Antibiotika und Sport: Verträgt sich das?

Darf man mit Antibiotika Sport machen? Bei welchen Arzneien wir vorsichtig sein sollten und wann Bewegung genauso effektiv wirkt wie Tabletten.

Vor dem Joggen noch schnell ein Schmerzmittel schlucken, damit uns das Kopfweh nicht ausbremst? Keine gute Idee. Wir sollten uns entscheiden: Tablette oder Training! Denn Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac und Aspirin werden über die Niere abgebaut. „Machen wir Sport, werden vorrangig die Muskeln mit Blut versorgt, Nieren und der Magen-Darm-Trakt dafür weniger durchblutet“, erklärt der Sportmediziner Professor Alexander Rondeck.

„Beim Schwitzen verlieren wir Flüssigkeit, wodurch die Konzentration des Wirkstoffs in den Organen steigt.“ Eine Studie zeigt: Ausdauer-Athleten, die vor einem Marathon Schmerzmittel einnehmen, haben ein bis zu sechsfach erhöhtes Risiko, Übelkeit, Erbrechen oder Kreislauf- bis hin zum Nierenversagen zu erleiden. Problematisch ist auch der Versuch, Gelenk- und Muskelschmerzen vor dem Lauf mit Medikamenten zu betäuben – denn der Schmerz zeigt ja an, dass der Körper eine Pause braucht!

Sport unterstützt den Heilungsprozess
Bei den meisten Krankheiten unterstützt Sport den Heilungsprozess© istock
 

Antibiotika und Sport: Herz in Not

Noch riskanter ist Sport, wenn wir gerade Grippemittel einnehmen. Die Wirkstoffkombinationen aus ASS, Paracetamol, Koffein & Co. kaschieren typische Symptome oft so gut, dass man sich fitter fühlt, als man ist. Prompt fangen wir zu früh wieder mit dem Training an – und können uns so eine Herzmuskelentzündung einhandeln: „Keime setzen sich an den Herzklappen fest, das Organ entzündet sich. Folge kann eine Herzschwäche sein“, warnt der Experte. Eine 25-Jährige kann so auf einmal die Herzleistung einer 60-Jährigen haben – und das ist zum Teil unumkehrbar.

Woran sich die Entzündung erkennen lässt? Wenn wir auf einmal schneller als sonst aus der Puste geraten. Bei der Kombi Antibiotika und Sport kann sich der Herzmuskel ebenfalls entzünden, weshalb der Experte rät: „Frühestens drei Tage nach der letzten Antibiotika-Einnahme sollten wir langsam wieder mit dem Sport beginnen.“ Wer zuvor 45 Minuten gejoggt hat, der startet zwei Mal mit nur 15 Minuten und macht dann zwei Mal mit 30 Minuten weiter. Wenn diese Steigerung keine Probleme macht, darf man das Training wieder auf 45 Minuten ausdehnen.

 

Ausdauer statt Asthma

Es gibt aber auch Medikamente, die Sport erst möglich machen: Asthma-Patienten nehmen Kortison-Tabletten ein oder benutzen vor dem Training ein Spray. „Zusätzlich sollten wir ein Belastungs-EKG beim Arzt machen.“ So können wir besser einschätzen, wie stark die Lunge belastbar ist. Apropos belastbar: Langfristig schützt körperliche Aktivität vor Asthma-Anfällen! Der Grund: Auch für die Atmung sind Muskeln zuständig.

Prof. Rondeck: „Regelmäßiges Training steigert die Sauerstoffaufnahme, die Atmung wird tiefer.“ Und eine starke Lunge reagiert nicht so empfindlich auf Reize. Wichtig zum Beispiel im Winter – weil auch Kälte Asthma-Anfälle auslösen kann: „Die Bronchien werden durch die kalte Luft gereizt und verengen sich.“

Sport und Herzmuskelentzündung
Wer Antibiotika einnimmt, sollte lieber nicht trainieren! In der Kombination von Antibiotika und Sport kann es zu einer Herzmuskelentzündung kommen © istock
 

Alles im Fluss

„Nehmen wir sogenannte Diuretika gegen hohen Blutdruck ein, kann der Blutdruck während des Sports schnell abfallen“, warnt der Experte. Der Grund: Diese Medikamente haben eine entwässernde Wirkung. Um den zusätzlichen Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen beim Sport auszugleichen, sollte man genügend trinken. Betablocker wiederum verlangsamen den Herzschlag. Weil dadurch der Herzfrequenz ein Limit gesetzt ist, eignet sich hier sanfter Ausdauersport.

Prinzipiell gilt: Sport senkt auf Dauer den Blutdruck und sollte deswegen immer Teil der Therapie sein! Ähnlich bei Diabetes: Bewegung bringt den Zuckerspiegel nachhaltig ins Lot, wenn wir uns an die Vorgaben unseres Arztes halten. „Diabetiker müssen gegebenenfalls ihre Medikamenten- und Insulin-Dosis reduzieren, bevor sie Sport machen, damit sie nicht unterzuckern.“ Sonst drohen Gleichgewichtsstörungen, Schwindel oder sogar Bewusstlosigkeit.

Schwitzen beim Sport
Wer 3–5 Mal pro Woche ins Schwitzen kommt, kann das Krebsrisiko um 20–30 Prozent senken© istock
 

Sport statt Pillen

Doch nicht nur Asthma, Diabetes und Bluthochdruck können wir mit Sport erfolgreich bekämpfen, auch gegen zahlreiche andere Erkrankungen wirkt er oft so effektiv wie Medikamente. Zum Beispiel gegen Depressionen: Das Gehirn produziert bei körperlicher Aktivität ein natürliches Antidepressivum. Ein positiver Effekt, der für jeden spürbar ist: Nach dem Training fühlen wir uns frisch und wie neugeboren. Und da Sport ja langfristig den Blutdruck senkt, reduziert sich damit auch unser Stresslevel. Das macht nicht nur entspannter, sondern hilft auch, Schlafstörungen und Migräne-Attacken vorzubeugen.

Figurfeind Medikament

Trotz Sport nehmen wir zu – oder zumindest nicht ab? An diesen Arzneien könnte es liegen:

Schilddrüsen-Medikamente

Eine Schilddrüsenunterfunktion geht meist mit einer Gewichtszunahme einher, da der gesamte Stoffwechsel verlangsamt ist. Wurde die Krankheit noch nicht erkannt, zeigt die Waage schnell ein paar Kilo mehr an. Auch wenn wir bereits Hormone einnehmen, kann es einige Monate dauern, bis die individuell richtige Dosierung gefunden ist. Meist pendelt sich das Gewicht dann wieder ein.

Psychopharmaka

Nehmen wir Antidepressiva, kehrt mit der besseren Stimmung auch der Appetit zurück. Einige Wirkstoffe führen außerdem zu Mundtrockenheit, viele nehmen deswegen mehr Flüssigkeit auf – auch süße Getränke. Wer sich bewusst dafür entscheidet, nur ungesüßt zu trinken und gesund zu essen, kann unschöne Nebenwirkungen auf der Waage vermeiden.

Beta-Blocker

Medikamente gegen Bluthochdruck senken den Energiestoffwechsel und damit auch die Fettverbrennung. Außerdem machen sie müde. Folge: Wir bewegen uns weniger. Da Absetzen meist keine Option ist, sollte man sich gesund ernähren – und regelmäßig sporteln.

Diabetes-Medikamente

Bei unbehandeltem Diabetes wird Zucker über den Urin ausgeschieden, wenn die Blutzuckerwerte einen bestimmten Grad erreichen. Nehmen wir Insulin und Präparate gegen die Erkrankung ein, normalisiert sich der Blutzuckerspiegel, die Kalorien bleiben dem Organismus erhalten. Um trotzdem nicht zuzunehmen, sollten wir gesund und maßvoll essen.

Tabletten senken die Fettverbrennung
Tabletten senken die Fettverbrennung© istock

Kortison

Ist das Medikament wirklich ein Dickmacher? Leider ja, denn die Einnahme führt zu Wassereinlagerungen in Beinen, Nacken und Gesicht (nicht als Spray!). Reduzieren wir das Kortison langsam, normalisiert sich aber in der Regel auch das Gewicht wieder.

Migräne-Mittel

Wer häufig Medikamente gegen Kopfschmerzattacken einnimmt, kann dadurch zunehmen. Denn gegen Migräne werden oft Betablocker verschrieben.

Pille

Die Östrogene in Anti-Baby-Pillen können appetitanregend wirken und zu einer Gewichtszunahme führen. Gerade bei höher dosierten Pillen der älteren Generation ist das der Fall. Die Nebenwirkung kann aber auch bei einem neueren Präparat auftreten. Dann sollten wir zu einem anderen wechseln.

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