Aspirin absetzen – das kann gefährlich werden

Verena Elson Medizinredakteurin
Aus einem Röhrchen kullern Tabletten
Viele Menschen nehmen täglich Aspirin ein, um Krankheiten wie einem Herzinfarkt vorzubeugen. Das Medikament vor einer Operation abzusetzen, kann gefährlich werden, warnen Mediziner © iStock

Aspirin schützt vor zahlreichen Erkrankungen, darunter Krebs und Schlaganfall. Einige Menschen nehmen das Medikament darum vorbeugend täglich ein. Vor einer Operation setzen sie es meist ab – häufig sogar ohne Rücksprache mit einem Arzt. Das ist gefährlich, warnen jetzt Hamburger Wissenschaftler.

Mehr als jeder zehnte Deutsche im Alter von 45 bis 75 Jahren nimmt vorbeugend Aspirin ein. Das Medikament wirkt blutverdünnend und kann so Krankheiten vorbeugen, die aufgrund verstopfter Blutgefäße entstehen, wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die tägliche Einnahme kann für Risikopatienten darum lebensrettend sein. Steht eine Operation an, wird seine blutverdünnende Wirkung jedoch zum Nachteil, denn es besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko.

 

Absetzen kann die falsche Entscheidung sein

Ein weit verbreiteter Ratschlag lautet darum, Aspirin vor chirurgischen Eingriffen abzusetzen. Das ist jedoch nicht immer das beste Vorgehen, darauf weisen mehrere Studien hin.  So ergab eine 2016 durchgeführte Untersuchung, dass das Herzinfarkt-Risiko durch die Einnahme-Unterbrechung um durchschnittlich 60 Prozent steigt. Die Entscheidung, ob das Medikament abgesetzt wird oder nicht, ist darum eine Nutzen-Risiko-Abwägung. Zu häufig fällt die Entscheidung für eine Unterbrechung der Einnahme, wie eine Befragung von 636 Patienten am Universitätsklinikum Eppendorf ergab. Die Studie wurde im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht. Beinahe die Hälfte der befragten Patienten unterbrach die Einnahme, auch wenn das Risiko späterer Herzleiden als höher einzustufen war als das von Komplikationen während der Operation. Ein Drittel von ihnen setzte sogar ab, ohne den Schritt mit einem Arzt zu besprechen.

 

Der richtige Zeitpunkt zum Absetzen

Fiel die Entscheidung für eine Unterbrechung der Aspirin-Einnahme, erfolgte diese häufig zum falschen Zeitpunkt. Laut europäischen und US-amerikanischen Leitlinien sollte der Wirkstoff sieben bis zehn Tage vor dem Eingriff abgesetzt werden, einige Experten halten den Einnahmestopp fünf Tage vor der Operation für sinnvoll. Fast 40 Prozent der befragten Patienten stoppten die Einnahme mehr als zehn Tage vor der OP oder weniger als drei Tage davor.

Patienten, die dauerhaft Aspirin einnehmen, sollten darum vor geplanten Operationen mit einem Kardiologen besprechen, ob eine Unterbrechung der Einnahme notwendig ist oder ob die Risiken dabei überwiegen.

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