Arbeitsunfall: Handverletzungen am häufigsten

Redaktion PraxisVITA
Eine Ärztin versorgt die Hand eines Patienten
Die Hände wurden 2014 bei Arbeitsunfällen am häufigsten verletzt, zeigt eine Statistik © Fotolia

Die Hände waren im Jahr 2015 das Körperteil, das am häufigsten bei Arbeitsunfällen verletzt wurde – das berichtet die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM). Praxisvita erklärt die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Handverletzungen.

Unsere Hände sind ein anatomisches Wunderwerk: Wir tasten mit ihnen, wir greifen nach etwas und unterstreichen mit ihnen unser Gesagtes. Eine Vielzahl anatomischer Strukturen durchläuft auf engsten Raum die Hand, darunter Nerven, Blutgefäße, Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenke. In der Hand befinden sich etwa 27 Knochen, das sind ein viertel der gesamten Knochen des Körpers.

Gleichzeitig ist die Hand auch sehr sensibel. Wer einaml auf glattem Boden ausgerutscht ist oder beim Sport den Ball falsch gefangen hat, der weiß, wie schnell Handverletzungen entstehen. Jeder fünfte Arbeitsunfall in Deutschland betrifft laut einer Studie die Hand. Diese entstehen u.a. dadurch, dass Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten werden oder es zu unbeabsichtigen Bewegungen kommt, beispielsweise Stürze. Auch im Alltag sind Handverletzungen ein häufiger Grund für Arztbesuche. Der Arzt wird zunächst die Hand genaustens überprüfen und ein Röntgenbild anfertigen lassen. Daraus ergibt sich die jeweilige individuell abgestimmte Behandlungsweise.

 

Handverletzungen richtig versorgen

Eine Frau ist auf dem Boden ausgerutscht
Sich mit der Hand abzustützen ist ein natürlicher Reflex. Leider kann es dabei schnell zu Handverletzungen kommen© Marina_Ph/iStock

Oberste Priorität bei der Behandlung von schwerwiegenden Handverletzungen hat der Erhalt der Stabilität, Durchblutung, Sensibilität und Motorik. Bei komplexen Beeinträchtigungen wird der Arzt zu einer OP raten. Anschließend sind voraussichtlich weitere Eingriffe nötig, beispielsweise um abgestorbenes Gewebe zu entfernen.

Besonders wichtig für den Behandlungserfolg ist die korrekte Nachsorge. Durch Ergogymnastik soll die Sensibilität der Hand wieder zurückgewonnen werden.

 

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Handverletzungen

Schnittwunden

  • Bei kleinen, oberflächlichen Schnittwunden genügt ein Pflaster. Stark verschmutzte Wunden sollten mit fließendem, kalten Wasser ausgewaschen und anschließend desinfiziert werden – wenn Splitter oder Steinchen in die Wunde gelangt sind, nur mit einem Verband abdecken und einen Arzt den Schmutz entfernen lassen.
  • Wenn das Blut herausspritzt oder pulsiert, wurde eine Arterie getroffen. Dann sollte die Wunde mit einem sauberen Tuch oder einer sterilen Kompresse abgedeckt werden. Wenn das nicht genügt, um die Blutung zu stoppen, wird ein Druckverband angelegt: Dazu eine Kompresse auf die Wunde drücken und diese mehrfach mit einer Mullbinde umwickeln. Anschließend ein Druckpolster (z.B. eine zweite Binde) auf den Wundbereich legen und fest mit dem Verband verbinden. Anschließend muss die Wunde umgehend vom Arzt versorgt werden. Ganz wichtig: Die Wunde nicht abbinden. Andernfalls wird die betroffene Stelle nicht mehr mit Blut versorgt, es kann zu Gewebeschäden kommen.
  • Nicht vergessen: Der Tetanus-Impfschutz gehört zur Wundbehandlung! Denn schon bei kleinen Wunden können Erreger in den Körper gelangen und zu Wundstarrkrampf führen.

Knochenbrüche

  • Die Hand ruhigstellen.
  • Offene Bruchstellen mit einem sterilen Verband abdecken.
  • Ein geschlossener Bruch kann mit kalten Umschlägen oder Kühlpacks gekühlt werden – diese aber vorher mit einem Handtuch umwickeln, um die Haut zu schützen.
  • Auf die Sanitäter warten (auf keinen Fall versuchen, gebrochene Knochen selbst zu schienen).

Quetschungen

  • Bei leichten Quetschungen reicht die Kühlung und Schonung der Hand aus, um Schmerzen und Schwellungen zu lindern – nach ein bis zwei Wochen verheilt die Quetschung von selbst.
  • Bei schweren, offenen Quetschungen der Hand sollte ein steriler Wundverband angelegt werden – die weitere Versorgung übernimmt der Notarzt. Auch hier ist der Tetanus-Impfschutz wichtig.

Prellungen

  • Bei Prellungen sollte die Hand ruhiggestellt, gekühlt und mit einem leichten Druckverband umwickelt werden.
  • In den ersten 48 Stunden nach dem Unfall helfen kühlende Gele oder pflanzliche Präparate auf Basis des Beinwell-Extraktes – sie wirken schmerzlindernd, abschwellend und entzündungshemmend. Anschließend können durchblutungsfördernde Salben die Heilung unterstützen.
Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.