Aromantisch: Ein Leben ohne Romantik?

Verena Elson Medizinredakteurin

Aromantische Menschen entwickeln keine romantischen Gefühle gegenüber anderen. Doch sind Aromantiker automatisch auch asexuell? Und können sie trotzdem Beziehungen führen? 

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Inhalt
  1. Aromantik gleich Asexualität?
  2. Noch nie verliebt: Bin ich normal?
  3. Bin ich aromantisch? Der Test
  4. Aromantisch: Fehlt da nicht etwas?

Als aromantisch bezeichnen sich Menschen, die sich nie oder höchst selten in andere Menschen verlieben. Sie können das Konzept der romantischen Liebe häufig nicht nachvollziehen und haben selbst nicht das Bedürfnis nach einer romantischen Beziehung.

 

Aromantik gleich Asexualität?

Bei Aromantik handelt es sich nicht um eine sexuelle, sondern vielmehr um eine „romantische Orientierung“ – über die sexuelle Orientierung eines Menschen sagt der Begriff Aromantik nichts aus. Einige Aromantiker sind gleichzeitig asexuell, andere nicht.

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Noch nie verliebt: Bin ich normal?

Aromantischen Menschen fällt häufig schon im Teenageralter auf, dass bei ihnen etwas anders ist als bei ihren Altersgenossen: Schwärmereien für Stars oder Mitschüler können Sie nicht nachvollziehen. Berichten über Beziehungsdramen und romantischen Kennenlerngeschichten ihrer Freunde lauschen sie erstaunt bis befremdet – sie können sich nicht vorstellen, selbst Teil eines solchen „Liebesspektakels“ zu sein.

Da das Konzept Aromantik bei vielen unbekannt ist, fragen sich aromatische Heranwachsende häufig, ob etwas mit ihnen nicht stimmt, weil sie sich noch nie verliebt haben und sich nicht einmal sicher sind, wie sich Verliebtsein überhaupt anfühlt. Häufig dauert es viele Jahre, bis sie sich über ihre romantische Orientierung klar werden. Bis dahin führen viele Aromantiker zahlreiche Beziehungen, in denen sie bei dem Versuch scheitern, mit dem von Medien und Gesellschaft glorifizierten Konzept der romantischen Liebe glücklich zu werden.

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Bin ich aromantisch? Der Test

Wer sich selbst über seine eigene romantische Orientierung unsicher ist, kann sie anhand der folgenden Aussagen prüfen. Wer den meisten dieser Aussagen zustimmt, ist höchstwahrscheinlich aromantisch:

  • Ich habe mich noch nie verliebt oder bin mir nicht sicher, ob ich schon einmal verliebt war.
  • Das Konzept des oder der einen „Richtigen“ ist mir fremd.
  • Der Gedanke an eine romantische Beziehung löst in mir einen Fluchtimpuls aus.
  • Besitzansprüche gegenüber einem anderen Menschen kann ich nicht nachvollziehen – ich möchte niemanden „für mich allein“ haben.
  • Mit romantischen Filmen oder Liebesliedern kann ich nichts anfangen.  
  • In meiner Jugend habe ich mir meine Zukunft nie mit einem Partner vorgestellt.
  • Ich weiß nicht wirklich, wie sich romantische Gefühle überhaupt anfühlen
 

Aromantisch: Fehlt da nicht etwas?

Menschen, die sich zu ihrer aromantischen Orientierung bekennen, werden häufig gefragt, ob ihnen nichts fehle. In der Regel ist das aber nicht der Fall, im Gegenteil: Häufig war es eher der Versuch „normal“ zu sein, der sie zuvor unzufrieden gemacht hat. Da Aromantiker feste Beziehungen in der Regel als unangenehm und einengend empfinden, bedeutet der Verzicht darauf für sie eher eine Erleichterung.

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Aromantiker sein heißt jedoch nicht automatisch Single sein. Viele Aromantiker führen trotzdem Beziehungen – aber eben keine romantischen. Bei diesen Beziehungen kann es sich um rein sexuelle Verbindungen handeln, oder aber um sogenannte queerplatonische Beziehungen: Diese gehen über eine reine Freundschaft hinaus und zeichnen sich durch eine besonders enge Bindung aus, werden von den Partnern aber nicht als romantisch betrachtet.

Ob und in welchem Maße diese Beziehungen eine körperliche Komponente haben, entscheiden die Partner individuell. Da viele aromantische Menschen mit dem Konzept der Exklusivität bei Beziehungen wenig anfangen können, führen sie häufig mehrere solcher queerplatonischer Beziehungen parallel.

Quellen:

Queerplatonisch / Quasiplatonisch, in: www.queerfeldein.at

Aromatik, in: 100mensch.de

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