Aquaphobie: Wie Betroffene die Angst vor Wasser überwinden können

Betroffene, die unter einer Aquaphobie leiden, haben nicht nur Angst davor, ins Wasser zu springen. Die Angst vor Wasser kann tief in den Alltag eingreifen und die Lebensqualität einschränken.

Frau ist am Ertrinken im Wasser
Die Aquaphobie geht in den meisten Fällen über die Angst vor dem Ertrinken weit hinaus Foto: iStock/mihtiander

Der menschliche Körper besteht zu circa 60 Prozent aus Wasser. Wir brauchen Wasser nicht nur zum überleben, sondern kommen damit ständig und überall in Berührung: Im Urlaub am Meer, im Schwimmbad oder in der Badewanne. Und doch gibt es sie – die Aquaphobie, die Angst vor Wasser.

Was ist eine Aquaphobie?

Aquaphobie (lat. aqua = Wasser, altgr. phóbos = Furcht) bezeichnet die Angst vor Wasser beziehungsweise Flüssigkeit im Allgemeinen. In der Psychologie ist der Begriff Aquaphobie geläufiger.

Bei der Angst vor Wasser handelt es sich um eine spezielle Form der Angststörung. Diese kann schwer oder minder schwer ausgeprägt sein. Sie kann sich auf die Angst vor tiefem Wasser (zum Beispiel im Meer) beschränken, dann handelt es sich genauer gesagt um eine Thalassophobie. Betroffene können aber auch Angst vor unruhigen Gewässern oder sogar Angst vor Flüssigkeit jeglicher Art haben. Häufig schwingt die Angst vor dem Ertrinken mit.

Auch der Begriff Hydrophobie (althr. hydro = Wasser) ist geläufig, allerdings wird dieser vorwiegend im chemischen Kontext verwendet. „Hydrophobe“ Substanzen, die sich nicht mit Wasser mischen, verhalten sich „wassermeidend“. Dazu zählen zum Beispiel Fette oder Wachse.

Aquaphobie-Symptome: Wie äußert sich die Angst vor Wasser?

Da es sich bei der Aquaphobie um eine Angststörung handelt, gehen die Symptome mit den typischen Vermeidungsstrategien einher. Betroffene leiden bei Konfrontation mit dem Angstobjekt unter Herzrasen, Zittern, Engegefühl in der Brust, Atemnot sowie Panikattacken.

Zudem versetzt sie die Aquaphobie in eine ständige Erwartungsangst bzw. in eine Angst vor der Angst. Das heißt, die Angstsymptome treten schon auf, bevor die Konfrontation überhaupt stattgefunden hat.

Typisches Vermeidungsverhalten bei Angst vor Wasser: Betroffene

  • meiden Seen, Meer und andere Gewässer

  • meiden Badewanne und Dusche

  • gucken keine Filme, die viel Wasser (zum Beispiel "Life of Pi")

Aquaphobie-Test: So finden Sie heraus, ob Sie eine krankhafte Angst vor Wasser haben

Zur eigenen, vorläufigen Selbsteinschätzung können Sie sich folgende Fragen stellen, um herauszufinden, ob Sie eine Tendenz zu Aquaphobie haben:

  • Fürchten Sie sich vor tiefen Gewässern?

  • Haben Sie Angst davor, zum Badesee oder ans Meer zu fahren?

  • Haben Sie Angst davor, ins Wasser zu gehen oder gar das Meer zu sehen?

  • Meiden Sie Orte mit Wasser (Urlaubsorte, Schwimmbäder, etc.)

  • Haben Sie Angst- und Paniksymptome wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Atemnot, Schwindel oder Angst vor Kontrollverlust?

  • Ist Ihre Angst so groß, dass Sie sich im Leben eingeschränkt fühlen?

  • Denken Sie, dass Ihre Angst übertrieben ist?

  • Bemerken Sie bereits Angstgefühle, wenn Sie an das Meer oder überhaupt an Wasser denken?

Je mehr Fragen Sie mit „Ja“ beantwortet haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie eine Tendenz zur Aquaphobie haben. Auch der Test des Vereins Pro Psychotherapie e.V. kann Ihnen weiterhelfen. Eine genaue Diagnose kann jedoch nur ein:e Ärzt:in oder Psycholog:in stellen.

Aquaphobie Krankheit: ICD-Code für die Diagnose

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt Aquaphobie in ihrer Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) als ICD-10-Code F40.2, der für die Diagnosestellung dient. Der Code F40.2 umfasst spezifische (isolierte) Phobien. Darunter fällt nicht nur die Angst vor Wasser, sondern auch die Angst vor Tieren, Höhen oder geschlossenen Räumen.

Wie entsteht eine Aquaphobie? Die Ursachen

Oft gehen der Angst vor Wasser schlechte Erfahrungen voraus – zum Beispiel, wenn Betroffene in der Vergangenheit fast ertrunken wären. Ein solches Trauma kann dazu führen, dass sich im Laufe der Zeit eine Aquaphobie entwickelt.

Zudem können sich übertriebene Ängste auch vom Elternteil auf das Kind übertragen. Dies kann zur Folge haben, dass Betroffene in ihrer Kindheit nie gelernt haben zu schwimmen und so mit tiefem Wasser nie in Kontakt gekommen sind.

Eine Phobie ist kein seltenes Phänomen. Zu den häufigsten Phobien zählt unter anderem die Platzangst (Agoraphobie) und die Angst vor geschlossenen Räumen (Klaustrophobie). Schätzungsweise zehn Prozent der Gesamtbevölkerung leidet an einer Phobie. Aber nicht jede ist so schwerwiegend, dass sie behandelt werden muss.

Wann muss eine Aquaphobie behandelt werden?

Angehörige und Freunde, die versuchen der irrationalen Angst mit logischen Argumenten entgegenzuwirken, werden bei einer echten Phobie schnell an ihre Grenzen kommen. Kennzeichnend für eine Phobie ist eben die irrationale Furcht. Entscheiden sich Betroffene dazu, die Phobie zu behandeln, liegt in der Regel ein so großer Leidensdruck vor, dass die Lebensqualität stark beeinträchtigt wird.

Eine Therapie ist erst dann erfolgversprechend, wenn Betroffene genügend Bereitschaft mitbringen, sich ihrer Angst zu stellen. Je früher sich Aquaphobiker in Behandlung begeben, desto besser und eher können sie ihre Angst überwinden.

Angst vor Wasser und vor dem Ertrinken: Welche Therapie kommt infrage?

Zu den gängigen Therapiemethoden bei einer Phobie zählen die Hypnose-Therapie, die Konfrontationstherapie und die Verhaltenstherapie. Eine große Gewichtung im Zuge der Konfrontationstherapie kommt der Teilnahme an sogenannten Wassereingewöhnungskursen zu. Hier kann sich der Patient bzw. die Patientin langsam an die Berührung mit Wasser herantasten – und so Stück für Stück die Aquaphobie überwinden.

Quellen
  • Goss, K. U., Schwarzenbach R.P. (2003): Rules of Thumb for Assessing Equilibrium Partitioning of Organic Compounds: Successes and Pitfalls. JOURNAL OF CHEMICAL EDUCATION 80(4): 450–455.
  • Gesundheit heute – Krankheiten, Diagnose, Therapie, Das Handbuch für Schulmedizin, Naturheilkunde und Selbsthilfe (2008), Dr. med. Schäffler (Hrsg.), Knauer Ratgeber Verlag, München.