AstraZeneca-Impfstopp: 6 wichtige Fakten

Mona Eichler Health-Redakteurin

Der AstraZeneca-Impfstopp wirft viele Fragen auf – unter anderem zu den Hintergründen der Entscheidung und den möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffs. Der geplante Gipfel wurde aufgrund des AstraZeneca-Impfstopps abgesagt! So geht es jetzt weiter!

Ab dem 15. März setzt Deutschland die Impfungen mit AstraZeneca aus – nach Ländern wie Dänemark und den Niederlanden ein weiterer Impfstopp für das Vakzin. Der für heute (16.03.) geplante Impfgipfel von Bund und Ländern wurde verschoben - so lange, bis die Entscheidung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) bezüglich des AstrZeneca-Vakzins feststeht.


Doch woher kommt das plötzliche Nein für AstraZeneca in Deutschland? Und wie sollen Menschen, die den Impfstoff bereits erhalten haben, reagieren? Die wichtigsten Fragen zum AstraZeneca-Impfstopp und wie es jetzt weiter geht im Fakten-Check.  

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1. Warum wurden Impfungen mit AstraZeneca gestoppt?

Am Montag (15. März) gab Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekannt, die Impfung mit AstraZeneca auszusetzen. Er folgte damit der Empfehlung des zuständigen Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dem deutschen Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. 
Hintergrund der Entscheidung sind ingesamt sieben Krankheitsfälle in Deutschland, bei denen in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung mit AstraZeneca eine spezielle Form von schwerwiegenden Hirnvenen-Thrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen festgestellt wurden. Drei von den sieben Fällen endeten tödlich. 

Betroffen sind nach bisherigem Kenntnisstand vor allem jüngere Menschen, mehrheitlich Frauen.


„Es geht um ein sehr geringeres Risiko – aber, falls es tatsächlich im Zusammenhang mit der Impfung stehen sollte, um ein überdurchschnittliches Risiko“, sagte Spahn bei einer Pressekonferenz am Montag in Berlin. 

Frankreich, Spanien und Italien verhängten ebenfalls am Montag einen Impfstopp für AstraZeneca. In Tschechien, Polen und Großbritannien wird das Vakzin weiter verimpft. 

 

2. Was ist eine Hirnvenen-Thrombose?

Zunächst ist Blutgerinnung, also verklumpendes Blut, ein Schutz- und Reparaturmechanismus des Körpers: Bei einer Verletzung setzt ein komplexer Vorgang ein, an dessen Ende das Blut verklumpt, um die Blutung einer Wunde zu stoppen. Wenn dies jedoch im Inneren der Gefäße passiert, können sie dadurch vollständig verschlossen werden. Bei Hirnvenen-Thrombosen verstopfen Venen im Gehirn, wodurch die Blut- und damit die Sauerstoffversorgung unterbrochen wird. 

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3. Worauf müssen Personen, die mit AZ geimpft wurden, jetzt achten? 

Das zentrale Symptom einer Hirnvenen-Thrombose sind Kopfschmerzen. Das Bundesgesundheitsministerium betont deswegen in einem Aufklärungsschreiben zum AstraZeneca-Impfstopp: 

„Wer 4 bis 14 Tage nach einer Impfung mit AstraZeneca anhaltende Kopfschmerzen entwickelt oder punktförmige Hautblutungen bei sich entdeckt, sollte sich dringend in ärztliche Behandlung begeben.“

Zudem solle ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, wer „mit drei Tagen Abstand zur Impfung Nebenwirkungen feststellt“. Dazu gehören neben Kopfschmerzen und punktförmigen Hautblutungen auch epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen. 

 

4. Wie viele Menschen haben AstraZeneca bereits erhalten? 

Die aktuellen Zahlen zu AstraZeneca stammen von Sonntag (14. März). Laut RKI sind bis dahin 1,65 Millionen Dosen AstraZeneca-Impfstoff in Deutschland verabreicht worden. Die Zweitimpfung mit dem Vakzin haben bisher lediglich 217 Personen erhalten. 

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5. Kann die Zweitimpfung mit einem anderem Impfstoff erfolgen?

Die Frage, ob man nach der Erstimpfung mit AstraZeneca die Zweitimpfung zum Beispiel mit den Präparaten von Biontech/Pfizer oder Moderna erhalten kann, ist derzeit nicht abschließend geklärt. Experten vermuten, dass eine Mischimpfung kein Problem wäre – es gibt allerdings keine Studiendaten, die diese Annahme bestätigen. 

 

6. Wie lange wird der Impfstopp dauern?

Nach dem vorläufigen Stopp von AstraZeneca werden nun weltweit die Fälle mit den extremen Nebenwirkungen genauer untersucht. Danach prüft die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) auf Basis der neuen Erkenntnisse die Zulassung des Impfstoffes. Eine erste Sondersitzung dazu plant die EMA für diesen Donnerstag. 

Wie lange der AstraZeneca-Impfstopp dauern wird, bleibt abzuwarten. 

Quellen:
Fragen und Antworten zur Aussetzung der Impfung mit AstraZeneca, in: bundesgesundheitsministerium.de
Fünf wichtige Fragen nach dem Astrazeneca-Impfstopp, in: tagesspiegel.de
Das müssen Sie jetzt zum Astrazeneca-Impfstopp wissen, in: rp-online.de

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