Arsen: Ist mein Essen giftig?

Arsen in Lebensmitteln
Besonders über Reis-Produkte nimmt der Mensch krebsauslösendes Arsen auf © Fotolia

Weltweit ist Reis für über drei Milliarden Menschen ein lebensnotwendiges Grundnahrungsmittel. Auch in Europa hat sich der Reiskonsum in den letzten Jahrzehnten teilweise vervielfacht. Das Problem: Eine aktuelle Studie zeigt, dass Reis wie kaum ein anderes Lebensmittel mit der hochgiftigen Substanz Arsen belastet ist. Praxisvita erklärt, wieso das vor allem für Kinder gefährlich sein kann.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erklärt in einem Themenpapier über „Metalle als Schadstoffe in der Nahrung“, dass „die Hauptaufnahmequellen für Arsen in Europa Lebensmittel sind.“ Vor allem Reis ist mit dem gefährlichen Halb-Metall in erheblichem Maße „kontaminiert“. Das bestätigt nun eine aktuelle Studie des Instituts for Global Food Security at Queen's University in Belfast, die von dem englischen TV-Sender Channel 4 in Auftrag gegeben wurde.

 

Zu viel Gift in Cornflakes

Für die Studie untersuchten die Forscher insgesamt 81 verschiedene Reissorten und -Produkte auf eine Arsen-Belastung.

Die Ergebnisse sind alarmierend. Nach Berichten der Daily Mail sind mehr als 58 Prozent der getesteten Reis-Produkte stark mit Arsen belastet und dürften nach den neuesten EU-Richtlinien nicht von Kindern konsumiert werden. Zum Teil übertrafen die gemessen Arsen-Konzentrationen den Grenzwert für Kinder um bis zu 168 Prozent. Ähnlich hohe Arsen-Belastungen stellte bereits das Magazin Ökotest bei einer Untersuchung von Reis-Produkten im Jahre 2012 fest.

 

Welche Gefahren drohen durch Arsen?

Wenn der menschliche Körper über einen längeren Zeitraum größere Mengen Arsen aufnimmt, kann es zu einer Vergiftung kommen. Die Folgen sind nach Aussagen von Experten vor allem Herz-Kreislauferkrankungen. Zudem deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass Arsen krebsauslösend (vor allem Blasenkrebs) ist.

Arsen nimmt der Mensch über Lebensmittel wie z.B. Getreide, Algen, Trinkwasser (sowohl Leitungs- als auch Flaschenwasser), Kaffee, Bier und Fisch auf. Die mit Abstand größten Arsenmengen befinden sich aber in Reis – der enthält durchschnittlich zehnmal so viel Arsen wie z.B. Weizen.

 

Das Problem mit dem Arsen-Grenzwert

Genaue Arsen-Grenzwerte für Lebensmittel sind bis heute stark umstritten und variieren von Land zu Land teilweise enorm. Die Forscher der Queens University in Belfast beziehen sich in ihrer aktuellen Studie auf einen im August 2014 verabschiedeten Grenzwert der Europäischen Union – 200 Mikrogramm pro Kilogramm (μg/kg) bei Erwachsenen und 100μg/kg bei Kindern –, der voraussichtlich im Sommer 2015 in Kraft treten soll.

Ermittelt wurde dieser neue Maximalwert für Arsen in einer Studie des Gremiums für Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM) der Europäischen Kommission aus dem Jahre 2009. Letztlich folgt die Europäische Union mit diesen Grenzwerten für die Belastung von Lebensmitteln mit Arsen – und anderen Schadstoffen – aber einer Leitlinie der Vereinten Nationen (UN), die im Juli 2014 ausgegeben wurde.

Bisher gibt es in Deutschland – ebenso wie in den meisten europäischen Nationen oder den USA – noch keine verbindliche Regelung dafür, wie viel Arsen in unserem Essen sein darf.

 

Das Gift kommt aus dem Wasser

Im Gegensatz zu Lebensmittel wie Reis gibt es in Deutschland einen streng kontrollierten Grenzwert für die Belastung von Wasser mit Arsen. Hierzulande gilt die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegebene Maximalkonzentration von zehn Mikrogramm Arsen pro Liter Wasser.

Arsen kommt natürlich im Boden vor – vor allem da, wo eine große geothermische Aktivität herrscht (Vulkane) oder Bergbau betrieben wurde. Entsprechend gelangt ein Großteil des Arsens über das Grundwasser (Bewässerung) und den Erdboden in Feldfrüchte (wie Reis oder Getreide) – und von dort auf unseren Teller.

Die Arsen-Werte von Reis, der in Europa verkauft wird, schwanken deutlich – je nach örtlicher Belastung im Wasser oder Boden. Studien haben gezeigt, dass z.B. brauner Reis aus Italien mit über 160μg/kg, roter Reis aus Frankreich mit 310μg/kg und Basmatireis aus Indien mit 40μg/kg kontaminiert ist.

 

„Grenzwerte sind immer noch zu hoch“

Die Forscher der Queens University in Belfast kritisieren zudem die geplanten Grenzwerte für die Europäische Union. Vor allem für Kinder sei der angestrebte Wert von 100μg/kg noch zu wenig gesenkt. Generell sei – gerechnet auf einen täglichen Konsum von maximal 200 Gramm Reis pro Tag – eine Arsen-Begrenzung von 50μg/kg sinnvoll – zehn μg/kg (in etwa der Wert für Wasser) dagegen „wünschenswert“.

 

Kann ich noch gefahrlos Reis essen?

Die WHO empfiehlt Reis in einem Wasser-Reis-Verhältnis von 10/1 zu kochen – was bedeutet eine Tasse Reis in zehn Tassen Wasser zu kochen. Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass das Arsen zumindest teilweise aus dem Reis ausgekocht wird. Zudem sollten Sie höchstens zwei- bis dreimal pro Woche Reis essen, um nicht zu viel Arsen aufzunehmen.

Für den Fall, dass Sie sich im Detail darüber informieren wollen, wie viel Arsen Lebensmittel im Schnitt enthalten, klicken Sie hier.

Hamburg, 3. November 2014
 

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