Ansteckend nach Grippeimpfung?

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Grippeimpfung
Laut einer Studie atmet ein gegen Grippe geimpfter Mensch deutlich mehr Erreger aus als jemand, der nicht geimpft ist © Wavebreakmedia/iStock

Wer sich vor einer Grippe schützen möchte, lässt sich meist impfen. Doch für das persönliche Umfeld könnte das Folgen haben: Laut einer neuen Studie ist die Zahl der Grippeerreger, die nach einer Impfung ausgeatmet werden, um mehr als das sechsfache erhöht.

Die Grippezeit ist da und noch immer lassen sich viele Menschen vorsorglich gegen die gefährliche Influenza impfen. Doch der Schutz, den sie selbst dadurch erlangen, könnte für nicht-geimpfte Personen zur Gefahr werden: Laut einer neuen US-Studie, die in der Proceedings of the National Academy of Science (PNAS) erschienen ist, ist die Konzentration von Grippeerregern, die nach einer Impfung ausgeatmet werden, um das 6,3fache erhöht.

 

Wenn der Geimpfte zur Virenschleuder wird

Für die Studie wurden 355 Probanden untersucht, von denen 178 grippeähnliche Symptome wie Husten und Schnupfen zeigten. Dabei stellte sich heraus, dass die Personen, die zuvor eine Grippeimpfung erhalten hatten, deutlich mehr Erreger über die Atemluft abgaben als die Personen, die nicht geimpft waren. Die Ergebnisse seien laut den Studienautoren auch deshalb so interessant, weil als mögliche Ansteckungswege bisher vor allem Husten und Niesen im Vordergrund standen. Dass auch die bloße Atemluft eine so große Rolle spielt, kam für die Forscher überraschend.

 

Sollte ich auf die Impfung verzichten?

Dennoch sollten gerade Risikogruppen wie Schwangere oder ältere Menschen das Studienergebnis nicht zum Anlass nehmen, um künftig auf eine Grippeimpfung zu verzichten – schließlich kann eine Erkrankung im schlimmsten Fall für sie sogar lebensbedrohlich verlaufen. Aber es ist ratsam, den Zeitpunkt der Impfung mehr zu timen: Wenn Sie beispielsweise als Angestellter in einem Großraumbüro arbeiten müssen, kann es sinnvoll sein, die Impfung erst gegen Abend vornehmen zu lassen und sich dann zuhause zurückzuziehen, um das Risiko einer Ansteckung zu mindern.

 

Was, wenn es mich erwischt hat?

Bei Risikogruppen können Ärzte Medikamente zur Behandlung der Grippe verschreiben, ansonsten werden eher die Symptome wie Husten und Schnupfen behandelt. In erster Linie ist es wichtig, sich zuhause auszukurieren und möglichst wenig Kontakt mit anderen Menschen zu haben. In der Regel ist die Erkrankung dann nach etwa fünf bis sieben Tagen überstanden.

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