Aufgedeckt: Häufigste Therapie bei Hautausschlag ist wirkungslos!

Rasmus Cloes
Antihistaminika
Lindern Antihistaminika den Juckreiz bei Ekzemen? Bisher konnte das noch keine Studie beweisen © Fotolia

Antihistaminika sind wichtiger Bestandteil der Therapie von Hautkrankheiten. Viele Behandlungspläne schreiben ihren Einsatz vor – anscheinend ohne wissenschaftliche Grundlage, so die renommierte Cochrane Collaboration.

Ekzeme verursachen weltweit unter allen Hautkrankheiten das größte Leid, da sie besonders oft auftreten und Betroffene stark einschränken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur "Global Burden of Skin Disease". Schätzungsweise jeder Fünfte ist im Laufe des Lebens davon betroffen. Das macht eine Enthüllung der Cochrane Collaboration umso besorgniserregender: Geht es nach den Wissenschaftlern, dann ist die Standardbehandlung mit sogenannten oralen Antihistaminika nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse gesichert - und somit möglicherweise wirkungslos.

Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Christian Apfelbacher und sein Team von der Uni Regensburg. Sie untersuchten 409 randomisierten klinischen Studien (RCTs), die orale Antihistaminika in der Therapie von Ekzemen mit einem Placebo verglichen. Ihr Fokus: RCTs, die „die Effektivität und Sicherheit von oral eingenommenen Antihistaminika als Monotherapie bei Kindern und Erwachsenen mit Ekzemen bewerten.“

 

Wirkung von Antihistaminika nicht belegt

Von den 409 gefundenen Studien entsprach keine Einzige diesem Kriterium. „Das ist sehr gruselig“, kommentiert Cochrane-Hautexperte Hywel Williams die Ergebnisse. Das größte Problem: Die Antihistaminika wurden nie alleine mit einem Placebo verglichen. Stets waren sie Bestandteil eine Kombinationstherapie mit anderen Präparaten. So lasse sich aber keine Aussage über ihre Wirkung treffen, kritisieren die Wissenschaftler. Millionen Menschen würden darum möglicherweise Medikamente schlucken, die ihnen nichts bringen.

Antihistaminika gehören zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten überhaupt und werden außer bei Hautproblemen zum Beispiel auch bei Husten oder Magengeschwüren verschrieben. Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Mundtrockenheit, chronische Erschöpfung, Herzprobleme oder Gewichtszunahme.

 

Therapie von Ekzemen ist vielfältig

Unter dem Begriff Ekzem wird eine Gruppe unterschiedlicher Hautausschläge, bei denen es zu einer nicht ansteckenden Entzündung der oberen Hautschicht kommt, zusammengefasst. Die Haut ist gerötet, schuppt, juckt, nässt und bildet kleine Bläschen oder Knötchen aus. Weiterer Bestandteil der Therapie sind Entzündungshemmer, Feuchtigkeitscremes, eine Ernährungsumstellung oder UV-Licht.

Der Bericht ist Teil einer größeren Veröffentlichung der Cochrane Collaboration. Darin bewerten sie Methoden zur Behandlung und Vorbeugung von Allergien. Den gesamten Bericht finden sie hier.

Hamburg, 8. Juni 2015

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