Aquaphobie: In der Angst „ertrinken“

Ines Fedder Medizinredakteurin

Angst ins kalte Wasser zu springen? Betroffene, die unter einer Aquaphobie leiden, kennen dieses Gefühl. Mehr noch. Die „Angst vor Wasser“ greift tief in den Alltag der Betroffenen ein und macht ein unbekümmertes Leben nahezu unmöglich.

Frau ist am Ertrinken
Die Aquaphobie geht in den meisten Fällen über die Angst vor dem Ertrinken weit hinaus Foto:  istock/mihtiander
Inhalt
  1. Was ist eine Aquaphobie?
  2. Wie äußerst sich die Angst vor Wasser?
  3. Auslöser: Wie entsteht eine Aquaphobie?

Wasser bedeutet Leben. Der menschliche Körper besteht zu circa 60 Prozent aus Wasser. Und schon als Embryo trägt das Fruchtwasser zu der Entwicklung des Kindes bei. Und doch gibt es sie – die Angst vor Wasser. Sie gehört der Gruppe der Angststörungen an. Aber: Was genau versteht man eigentlich unter einer Aquaphobie?

 

Was ist eine Aquaphobie?

Die Aquaphobie (Aqua = lat. Wasser, phobos = lat. Furcht), auch Hydrophobie (Hydro= griech. Wasser) genannt, bezeichnet die Angst vor Wasser beziehungsweise Flüssigkeit im Allgemeinen.

Im chemischen Kontext gesehen bezeichnet man mit „hydrophob“ Substanzen, die sich nicht mit Wasser mischen, also „wassermeidend“ sind. Darunter fallen zum Beispiel Fette oder Wachse.

Spricht man von einer „Aquaphobie“ ist hier die psychologische Komponente gemeint. Es handelt sich um die Spezifizierung einer Angststörung. Diese kann schwer oder minder schwer ausgeprägt sein. Sie kann sich auf die Angst vor tiefen Wasser beschränken, vor unruhigen Gewässern oder sogar auf Angst vor Flüssigkeit jeglicher Art.

Eine ängstliche Frau schaut aus dem Fenster
Angststörung Selbst-Test: Habe ich eine Angststörung?

 

Wie äußerst sich die Angst vor Wasser?

Da es sich bei der Aquaphobie um eine Angststörung handelt, gehen die Symptome mit den typischen Vermeidungsstrategien einher. Betroffene leiden bei Konfrontation mit dem Angstobjekt unter Herzrasen, Zittern, Engegefühl in der Brust, Atemnot sowie Panikattacken. Zudem leiden Phobiker unter ständiger Erwartungsangst. Das heißt, die Angstsymptome treten schon auf, bevor die Konfrontation überhaupt stattgefunden hat.

Typisches Verhalten bei Angst vor Wasser:

  • Betroffene können nicht schwimmen
  • Badewanne und Dusche werden gemieden
  • Orte an Seen, Meer und anderen Gewässern werden gemieden
 

Auslöser: Wie entsteht eine Aquaphobie?

Die Entstehung einer Angststörung kann nicht verallgemeinert werden. Oft geht der Angst ein Trauma oder schlechte Erfahrungen voraus – etwa wenn der Betroffene einmal fast ertrunken wäre. Zudem können sich übertriebene Ängste auch vom Elternteil auf das Kind übertragen. Den Auslöser der Angst zu identifizieren, ist ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. 

Angst vor Wasser: Was kann ich tun?

Eine Aquaphobie kann man auf unterschiedliche Weise behandeln. Je nachdem, worin der Auslöser der Angst begründet ist. Die Entscheidung, welche Therapie-Möglichkeit die richtige ist, legt der Patient in der Regel gemeinsam mit dem behandelnden Therapeuten fest. Zu den gängigen Therapiemethoden zählen die Hypnose-Therapie, die Konfrontationstherapie und die Verhaltenstherapie. Eine große Gewichtung im Zuge der Konfrontationstherapie kommt der Teilnahme an sogenannten Wassereingewöhnungskursen zugute. Hier kann der Patient sich langsam an die Berührung mit Wasser herantasten. 

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Wann muss eine Aquaphobie behandelt werden?

Angehörige und Freunde, die versuchen der irrationalen Angst mit logischen Argumenten entgegenzuwirken, werden bei einer echten Phobie schnell an ihre Grenzen kommen. Kennzeichnend für eine Phobie ist eben die „irrationale Furcht“. Entscheidet sich der Betroffene dazu, die Phobie zu behandeln, liegt in der Regel ein so großer Leidensdruck vor, dass die Lebensqualität des Betroffenen stark beeinträchtigt wird. Eine Therapie ist erst dann erfolgversprechend, wenn der Betroffene genügend Bereitschaft mitbringt.

Irrationale Angst ist im Übrigen kein seltenes Phänomen. Zu den häufigsten Phobien zählt unter anderem die Platzangst (Agoraphobie) und die Angst vor geschlossenen Räumen (Klaustrophobie). Schätzungsweise zehn Prozent der Gesamtbevölkerung leidet an einer Phobie. Jedoch: Nicht jede Phobie ist so schwerwiegend, dass sie behandelt werden muss.

Quellen:

  • Goss, K. U., Schwarzenbach R.P. (2003): Rules of Thumb for Assessing Equilibrium Partitioning of Organic Compounds: Successes and Pitfalls. JOURNAL OF CHEMICAL EDUCATION 80(4): 450–455.
  • Gesundheit heute – Krankheiten, Diagnose, Therapie, Das Handbuch für Schulmedizin, Naturheilkunde und Selbsthilfe (2008), Dr. med. Schäffler (Hrsg.), Knauer Ratgeber Verlag, München.
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