Arginin – der Eiweißbaustein für gesunde Gefäße

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Arginin
Für gesunde Gefäße und eine gute Durchblutung ist der Eiwießbaustein Arginin sehr wichtig © Fotolia

Arginin ist ein Eiweißbaustein, der unsere Gefäßgesundheit unterstützt. Jedoch kann der menschliche Körper selbst meist nicht genug Arginin produzieren, um den Bedarf zu decken. PraxisVITA hat alle Fakten zu Arginin und erklärt, wie Sie Ihre Versorgung sicherstellen können.

Unser Blutkreislauf ist dafür zuständig, dass der Körper optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Für eine gute Durchblutung spielt vor allem die innerste Schicht der Blutgefäße, das sogenannte Endothel, eine besondere Rolle. Es kleidet sämtliche Organe aus und beeinflusst die Erweiterung und Verengung der Blutgefäße. Dabei gilt: Bei jungen Menschen funktioniert die Durchblutung meist besser, da ihre Gefäße elastisch sind und sich noch keine Ablagerungen gebildet haben. Doch wenn wir älter werden, verlieren die Gefäße ihre Elastizität und versteifen. Durch Fett- und Kalkablagerungen (Arteriosklerose) verengen sie außerdem und behindern so die Durchblutung. Diese Ablagerungen können durch Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck noch begünstigt werden – und sind gefährlich. Denn wenn sie sich lösen, entsteht ein Gerinnsel, dass die Arterie verschließen kann. Ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt sind dann häufig die Folge. Daher sollte bereits frühzeitig damit begonnen werden, die Gefäße möglichst gesund zu erhalten. Die Forschung konnte dafür eine wichtigen Substanz identifizieren: Den Eiweißbaustein (auch als Aminosäure bekannt) Arginin.

 

Wie Arginin die Durchblutung verbessert

Bereits im Jahr 1886 entdeckten der deutsche Chemiker Ernst Schulze und sein Doktorand Ernst Steiger den Stoff Arginin, als es ihnen gelang, den Eiweißbaustein aus Lupinenkeimlingen zu isolieren. Über 100 Jahre später, nämlich im Jahr 1998, fanden die Wissenschaftler Robert F. Furchgott, Louis J. Ignarro und Ferid Murad dann heraus, dass der Körper aus Arginin das Molekül Stickoxid herstellt, das als Botenstoff gefäßerweiternd wirkt, vor Ablagerungen schützen und erhöhten Blutdruck senken kann. Die Behandlung von Patienten mit Durchblutungsstörungen, Arteriosklerose und Bluthochdruck konnte dadurch verbessert werden – und die drei Forscher wurden mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt.

Arginin
Aus Arginin wird ein wichtiger Botenstoff gebildet, der die Gefäßgesundheit unterstützt© Fotolia

Arginin hat aber auch noch andere Funktionen im Körper: Der Eiweißbaustein unterstützt das sogenannte gute Cholesterin HDL, regelt die Insulinausschüttung und kann das Risiko einer Demenzerkrankung senken. Allerdings kann der menschliche Körper meist nicht genug Arginin produzieren, um den Bedarf selbst zu decken. Gerade in der Wachstumsphase, bei Stress oder bestimmten Erkrankungen wie Durchblutungsstörungen übersteigt der Bedarf oft die Produktion. Auch mit zunehmendem Alter benötigt der Körper mehr Arginin. Um den Mangel auszugleichen, helfen argininhaltige Lebensmittel wie Nüsse. Die Dosierung hängt in erster Linie von der Ursache des Mangels ab: Bei Arteriosklerose benötigt der Körper beispielsweise 3.000 bis 5.000 Milligramm Arginin pro Tag. Bereits 100 Gramm Erdnüsse enthalten 3.400 Milligramm und können so den Tagesbedarf decken.

 

Arginin als diätetisches Lebensmittel

Arginin kann auch in Tablettenform als diätetisches Lebensmittel zugeführt werden. Oft wird der Stoff dafür mit Vitaminen kombiniert (beispielweise Vitamin B6, das die Umwandlung von Eiweißstoffen unterstützt) in der Apotheke angeboten. In der Regel sind diese Kombipräparate auch über lange Zeit hinweg gut verträglich und können in Absprache mit dem Arzt parallel mit anderen Medikamenten wie beispielsweise Blutdrucksenkern verwendet werden. Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Die Tabletten werden je morgens und abends mit etwas Flüssigkeit eingenommen. Wegen ihrer durchblutungsfördernden Wirkung könnten die Kombipräparate mit Arginin auch zur Anwendung bei Patienten mit erektiler Dysfunktion geeignet sein, sagen Experten.

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Um die Gefäße gesund zu halten, sollten Sie sich zwei- bis dreimal die Woche wenigstens 30 Minuten bewegen – beispielsweise durch Schwimmen© iStock
 

Die Gefäßgesundheit unterstützen

Auch der eigene Lebensstil kann sich auf die Gefäßgesundheit auswirken. Um eine gute Durchblutung zu gewährleisten, hilft eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse und vielen Ballast- sowie Nährstoffen. Auch regelmäßige Bewegung – das heißt zwei- bis dreimal die Woche mindestens 30 Minuten, beispielsweise Radfahren oder Schwimmen, – schützt die Gefäße. Auf Nikotin und Alkohol sollte möglichst verzichtet werden.

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