ARDS: Was ist das Akute Atemwegssyndrom?

Julia Klinkusch Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Das Akute Atemwegssyndrom wird auch ARDS genannt. Diese Abkürzung steht für die englische Bezeichnung der Erkrankung: Acute Respiratory Distress Syndrome. Es handelt sich um einen lebensgefährlichen Zustand, bei dem die Lungen ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen können.

Bei ARDS wird meist eine künstliche Beatmung notwendig
Bei ARDS wird in den meisten Fällen eine künstliche Beatmung notwendig Foto:  iStock/ugurhan
Inhalt
  1. Was ist das Akute Atemwegssyndrom (ARDS)?
  2. Welche Ursachen hat ARDS?
  3. Welche Behandlung hilft bei ARDS?
 

Was ist das Akute Atemwegssyndrom (ARDS)?

Es handelt sich um eine spezielle Erkrankung der Lunge, die durch eine Schädigung der Lungenbläschenwand (Kapillarwand) hervorgerufen wird. Diese ist bei ARDS durchlässiger, als es normalerweise der Fall ist. Deshalb gelangt vermehrt Flüssigkeit in die Zwischenräume innerhalb des Lungengewebes. Das Wasser staut sich in der Lunge, es kommt zum sogenannten Lungenödem. Doch nicht nur Flüssigkeit, auch Erreger und Immunzellen gelangen über die durchlässige Kapillarwand ins Gewebe. Es entstehen Entzündungen, die die Lunge noch mehr schädigen.

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Dadurch vermehrt sich das Bindegewebe der Lunge, sie verhärtet sich und vernarbt. Diesen Zustand nennt man Fibrose. Der Gasaustausch in den Lungenbläschen kann nicht mehr wie gewohnt stattfinden, der Körper wird schlechter mit Sauerstoff versorgt. Das kann im schlimmsten Fall zum Zusammenfall der Lungenbläschen führen. Patienten, die am Akuten Atemwegssyndrom (ARDS) leiden, haben eine starke Atemnot sowie bläulich verfärbte Finger und Lippen.

 

Welche Ursachen hat ARDS?

Die Ursache für das Akute Atemwegssyndrom (ARDS) ist die starke Schädigung der Lunge. Diese wiederum kann durch ganz unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Zum einen durch direkte Verletzungen oder Erkrankungen des Organs. Ursachen sind zum Beispiel:

  • Lungenentzündung
  • Beinahe-Ertrinken
  • Rauchgasvergiftung
  • Giftgasvergiftung
  • Lungentrauma/Lungenquetschung aufgrund von Unfällen
  • Fettembolien

Auch schwere Allgemeinerkrankungen können Auslöser für ein Akutes Atemwegssyndrom (ARDS) sein. Beispielsweise die Blutvergiftung, bei der es zu einem Multiorganversagen kommen kann. Weitere indirekte Ursachen können sein:

  • großflächige Verbrennungen
  • mehrere Bluttransfusionen
  • Schock
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • Drogenüberdosis
 

Welche Behandlung hilft bei ARDS?

Das Akute Atemwegssyndrom (ARDS) bedarf einer schnellen Behandlung. Aufgrund der schweren Vorerkrankungen befinden sich die meisten Patienten bereits in der Klinik. Wichtig ist in erster Linie, die Ursache zu behandeln. Medikamente gegen Lungenversagen gibt es nicht. Kommt es zum Aussetzen der Atmung, müssen die Patienten künstlich beatmet werden. Die Beatmung sollte schonend erfolgen, damit die Lunge nicht noch stärker geschädigt wird. Parallel zur künstlichen Beatmung wird auf die Lagerungstherapie gesetzt. Bei ARDS ist die Bauchlage wichtig, da dadurch der Sauerstoffgehalt im arteriellen Blut ansteigt – das arterielle Blut bewegt sich aus Richtung Herz in den Körper, um die Organe mit Sauerstoff zu versorgen.

Personen bedienen ein künstliches Beatmungsgerät
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Bei sehr schweren Fällen des Akuten Atemwegssyndroms kann auch die sogenannte extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) notwendig sein. Bei diesem Hightechverfahren wird das Blut des Patienten außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert. Ob ECMO zum Einsatz kommen kann und darf, muss im Einzelfall entschieden werden, abhängig vom ARDS-Verlauf.

Quellen:

Köhler, Dieter et al. (2014): Pneumologie: Ein Leitfaden für rationales Handeln in Klinik und Praxis, Stuttgart: Thieme Verlag.

Iberl, Gabriele & Schellenberg, Mavi (2017): Pflegewissen Pneumologie (Fachwissen Pflege), Heidelberg: Springer.

Akutes Lungenversagen (ARDS), in: Lungeninformationsdienst.de

Akutes Atemnotsyndrom (ARDS), in: europeanlung.org

ECMO: Einsatz bei Lungenversagen gut abwägen, in: Lungeninformationsdienst.de

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