Atemschutzmasken wiederverwenden? So funktioniert’s

Miriam Mueller-Stahl Medizinredakteurin

Atemschutzmasken wiederverwenden? Noch vor Kurzem undenkbar. Schließlich sind diese für den einmaligen Gebrauch bestimmt. Doch mit einem "Trick für besondere Zeiten" ist es möglich, Schutzmasken mehrmals zu verwenden. Pragmatismus zählt in Zeiten der Not. Ein Arzt erklärt, wie das funktioniert.

Inhalt
  1. Müssen Masken überall getragen werden?
  2. Wasser zerstört die Masken
  3. Wärme kann Coronaviren deaktivieren
  4. Atemschutzmasken wiederverwenden – so geht’s richtig
  5. Atemschutzmasken nur im Notfall mehrmals verwenden

Nichts ist derzeit wohl so schwer zu bekommen, wie Atemschutzmasken. Hersteller schaffen es nicht mehr, die große Nachfrage zu erfüllen. Gesundheitsminister Spahn vergleicht die Schutzmasken sogar schon mit Gold in ihrer Wertigkeit. Wer noch welche erstanden hat, kann sich somit glücklich schätzen.

Da Schutzmasken derzeit nicht mehr erhältlich sind, gibt es ein Umdenken, was die Wiederverwertbarkeit des Produkts betrifft. Selbst das Robert-Koch-Institut weist mittlerweile darauf hin, dass das eigentliche Einmalprodukt im Notfall mehrmals verwendet werden könne.

Doch spätestens nach einem Tag ist dann Schluss – und das richtige Aus- und Anziehen will auch geübt sein. Und dann? Was, wenn keine Masken mehr da sind, man aber nicht darauf verzichten möchte? Sich unsicher und ungeschützt fühlt?

Dr. Dierk Heimann, Facharzt für Allgemeinmedizin in Mainz, erklärt den Trick für Ausnahmesituationen, wie die jetzige Corona-Krise. Er ist zudem ein sogenannter hygienebeauftragter Arzt. Das heißt: Er hat sich im Umgang mit Infektionskrankheiten zusätzlich ausbilden lassen. Er weiß demnach, wie wir mit dem raren Gut in der derzeitigen Lage umgehen sollten und wie wir Atemschutzmasken wiederverwenden können.

 

Müssen Masken überall getragen werden?

Dr. Heimann erklärt, dass Atemschutzmasken nicht der einzige Schutz sind, um sich und andere zu schützen: „Viel wichtiger als jede Maske ist der Abstand. Wer draußen zwei Meter oder mehr zwischen sich und sein Gegenüber bringt, ist sehr gut geschützt. In geschlossenen Räumen mit fremden Personen ist das etwas Anderes. Da heißt es: so wenig Personen wie möglich, gut durchlüften und möglichst weit auseinandersitzen. Wie im Bundestag. Wenn schon Maske, dann hier."

Auch in seiner Praxis sei das Tragen von Masken derzeit Pflicht: „Wir machen es in der Praxis genauso. Unser gesamtes Team trägt Maske und wir geben zudem jedem Patienten eine OP-Maske. Damit reduzieren wir das Risiko einer Tröpfcheninfektion – zudem schafft es keiner von uns, sich mit Maske auf dem Gesicht unbedacht an Nase oder Mund zu fassen. Ich bin zudem Brillenträger, das schützt zusätzlich.“

Doch nicht jeder von uns hat eine Vielzahl an Masken Zu Hause. Was können wir also tun, wenn der kleine Vorrat an Masken zuende geht?

 

Wasser zerstört die Masken

Flüssigkeiten seien laut dem Mediziner ungeeignet, um einen Mundschutz wiederverwendbar zu machen. Der einfache Grund: „Es handelt sich in der Regel um Papier oder Stoffmasken, diese verkleben dann sofort oder reißen und sind somit kaputt.“

 

Wärme kann Coronaviren deaktivieren

Da Coronaviren nicht sonderlich hitzebeständig sind, ist es jedoch möglich, Atemschutzmasken zur Not thermisch behandeln. „Wir nennen das ‚The Magic of 60‘ – 60 Grad Celsius sind wohl die Grenze, die das Virus verträgt. Da gibt es bereits indirekte Hinweise aus verschiedenen Laboren, die getestet haben, ab welcher Temperatur das Virus deaktiviert ist. In den erwähnten Versuchen hat sich gezeigt, dass das Coronavirus unschädlich gemacht wird, wenn es für mindestens 30 Minuten Temperaturen von mehr als 60 Grad Celsius ausgesetzt ist. Wenn man das auf 60 Minuten erweitert, sollte man auf der sicheren Seite sein. Merksatz: The Magic of 60“, erklärt der Mediziner. 

 

Atemschutzmasken wiederverwenden – so geht’s richtig

Zunächst sei es laut dem Allgemeinmediziner wichtig, die Versuche aus dem Labor auf die Atemschutzmasken zu übertragen – mit aller gebotenen Vorsicht: „Man muss natürlich überlegen, wann die Hitze überall an den Gegenstand komplett herangekommen ist. Deshalb die zeitliche Sicherheitsreserve: 60 Minuten bei über 60 Grad Celsius sollte für die Schutzmasken reichen. Masken mit Plastikventilen sind leider meist nicht geeignet. Auch die Gummibänder können Schaden durch die Hitze nehmen. Die Masken sind dafür nicht gemacht. “

Zudem sollte möglichst eine separate Erhitzungsmöglichkeit gegeben sein. „Im besten Fall haben Sie einen kleinen Grillbackofen Zuhause, der nun ausschließlich für das Erhitzen der Maske verwendet werden kann. Viele Thermostate beginnen jedoch leider erst bei 100 Grad. Dann eben mit 100 Grad. Dabei muss natürlich genau darauf geachtet werden, dass die Maske nirgends im Ofen an einen Heizstab herankommt oder in dessen Nähe liegt und nichts brennen kann“, erklärt Dr. Heimann.

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Atemschutzmasken nur im Notfall mehrmals verwenden

Dr. Heimann betont, dass dies alles nur Ratschläge seien, die aufgrund des Mangels an Atemschutzmasken in der derzeitigen Katastrophenzeit gelten: „Das sind lediglich pragmatische Tipps, die nur in außergewöhnlichen Zeiten etwas zu suchen haben. Im Normalfall gilt die Regel: Masken sind Einmalartikel und bleiben Einmalartikel!

Der Mediziner schätzt, dass Atemschutzmasken aus Papier drei- bis fünfmal in dieser Form behandelt werden und danach wiederverwendet werden können.

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