Asthmaspray gegen Corona neuer "Game Changer"?

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Kann ein Asthmaspray gegen Corona der neue "Game Changer" werden? Diese Überzeugung teilte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbauch am Wochenende auf Twitter. Eine jetzt veröffentlichte Studie aus Oxford macht Hoffnung in der Behandlung von SARS-CoV-2. Die Wissenschaftler konnten belegen, dass ein Asthma-Wirkstoff die Mehrzahl der Krankenhausfälle verhindern kann. Alle Infos.

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Inhalt
  1. COVID-Behandlung: Asthma-Spray gegen Corona?
  2. Wirkstoff Budesonid in Asthma-Spray verhindert Krankenhaus-Einweisung
  3. Symptome durch Asthma-Medikament reduziert
  4. SPD-Politiker Lauterbach sieht Potential als "Game Changer"

Das Corona-Virus hält die Welt weiter in Atem. Die Infektionszahlen steigen, neue Mutationen und Escape-Varianten des Virus bereiten zunehmend Sorge. Ein Asthma-Spray gegen Corona könnte der neue "Game Changer" sein, wie SPD-Politiker Karl Lauterbach nun auf Twitter verbreitete, und bei der Behandlung von COVID-19 zukünftig ziemlich hilfreich sein. Vor allem scheint das Steroid des Asthma-Sprays schwere Verläufe zu verhindern und auch gegen Long-COVID helfen.

 

COVID-Behandlung: Asthma-Spray gegen Corona?

Neben den Impfstoffen wird nach Medikamenten geforscht, die schwere Verläufe lindern können. Nun scheint es große Hoffnung zu geben. Britische Forscher der Oxford Universität haben herausgefunden, dass ein Asthma-Medikament bis zu 91 Prozent der durch eine COVID-19 Infektion bedingten Krankenhauseinweisungen verhindern kann. Die Ergebnisse der Phase-II-Studie wurde gerade veröffentlicht. Insbesondere in einer frühen Phase der Erkankung scheint inhaliertes Asthmaspray wirksam gegen schwere Verläufe und Krankenhauseinweisungen zu wirken. 

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Wirkstoff Budesonid in Asthma-Spray verhindert Krankenhaus-Einweisung

Die Studie der Oxford-Wissenschaftler, die jetzt in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde, untersuchte an 146 mit COVID-19 infizierten Teilnehmern, ob ein Asthma-Medikament für die Corona-Behandlung bedeutsam sein könnte. Bereits früher war den Wissenschaftler aufgefallen, dass asthmakranke Patienten, die mit Sars-CoV-2 infiziert waren nur seltener schwer an COVID-19 erkrankten. Die Forscher der Universität werteten Krankenhausberichte aus und stießen auf die Erkenntnis, dass viel weniger Patienten mit chronischen Atemwegsinfekten aufgenommen worden waren. 

Konkret ging es um das Steroid Budesonid, das in der Behandlung von chronischen entzündlichen Atemwegserkrankungen wie Asthma häufig verschrieben wird. Der Wirkstoff ist wird meist über einen Inhalator verabreicht (Pulmicort). Es ist ein gängiges Medikament, das millionenfach eingesetzt wird.

 

Symptome durch Asthma-Medikament reduziert

Die eine Hälfte der untersuchten Probanden erhielt zwei Mal am Tag Budesonid, die andere Hälfte wurde ohne diesen Wirkstoff behandelt. Das Ergebnis ist überraschend: Laut Angabe der Forscher zeigt die Studie, dass das inhalierte Budosenid das Risiko, mit ihrer Corona-Erkrankung unter schweren Verläufen zu leiden, deutlich senkte. 91 Prozent der mit diesem Glukokortikoid behandelten Patienten mussten nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden und litten insgesamt unter weniger schweren Symptomen als die Vergleichsgruppe. So stellten sich typische Symptome wie Fieber schneller ein als bei den nicht mit dem Asthma-Spray behandelten Probanden. 

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Das Asthma-Medikament kann also durchaus Hoffnung für COVID-19-Infizierte machen. Allerdings müsse Budosenid innerhalb der ersten sieben Tage nach Auftreten der Erkrankung eingesetzt werden. Das sei laut der Oxford-Forscher essenziell.

 

SPD-Politiker Lauterbach sieht Potential als "Game Changer"

Der deutsche SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach wies am Sonntag auf Twitter erneut auf die Bedeutsamkeit der Studie und ihre Ergebnisse hin. Er erklärte, dass Asthmapatienten oft überraschend gut mit COVID klarkämen und dass das Steroid-Asthmaspray dafür verantwortlich gemacht würde. Die Inhalation wirke nicht nur für Asthmapatienten, sondern für alle und könne das Krankenhaus-Risiko um rund 90 Prozent senken, sofern es drei Tage nach Symptombeginn genommen würde. "Meines Erachtens ein 'Game Changer', weil Studie gut gemacht wurde", bekräftigte Karl Lauterbach in seinem Newsfeed auf Twitter. 

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Die Studie könnte für die Behandlung der Corona-Infektion eine wichtige Bedeutung haben. Denn Budosenid ist ein gut geprüftes und vielfach eingesetztes Medikament, das überall und relativ kostengünstig verfügbar ist. Zudem kann es helfen, die Überlastung der Krankenhäuser und der Intensivstationen mit zu reduzieren.

Die Leiterin der Studie, Professorin Mona Bafadhel betont: „Ich bin erfreut darüber, dass ein relativ sicheres, weit verbreitetes und gut untersuchtes Arzneimittel wie ein inhaliertes Steroid einen Einfluss auf den Druck haben könnte, den wir während der Pandemie erfahren.“

Budosenid könnte als explizites Corona-Medikament relativ schnell zugelassen werden. Dass ein Asthmaspray gegen Corona ein "Game Changer" sein kann, hat die Studie bewiesen - sein Einsatz wird bereits von einigen Ärzten durchgeführt, wie Karl Lauterbach auf Twitter schrieb.

Quellen:

Inhaled budosenide in the treatment of early COVID-19, in: thelancet.com/

Thread zum Asthmaspay von Karl Lauterbach, auf: twitter.com/Karl_Lauterbach/status/1381196498113851397

Common asthma treatment reduces need for hospitalisation in COVID-19 patients, study suggests, in: ox.ac.uk

SARS-CoV-2: Asthmaspray mit Budesonid verhindert schwere Verläufe, in: aerzteblatt.de

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