Asthma-Gefahr: Antibiotika machen Kinder krank

Asthma bei Antibiotika
Britische Forscher fanden heraus, dass Kinder, die im ersten Lebensjahr Antibiotika verabreicht bekamen, ein stark erhöhtes Asthma-Risiko besitzen © Fotolia

Der Einsatz von Antibiotika bei Kleinkindern führt zu einem erhöhten Risiko, an Asthma zu erkranken. Eine aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt, dass die Verschreibung von Antibiotika bei Kindern im ersten Lebensjahr das noch nicht fertig ausgebildete Immunsystem angreift und auf diese Weise zu Asthma führen kann. Praxisvita fasst für Sie die Studie zusammen und erklärt, was bei der Anwendung von Antibiotika bei kleinen Kindern unbedingt beachtet werden sollte.

Eine aktuelle Studie der Universität Manchester belegt einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Antibiotikum und einem erhöhten Asthma-Risiko bei Kleinkindern. Die Forscher fanden heraus, dass Kinder, die vor Vollendung ihres ersten Lebensjahres Antibiotika verschrieben bekamen, ein doppelt so hohes Risiko für Asthma besitzen.

Nach Angaben der Wissenschaftler behindert die Einnahme von Antibiotika bei Kleinkindern das noch nicht fertig ausgebildete Immunsystem. Die Folge ist die Beeinträchtigung der viralen Immunität des Kindes sowie die Veränderung bestimmter Gen-Varianten. Diese stehen ebenfalls mit dem Immunsystem in Verbindung – was schließlich laut Studie das Risiko für Asthma massiv steigert.

 

Kein grundsätzlicher Zusammenhang zu Antibiotika

Konkret untersuchte das Team um Professor Adnan Custovic über 1.000 Kinder, die während ihres ersten Lebensjahres Antibiotika eingenommen hatten. Die so gewonnenen Werte verglichen sie mit parallel gesammelten Daten von Kindern, die im gleichen Alter keine Antibiotika verschrieben bekamen. Auffällig ist in diesem Fall aber, dass kein grundsätzlicher Zusammenhang zwischen der Einnahme von Antibiotika und dem gesteigerten Auftreten von Allergien festgestellt werden konnte.

Das Forscherteam kündigte weitere Untersuchungen an, um die Verbindung von der stark gestiegenen Asthma-Rate – weltweit in den letzten 60 Jahren – und der gleichzeitig massiv zugenommenen Verschreibung von Antibiotika zu untermauern.

 

Sieben wichtige Tipps zur Anwendung von Antibiotika bei Kleinkindern

 

Antibiotika nicht vorschnell nehmen

Heute sind bereits viele Erreger resistent gegen Antibiotika. Das liegt nach Meinung von Experten zumindest zum Teil an einer nicht immer sinnvollen und vorschnellen Verschreibung von Antibiotika. Es empfiehlt sich daher grundsätzlich, nicht zu häufig Antibiotika einzunehmen.

 

Einen Tag warten

Besonders bei Kindern sollten Antibiotika nur eingesetzt werden, wenn andere Therapiewege versagen. Wenn Sie gegen den Einsatz eines Antibiotikums Bedenken bei Ihrem Kind haben , sprechen Sie mit dem Arzt darüber und bitten Sie ihn – wenn es die Schwere der Erkrankung zulässt – es vorerst für weitere 12 bis 24 Stunden ohne eine antibiotische Verschreibung zu versuchen. In einer Kontrolluntersuchung kann dann immer noch auf ein Antibiotikum zurückgegriffen werden. Diese Vorgehensweise hat sich vor allem bei der Behandlung von Mittelohrentzündungen als sehr sinnvoll erwiesen – hauptsächlich, weil sich diese Krankheit auch mit dem Einsatz von Antibiotika im Schnitt nur um einen Tag verkürzen lässt.

 

Antibiotika-Behandlung nicht zu spät beginnen

Auch wenn es sich grundsätzlich empfiehlt, Antibiotika nur sehr gezielt einzusetzen und im Zweifel auch mal einen Tag mit der Verschreibung zu warten, sollten Sie ihrem Arzt vertrauen, wenn er Ihnen erläutert, dass die Erkrankung Ihres Kindes die Behandlung mit einem bestimmten Antibiotikum erfordert. Erfolgt die Verschreibung zu spät, kann der Infekt das Immunsystem Ihres Kindes bereits stark geschwächt haben. Folgeerkrankungen und Komplikationen sind in solchen Fällen erheblich wahrscheinlicher.

Verabreichung von Antibiotika bei Kindern
Bei der Verabreichung von Antibiotikum an Kinder gilt besondere Vorsicht. Vor allem die Dosierungsart und die Behandlungsdauer erfordern die Aufmerksamkeit der Eltern© Fotolia
 

Antibiotika richtig einnehmen

Wenn Ihrem Kind ein Antibiotikum verschrieben wurde, achten Sie bei der Verabreichung unbedingt darauf, dass die auf der Packungsbeilage vorgegebene oder von Ihrem Kinderarzt empfohlene Dosierung – entsprechend dem Körpergewicht des Kindes – eingehalten wird. Nur so kann ein Behandlungserfolg gewährleistet und eine Überdosierung vermieden werden.

Für Kleinkinder werden Antibiotika oft als Trockensäfte hergestellt, die mit Wasser angemischt werden müssen. Achten Sie deswegen darauf, dass zur genauen Dosierung zum Beispiel Teelöffel nicht immer geeignet sind, weil diese in ihrer Größe nicht genormt sind. Berücksichtigen Sie außerdem, dass die meisten Antibiotika vor oder nach dem Essen verabreicht werden sollen („vor“ oder „nach“ bedeutet in Arztsprache in diesem Fall 30 Minuten).

 

Behandlungsdauer einhalten

Ebenso wie die Dosierung ist die Einhaltung der vorgegebenen Behandlungsdauer maßgeblich für eine erfolgreiche Behandlung Ihres Kindes mit einem Antibiotikum. Denn brechen Sie eine Antibiotika-Behandlung zu früh ab, versagt nicht nur der Heilungseffekt, es fördert auch die Bildung resistenter Bakterien. Achten Sie deswegen darauf, dass die Dauer einer Behandlung von Antibiotikum zu Antibiotikum variieren kann – häufig beläuft sich die Verabreichungszeit auf fünf bis zehn Tage. Genaue Angaben dazu finden Sie auf dem Beipackzettel.

 

Antibiotika nicht mit dem Essen mischen

Das als Trockensaft angemischte Antibiotikum nie unter das Essen oder in die Milch geben. Wenn Ihr Kind nicht alles aufisst, stimmt auch die Dosierung nicht mehr. Ebenso kann es zu einer Unterdosierung kommen, wenn Sie das Antibiotikum mit einem Messlöffel verabreichen und Ihr Kind das Präparat auf diese Weise nicht vollständig schluckt. Geben Sie in diesem Fall das verbliebene Antibiotikum in eine kleine Menge Saft oder Tee, die Sie ihrem Kind anbieten können.

Sollte Ihr Kind einen großen Teil des Antibiotikums innerhalb einer Stunde nach Verabreichung wieder ausspucken oder erbrechen, wiederholen Sie die Gabe. Erbricht sich Ihr Kind mehr als zweimal im Anschluss an die Einnahme des Antibiotikums, wenden Sie sich umgehend an Ihren Kinderarzt.

 

Auf Wechselwirkungen achten

Für den Fall, dass Ihr Kind mehrere Medikamente parallel zu dem verschriebenen Antibiotikum einnehmen soll, erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach möglichen Wechselwirkungen.

Ausführlichere Informationen zum Thema Antibiotika bei Kindern von Kinderärztin Dr. Nadine Hess finden Sie hier.

Hamburg, 15. Mai 2014

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