Antibiotikaresistente Bakterien: Jedes zweite Kind betroffen

Kind krank
Eine häufige Antibiotika-Einnahme begünstigt Resistenzbildungen bei Kindern © fotolia

Nehmen Kinder häufiger Antibiotika ein, entwickeln sich auch häufiger resistente Keime. Das hat weitreichende Folgen.

Kinder erkranken häufig an Bronchitis, Mittelohrentzündung oder Harnwegsinfekten. Ein möglicher Grund dafür sind Bakterien, wie zum Beispiel Escherichia coli, die Entzündungen auslösen können. Dagegen verschreiben Ärzte in erster Linie Antibiotika. Im Rahmen einer Studie untersuchten die britischen Forscher den Zusammenhang zwischen der Antibiotika-Einnahme bei Kindern und einer späteren Resistenzbildung bei Harnwegsinfekten durch E.coli.

 

Bei der Hälfte der erkrankten Kinder zeigen sich resistente Keime nach der Antibiotika-Einnahme

Die Forscher untersuchten  58 weltweit durchgeführte Studien und verglichen die Ergebnisse aus Staaten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; wie USA, Deutschland und Spanien) mit denen aus Nicht-OECD Staaten (Brasilien und Thailand). Rund 80.000 Urinproben von Kindern mit Harnwegsinfekten wurden untersucht. Bei jedem zweiten Kind, das bis zu sechs Monate zuvor mit Antibiotika behandelt wurde, wurden gegen das Antibiotikum Ampicillin resistente Escherichia coli Erreger isoliert.

Bei einem Viertel der Kinder fanden die Forscher Keime, die gegen Trimethoprim resistent waren und bei einem Zehntel Resistenzen gegen Co-Amoxiclav. Alle drei Antibiotika sind gängige Medikamente gegen bakterielle Infektionen.

Um rund ein Drittel höher lagen die Werte aus Proben von Nicht – OECD Staaten. Den Grund sehen Forscher darin, dass in Nicht-OECD Staaten Antibiotika meist ohne Rezept gekauft werden können, was eine schnellere und häufigere Anwendung begünstigt. Je häufiger Bakterien einem schädigenden Wirkstoff ausgesetzt werden, desto höher ist ihr Überlebensdruck und in weiterer Folge ihre Anpassung. Bei Kindern konnten die Forscher Resistenzen bis zu sechs Monaten nach der Einnahme nachweisen.

„Immer mehr Bakterien reagieren nur noch auf wenige Antibiotika. Das hat auch damit zu tun, dass Antibiotika nicht immer sinnvoll und oft vorschnell eingesetzt werden – zum Beispiel bei einem Virus-Infekt“, sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess.  Bei Viren sei der Einsatz der Antibiotika wirkungslos meint sie und rät zu einem bewussten Umgang mit diesen Medikamenten. Dr. Hess empfiehlt ein klärendes Gespräch mit dem Kinderarzt. „Es gibt Situationen, da sind Antibiotika unverzichtbar und ein zögerlicher Einsatz verschlimmert den Infekt nur. Nichtsdestotrotz muss nicht jede bakterielle Erkrankung antibiotisch behandelt werden. Viele Infekte kann der Körper auch alleine überwinden. Bloß weil Bakterien nachweisbar sind, ist nicht zwangsläufig eine Behandlung indiziert.“

Dass auch nicht antibiotische Therapiemaßnahmen bei  Harnwegsinfekten in Betracht herangezogen werden sollten, zeigt eine Studie deutscher Wissenschaftler. Sie untersuchten 494 Frauen im Alter von 18-65 Jahren, die unter einem akuten Harnwegsinfekt litten, ansonsten aber gesund waren. Die Frauen wurden per Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Der einen verabreichten die Forscher das Schmerzmittel Ibuprofen und der anderen Antibiotika.

Das Ergebnis: Rund zwei Drittel der Frauen im Ibuprofen-Arm wurde ohne Antibiotika und nur mit Schmerzmitteln wieder gesund. „Für sonst gesunde Frauen mit leichten bis mittelschweren Symptomen ist die symptomatische Behandlung häufig ausreichend und das Risiko von Komplikationen gering“, sagt Dr. Jutta Bleidorn von der Medizinischen Hochschule Hannover, die ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Bei einer Blasenentzündung können Hausmittel die Beschwerden schnell lindern. Kündigt sich ein Harnwegsinfekt an, ist es ratsam bis zu drei Liter über den Tag verteilt zu trinken. Empfehlenswert ist es alle 20 Minuten ein großes Glas Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Am besten eignet sich Wasser aber auch Tee aus Goldrute, der harntreibend wirkt oder Cranberry-Saft (rein oder in verdünnter Form), der keimtötende Substanzen enthält. Weitere Hausmittel finden Sie in unserer Bildergalerie.

Hamburg, 17. März 2016

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