AstraZeneca-Impfstoff verunreinigt: Was bedeutet das für die Wirksamkeit?

Gaby Scheib

Ulmer Forschende haben jetzt in einer Studie herausgefunden, dass der AstraZeneca-Impfstoff verunreinigt ist. Was wurde in dem Vakzin gefunden – und ist er überhaupt noch wirksam?

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In der Vergangenheit ist der Impfstoff der britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca schon mehrfach negativ aufgefallen. Vor allem das vereinzelte Auftreten gefährlicher Sinusvenenthrombosen verunsichert viele Menschen. Ein Team der Universität Ulm hat sich deshalb auf Spurensuche begeben: Was kann diese Nebenwirkungen auslösen? Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass der AstraZeneca-Impfstoff verunreinigt ist. In einer noch nicht veröffentlichten Studie wurden nun die Ergebnisse bekanntgegeben, wie verschiedene Medien berichten.

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AstraZeneca-Impfstoff verunreinigt: Zu viele Proteine gefunden

Die Forschenden haben Proben aus drei Chargen des Vakzins analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass ein nicht unerheblicher Teil aus menschlichen und viralen Proteinen besteht, die dort nicht hingehören. In der Studie heißt es, dass ihr Gehalt „deutlich über den theoretisch zu erwartenden 12,5 Mikrogramm“ gelegen habe „und in einer genauer untersuchten Charge betrug er sogar 32 Mikrogramm“.

 

Wirksamkeit bei AstraZeneca beeinträchtigt? 

Insgesamt wurden über 1.000 Proteine gefunden – deutlich mehr, als theoretisch zu erwarten gewesen wären. Der überwiegende Teil von ihnen hat wohl keine weiteren Auswirkungen. Anders sieht es bei den ebenfalls entdeckten, sogenannten Hitzeschock-Proteinen aus: „Extrazelluläre Hitzeschock-Proteine sind jedoch bekannt dafür, dass sie angeborene und erworbene Immunantworten modulieren und bestehende Entzündungsreaktionen verstärken können. Sie wurden zudem auch schon mit Autoimmunreaktionen in Verbindung gebracht“, so Studienleiter Stefan Kochanek. Durch den erhöhten Proteingehalt könne die Immunantwort weniger gut ausfallen und die Wirksamkeit des Impfstoffs gemindert sein.

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Hirnvenenthrombosen durch Hitzeschock-Proteine?

Das Team hält es ebenfalls für möglich, dass die Verunreinigung durch Proteine die Nebenwirkungen der Impfung verstärkt: „Wir halten es für wahrscheinlich, dass die hier dokumentierten Protein-Verunreinigungen an den starken klinische Reaktionen mit grippeähnlichen Symptomen beteiligt sind, die häufig ein bis zwei Tage nach der Impfung beobachtet werden“, heißt es in der Studie. Außerdem werden die seltenen Hirnvenenthrombosen bisherigen Annahmen zufolge durch eine Autoimmunreaktion ausgelöst – Schuld daran könnten ebenfalls die Hitzeschock-Proteine sein.

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Mangelnde Qualitätskontrollen bei AstraZeneca

Verunreinigungen wie diese werden normalerweise bei einem Kontrollverfahren entfernt. Beim Impfstoff von AstraZeneca reichen die bisherigen Standards offenbar nicht aus, die Proteine seien in den Tests nur schwer nachzuweisen. Die Forschenden fordern deshalb eine Überarbeitung bei Herstellungsprozess und Qualitätskontrolle. „Dadurch ließe sich neben der Sicherheit womöglich auch die Wirksamkeit des Vakzins erhöhen“, so Studienleiter Kochonek.

Der Virologe Alexander Kekulé hält die Ergebnisse der Studie für „ziemlich erschreckend“, wie er in seinem Podcast erklärte. Seiner Meinung nach habe aber auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) ein Problem, weil sie die Kontamination bei der Zulassungsprüfung nicht entdeckt hat. Dass der AstraZeneca-Impfstoff verunreinigt ist, dürfte also noch weitere Untersuchungen nach sich ziehen.

 

Quellen:
Studie zeigt Verunreinigungen in Astrazeneca in: n-tv.de
Ulmer Forscher finden Verunreinigungen im Astrazeneca-Impfstoff in: focus.de
Verunreinigter Impfstoff: Ein vernichtendes Urteil für das Vakzin von Astrazeneca in: fr.de

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