Anti-Alzheimer-Medikament bald im Trinkwasser?

Nervenzellen
Bei Alzheimer-Patienten ist die Signalübertragung der Nervenzellen gestört © Fotolia

Südkoreanische Wissenschaftler haben einen Stoff entdeckt, der die für Alzheimer typischen Proteinablagerungen bei Mäusen beseitigt – und die geistige Leistungsfähigkeit der Tiere deutlich verbessert.

Bei Alzheimer-Patienten finden sich schon im frühen Stadium typische Ablagerungen im Gehirn. Dabei handelt es sich um Amyloid – ein Proteinkomplex, der die Verbindungswege zwischen den Nervenzellen versperrt und die Kommunikation der Zellen untereinander stört. Die Folge: das vermehrte Absterben von Nervenzellen.

Wissenschaftler des Korea Institute of Science and Technology (KIST) in Seoul untersuchten in ihrer aktuellen Studie, ob ein Molekül namens EPPS dabei helfen kann, diese Proteinablagerungen zu beseitigen und so das Fortschreiten der Krankheit zu stoppen.

In zahlreichen Versuchen stellten sie fest, dass EPPS bei Mäusen die Amyloid-Proteine „auflösen“ kann, indem es sie in kleinere Moleküle herunterbricht. Zudem verhinderte es die Bildung neuer Ablagerungen bei den Tieren.

 

Molekül überwindet Blut-Hirnschranke

Das funktionierte auch, wenn die Mäuse EPPS über ihr Trinkwasser aufnahmen. Der Stoff wanderte über den Darm ins Blut und erreichte von dort aus das Gehirn. Das ist nicht selbstverständlich – denn nur wenige Stoffe können die sogenannte Blut-Hirn-Schranke durchdringen, die das Gehirn vor Giftstoffen schützt. Die Studienleiter vermuten, dass EPPS die Schranke überwinden kann, weil es ein sehr kleines Molekül ist.

Doch was bringt die Auflösung der Proteinablagerungen im Gehirn? Tatsächlich hatte sie eine deutliche Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit der Mäuse zur Folge.

Die Wissenschaftler betonen, dass bis zu einer möglichen Zulassung des Medikaments für Menschen noch ein weiter Weg zu gehen ist. Zunächst müssen Tests zeigen, ob das Molekül beim Menschen die gleiche Wirkung hat.

 

Anti-Alzheimer-Medikament im Trinkwasser?

Da das EPPS über das Trinkwasser aufgenommen werden kann, könnte man es mit dem Molekül versetzen und so theoretisch flächendeckend gegen Alzheimer vorbeugen.  

Hamburg, 9. Dezember 2015

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