.

 

Schäden durch Kaiserschnitt

Möglicherweise zum Schaden der Kinder, wie die Autorinnen schreiben. Denn Beobachtungsstudien zeigen, dass Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, ein höheres Risiko haben, an Diabetes und Asthma zu erkranken und häufiger übergewichtig sind. Hinzu kommen noch viele andere mögliche Nachteile durch einen Kaiserschnitt.

 

Keine Information über Langzeitfolgen

Was die Wissenschaftlerinnen in ihrer Analyse kritisieren: Zwar gibt es Richtlinien für Ärzte und Geburtshelferinnen, die vorschreiben, wie Frauen über Risiken eines Kaiserschnitts informiert werden sollen – nur geht es darin lediglich um Probleme während des Eingriffs oder direkt danach. Dass die Gesundheit der Kinder möglicherweise langfristig geschädigt wird, findet keine Erwähnung. Ähnlich sieht es auch bei deutschen Leitlinien aus. Bereits 2013 forderte die Verbraucherzentrale NRW eine verbesserte Aufklärung über die Langzeitfolgen von Kaiserschnitten. Bisher hat sich die Situation jedoch nicht geändert.

Hamburg, 10. Juni 2015

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