Appetitkontrolle: Forscher finden den Hungerschalter im Gehirn

Mit Laser das Essverhalten steuern
US-amerikanische Forscher konnten mithilfe eines Lasers das Gehirn so manipulieren, dass z.B. das „Gefühl von Hunger aus- oder anging“. Auf diese Weise sollen in Zukunft Essstörungen behandelt werden © Fotolia

Forscher stimulieren mit einem Laser bestimmte Nervenzellen im Gehirn, beeinflussen auf diese Weise das Appetitgefühl und steuern damit das natürliche Essverhalten. Die aktuelle Studie beschreibt ein bahnbrechendes Verfahren, mit dem in Zukunft das Hungergefühl kontrolliert und so Essstörungen – wie Magersucht oder Esssucht – einfach ‚ausgeschaltet’ werden können. Praxisvita fasst für Sie zusammen und nennt Ihnen einfache Tipps, was Sie selbst tun können, um Ihren Appetit zu kontrollieren.

Forscher des California Institute of Technology konnten die neuronalen Schaltstellen im Gehirn bestimmen, die für die Steuerung des Essverhaltens verantwortlich sind. In der kürzlich im Fachmagazin Nature Neurosciences veröffentlichten Studie beschreiben sie, wie durch die Stimulation dieser Schaltstellen das Bedürfnis zur Nahrungsaufnahme gezielt und ohne Zeitverzögerung aktiviert oder deaktiviert werden.

 

Die Suche nach dem Hungerschalter

Um die Gehirnregionen, die für das menschliche Essverhalten verantwortlich sind, kontrollieren zu können, mussten sie aber zuerst gefunden werden. Dazu machten sich die Forscher um Studienleiter Professor David Anderson ein künstliches Hungergefühl zunutze. Mithilfe spezieller Chemikalien lösten sie kontrolliert ein Appetitgefühl aus und beobachteten dabei genau, welche Gehirnregionen aktiviert wurden – und welche biochemischen Reaktionen im Körper jeweils ausgelöst wurden, wenn das Hungergefühl entweder mit Nahrung befriedigt oder nicht befriedigt wurde.

 

Es gibt viele Schaltzentralen des Hungers

Die Ergebnisse zeigten schließlich, dass es nicht eine bestimmte, sondern viele verschiedene Gehirnregionen gibt, die sich gegenseitig beeinflussen und zusammen die sogenannten Appetitzyklen steuern. Wichtigstes Zentrum ist dabei ein Gehirnbereich – die Amygdala –, der für „das dominante neuronale Event des Hungergefühls" verantwortlich ist.

Hier wird der entsprechende Signalstoff des Appetits – das Protein PKCdelta – durch nahrungsbezogene Gefühle ausgelöst. Dieser Signalstoff ist wiederum zentral für die Appetitkontrolle, da er dem Körper nicht nur als Hunger-Anzeige dient, sondern auch reguliert wie viel Nahrung aufgenommen werden muss, damit ausreichend Nährstoffe vorhanden sind. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Anzahl der PKCdelta-Proteine im Blut das Appetitgefühl direkt beeinflussen. Je weniger dieser Hungerenzyme ausgeschüttet wurden, desto größer wird der Hunger empfunden – und umgekehrt.

Bei Essstörungen – so erklären die Wissenschaftler – habe sich dagegen die Menge der aufgeschütteten Hungerenzyme von den tatsächlichen Nährstoffreserven des Körpers entfernt. So wird beispielsweise das Hungerenzym immer weiter reduziert, auch wenn bereits genug Nahrung aufgenommen wurde.

 

Ein Laser steuert das Hungergefühl

Nachdem die Schaltzentralen des Appetitgefühls gefunden waren, mussten Professor Anderson und sein Team nur noch einen Weg finden, „diesen Hungerschalter“ künstlich aktivieren oder deaktivieren zu können. Die Lösung war ein spezielles Lasersystem, das einen direkten Reiz auf die Nervenzellen der entsprechenden Gehirnregionen ausübte und so die Ausschüttung des PKCdelta-Proteins stimulierte oder unterband. In mehreren Versuchen zeigte sich schließlich, dass sich auf diese Weise das Bedürfnis der Nahrungsaufnahme sofort und vollständig abstellen ließ – unabhängig davon, ob oder wie viel Nahrung dabei verabreicht wurde.

Um das Essverhalten eines Menschen in Zukunft wie mit einem einfachen Hungerschalter ein und ausstellen zu können, müssen nun weitere, für die Nahrungsaufnahme entscheidende Gehirnbereiche in die Laserbehandlung mit einbezogen werden – wie z.B. emotionale Reize.

 

5 Tipps, wie Sie ihren Appetit austricksen

Nicht nur die vielversprechende Laserbehandlung kann den Appetit zügeln. Jeder kann mithilfe einfacher Tricks das eigene Hungergefühl kontrollieren. Praxisvita verrät Ihnen wie das geht.

 

Der Gabel-Trick

Forscher der Universität von Utah in Salt Lake City haben in einer Studie herausgefunden, dass Besteck unser Essverhalten mehr beeinflusst als bisher gedacht. Produkte aus Edelstahl oder Silber sorgen dafür, dass wir bedachter, langsamer und mit mehr Genuss essen. Den größten Einfluss auf die Speisemenge hat die Gabel. Sie sollte möglichst groß, lang und elegant geformt sein sowie idealerweise nur zwei oder drei Zacken haben. Eine große Gabel vermittel dabei das Gefühl von einem großer Bissen. Je größer doie Gabel, desto schneller fühlt man sich satt. Tipp: Schauen Sie in Großmutters Besteckkasten, dort finden Sie sicher eine große, silberne schlanke Gabel

 

Bewegung vor dem Frühstück

Bewegen Sie sich noch vor dem Frühstück für mindestens 30 Minuten. Auf diese Weise ausgeschüttete Endorphine bremsen den Heißhunger für sieben Stunden. Wer auf leeren Magen Sport treibt, reduziert das Kernfett, weil die Kohlehydratspeicher bereits leer sind. Tipp: Nach dem Sport ein eiweißreiches Frühstück, etwa Quark mit Leinöl oder Rührei mit Vollkorn. Hält satt bis zum Mittag und hilft beim Muskelaufbau.

 

Scharf essen

Würzen Sie ihr Essen scharf – am besten mit Chili, Pfeffer oder Fischsoße. Das hilft Stoffwechsel anzukurbeln, führt zu erhöhter Fettverbrennung. Von z.B. im Chili enthaltenen Capsaicin ist bekannt, dass es die Körpertemperatur kurzfristig erhöht, die Durchblutung fördert und auch zu vermehrtem Schwitzen führen kann. Zum anderen essen wir automatisch langsamer, wenn das Essen scharf ist. Und dadurch merken wir früher, dass wir satt sind und essen nicht mehr so viel. Außerdem kommt hinzu, dass beim Genuss scharfer Speisen Endorphine (Glückshormone) ausgeschüttet werden, die zu guter Laune führen - was gegen "Frustessen" helfen kann.

 

Vorspeisen bremsen Appetit

Essen Sie vor den Mahlzeiten eine leichte Vorspeise, wie z.B. einen Gurkensalat oder ein Stück Wassermelone. Die vor der Hauptmahlzeit eingenommene Vorspeise sollte auf jeden Fall kalorienarm sein, einen hohen Wassergehalt besitzen und sättigend sein. Die Folge: Hauptgerichte fallen durch das Vorsättigungsgefühl kleiner aus. Im Schnitt spart man so über zehn Prozent der Kalorien, die normaler Weise nötig gewesen wären, um satt zu werden.

 

Gerüche vertreiben

Zähne putzen nach dem Essen vertreibt die Lust auf Süßes. Kaugummikauen hat einen ähnlichen Effekt. Der Grund ist genauso banal wie wirkungsvoll: Die Minze in der Zahnpasta oder im Kaugummi neutralisiert die appetitanregende Gerüche von Essen.

Hamburg, 28. Juli 2014

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