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Blutverdünner Aspirin

Redaktion PraxisVITA

Mein 48-jähriger Patient hat einen Herzinfarkt hinter sich. Seine Herzkranzgefäße waren durch hohen Blutdruck, zu viel Cholesterin und Zigarettenrauchen im Laufe der Jahre eng geworden. Beim Treppensteigen hat es ihn dann ‚erwischt‘. Nun gilt es, einen weiteren Herzinfarkt zu verhindern!

Inhalt
  1. Aspirin – ein Klassiker als Lebensretter
  2. Neue Erkenntnisse rund um Aspirin
  3. Aspirin: Achtung Nebenwirkungen!
  4. Aspirin – freiverkäuflich, aber nicht harmlos
 

Aspirin – ein Klassiker als Lebensretter

Vor mehr als 120 Jahren wurde die Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) in Deutschland patentiert. Zuerst gegen Schmerzen eingesetzt, ist sie im Laufe der Zeit zum ‚Tausendsassa‘ avanciert. Unter anderem kann Aspirin eine Gerinnung des Blutes (Verklumpung der Blutplättchen) verzögern.

Blutplättchen
Aspirin kann die Verklumpung der Bluttplättchen verzögern © istock/Robocop
 

Neue Erkenntnisse rund um Aspirin

Obwohl ich schon Tausende Patienten mit der Acetylsalicylsäure behandelt habe, lerne ich immer wieder Neues. Gerade stand im berühmten Magazin ‚The Lancet‘: Die in Deutschland üblichen 100 Milligramm Acetylsalicylsäure pro Tag (zum Gefäßschutz) sind für Menschen über 70 Kilogramm Körpergewicht zu wenig – sie sollten eher 350 Milligramm einnehmen. Beim Einsatz gegen Schmerzen empfehle ich ohnehin 500 Milligramm und mehr.

 

Aspirin: Achtung Nebenwirkungen!

Aspirin kann unter anderem die Magenschleimhaut schädigen – vor allem, wenn sie hoch dosiert oder über lange Zeit eingenommen wird. Wer ein Magenproblem (z. B. Magengeschwür) hatte, sollte das seinem Arzt sagen – dann muss vielleicht zusätzlich ein Magenschutz wie Omeprazol gegeben werden. Die Gerinnungsverzögerung kann zu Blutungen im Körper führen. Wichtig für Eltern: Bei Kindern und Jugendlichen sollte Aspirin nur auf Anweisung des Arztes eingesetzt werden. Es kann (selten) zum lebensgefährlichen Reye-Syndrom, einer Gehirn- und Leberentzündung kommen!

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Aspirin – freiverkäuflich, aber nicht harmlos

Aspirin kommt „harmlos“ daher – doch sie ist weit davon entfernt. Schon zehn Gramm (auf einmal genommen) können einen Erwachsenen töten. Drei Gramm ein Kind. Harmlos ist anders! Mein Rat: ASS sollte nur dann zum Einsatz kommen, wenn es wirklich nötig ist. Es darf zudem in keinem (!) Stadium einer Schwangerschaft eingenommen werden. Achtung, wenn Sie gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulation) wie „Marcumar“ einnehmen: Bitte erst ihren Arzt fragen – es drohen gefährliche Blutungen! Paracetamol ist dann viel besser.

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