Aufgedeckt: Antibakterielle Seife wirkt nicht besser

Eine Frau wäscht sich die Hände
Damit antibakterielle Seife besser wirkt als normale, müsste man sich neun Stunden lang die Hände waschen, zeigt eine aktuelle Studie © Fotolia

Der beste Weg, um Infekten vorzubeugen, ist häufiges Händewaschen. Viele Menschen, die auf Nummer sicher gehen wollen, nehmen antibakterielle Seife – doch die ist überflüssig, zeigt jetzt eine südkoreanische Studie.

Bakterien lauern überall – auf der Toilette, in der Bahn, am Schreibtisch im Büro. Der beste Schutz davor ist häufiges Händewaschen. Zahlreiche Studien belegen, dass bei der Verwendung von Seife deutlich mehr Keime abgetötet werden als beim Waschen nur mit Wasser. Um auch wirklich alle Keime und Bakterien zu entfernen, greifen viele zu teurer, antibakterieller Seife. Doch ist das überhaupt sinnvoll? Dieser Frage sind Wissenschaftler der Korea University in Seoul in ihrer aktuellen Studie auf den Grund gegangen.

 

Triclosan wirkt nicht besser

Dazu verglichen sie zwei Sorten Seife – eine normale und eine mit dem antibakteriellen Inhaltsstoff Triclosan – in zwei verschiedenen Experimenten. In einem wurden 20 verschiedene Bakterien (darunter Salmonellen und E. coli) für 20 Sekunden beiden Seifen ausgesetzt. Die Zeitspanne von 20 Sekunden wurde gewählt, weil sie der üblichen Händewasch-Dauer entspricht. Im zweiten Versuch wurden die Hände von 16 gesunden Erwachsenen mit Bakterien versetzt – anschließend wuschen sich die Probanden entweder mit der normalen oder mit der antibakteriellen Seife die Hände.

Das Ergebnis in beiden Experimenten: Die antibakterielle Seife tötete nicht mehr Keime ab als normale Seife.

 

Wie bedenklich ist Triclosan?

Triclosan ist eine keimtötende Chemikalie, die als Konservierungsmittel in vielen Pflegeprodukten wie Seifen, Zahnpasta und Duschgels steckt, auch in Reinigungs- und Waschmitteln kommt sie vor. In Krankenhäusern und Arztpraxen wird Triclosan als Desinfektionsmittel verwendet.

Viele Mediziner sehen den Stoff schon lange als kritisch und fordern ein Verbot für alle Bereiche außer dem medizinischen. Denn in Tierversuchen senkte Triclosan die Herzleistung von Mäusen um ein Viertel und schwächte die Muskeln der Tiere. Außerdem steht der Stoff im Verdacht, die Fruchtbarkeit von Männern einzuschränken, das Immunsystem zu schwächen und Allergien und Krebs zu verursachen. Ein weiterer Kritikpunkt:  Es fördert die Resistenz-Bildung bei Bakterien.

Als Reaktion auf die immer lauter werdende Kritik wurde in der EU kürzlich der Einsatz von Triclosan in einigen Kosmetika verboten. Wenn Produkte nicht großflächig aufgetragen werden, ausgespuckt oder wieder abgewaschen werden, ist die Verwendung des Mittels als Konservierungsstoff jedoch weiterhin erlaubt. Ob ein Produkt Triclosan enthält, können Verbraucher der Inhaltsangabe auf der Verpackung entnehmen.

Triclosan und Triclocarban finden sich nach Aussagen der Forscher in mindestens 2.000 alltäglichen Produkten. Warum das vor allem für Schwangere eine große Gefahr birgt, erfahren Sie hier.

Hamburg, 18. September 2015

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