Neue Nebenwirkung bei AstraZeneca: Verbot für diese Personen

Ines Fedder Medizinredakteurin

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) haben eine neue Empfehlung für das Vakzin von AstraZeneca herausgegeben. Der Grund: Weitere Nebenwirkungen! Nach Untersuchungen eines Todesfalls dürfen nun bestimmte Personen nicht mehr mit dem Vektorimpfstoff immunisiert werden. Die Hintergründe.

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Beim Impfstoff von AstraZeneca wurde eine neue schwere Nebenwirkung entdeckt. Nach einem Todesfall empfehlen die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) eine eingeschränkte Nutzung. Ausgenommen sind bisher ohnehin schon Personen unter 60 Jahren. Nun trifft es eine weitere, vorbelastete Gruppe.

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Neue Nebenwirkung bei AstraZeneca: Roter-Hand-Brief mit weiterer Kontraindikation

Der rote Handbrief informiert Ärzte und Apotheker über sicherheitsrelevante Informationen zu einem bestimmten Arzneimittel. Auch AstraZeneca gibt nun im Juni einen neuen Rote-Hand-Brief für seinen Vektor-Impfstoff heraus. Neu aufgenommen sind weitere Nebenwirkungen, die zwar ähnlich wie die bisher bekannten Sinusvenen-Thrombosen sehr selten, aber dennoch sehr gefährlich sind. 

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AstraZeneca: Kontraindikation für Menschen mit Kapillarlecksyndrom (CLS)/Clarkson-Syndrom

So teilt das schwedische Unternehmen im neuesten roten Handbrief eine neue Kontraindikation mit für Menschen mit dem Kapillarlecksyndrom (CLS), auch Clarkson-Syndrom genannt. Das bedeutet: Für CLS-Patienten ist das Vakzin ab sofort verboten. Zwar trete das Syndrom nur sehr selten auf, weltweit sind weniger als 500 Fälle bekannt, dennoch gilt die Krankheit als potentiell lebensgefährlich. Zudem wird die Dunkelziffer wesentlich höher geschätzt.

„CLS ist eine seltene Erkrankung, die durch eine dysfunktionale Entzündungsreaktion, eine endotheliale Dysfunktion und eine Extravasation von Flüssigkeit aus dem Gefäßraum in den interstitiellen Raum gekennzeichnet ist", heißt es im roten Handbrief. Das damit gemeint ist: Die Durchlässigkeit der Kapillargefäße ist mit auftretender Schwellung so hoch, dass Plasma austritt und das Zwischengewebe befallen kann.

CLS, oder auch Clarkson-Syndrom genannt, kann dadurch unter anderem zu:

 

Kapillarlecksyndrom und AstraZeneca-Impfung: Zusammenhang

Laut der EMA wurden bislang sechs Fälle von CLS im Zusammenhang mit einer AstraZeneca-Impfung gemeldet. Etwa die Hälfte der Personen litt bereits früher einmal unter diesem Syndrom. Auch ein Todesfall sei gemeldet worden, berichtet das Unternehmen AstraZeneca.

 

CLS-Nebenwirkung nach Corona-Impfung: Was das für die Immunisierung bedeutet

Aber was bedeutet die Kontraindikation zukünftig für den Impfstoff von AstraZeneca? Die neue Nebenwirkung wird – wie zuvor bereits die Thrombose-Gefahr – in den Beipackzettel mit aufgenommen. Ärzte, die zukünftig das Vakzin von AstraZeneca verimpfen, müssen nun auch nach einer möglichen Vorgeschichte im Zusammenhang mit dem Kapillarlecksyndrom fragen. Sofern bekannt, dürfen diese Personen nicht mehr mit dem Vektorimpfstoff immunisiert werden. 

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Nach dem vermehrten Aufkommen von sehr seltenen Hirnvenen-Thrombosen hat der Corona-Impfstoff AstraZeneca einen schlechtern Ruf, obwohl die Wirksamkeit erwiesenermaßen hoch ist und der Nutzen laut Europäischer Arzneimittelbehörde weiterhin überwiegt. Auch bei diesen neuen Nebenwirkungen handelt es sich um sehr, sehr seltene Komplikationen.

Wer einen Verdacht auf weitere, bisher unbekannte Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem Vakzin von AstraZeneca oder anderen Impfstoffen hat, meldet diese umgehend dem Paul-Ehrlich-Institut. So kann möglichst schnell auf neue Nebenwirkungen wie diese bei AstraZeneca reagiert und ein mögliches Verbot für bestimmte Personengruppen verhängt werden.

Quellen:

Glossar: Rote-Hand-Brief, in: bfarm.de

Neue Kontraindikation: keine AstraZeneca-Impfung bei Capillary-Leak-Syndrome, in: deutsche-apotheker-zeitung.de

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