Anhedonie: Wenn fehlende Freude krankhaft wird

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Menschen mit einer Anhedonie können Vergnügen, Lust und Freude nur eingeschränkt empfinden. Meist steckt eine psychische Erkrankung dahinter. Anhedonie kann aber auch organische Ursachen haben.

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Inhalt
  1. Anhedonie: Definition und Bedeutung
  2. Anhedonie: Das sind die Symptome
  3. Welche Ursachen stecken hinter einer Anhedonie?
  4. Gibt es gegen die Anhedonie eine wirksame Behandlung?
 

Anhedonie: Definition und Bedeutung

Die Bezeichnung “Anhedonie” kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „keine Lust“. Wer darunter leidet, kann über lange Zeiträume hinweg weder Freude noch Vergnügen oder Lust im Alltag empfinden. Während kurze Phasen der Freud- und Lustlosigkeit normal sein können und noch keinen Anlass zu Sorge bieten, können lang anhaltende Phasen auf eine Anhedonie hindeuten.

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Anhedonie: Das sind die Symptome

Eine Anhedonie zeichnet sich dadurch aus, dass Betroffene über einen langen Zeitraum hinweg kein Interesse an den meisten Dingen ihres täglichen Lebens haben. Typisch ist, dass Freude oder Lust verloren gehen. Die Anzahl und Qualität freudiger, positiver Reaktionen und Momente ist deutlich verringert oder gänzlich verschwunden. Außerdem beschreiben Patienten, dass sie sich aufgrund der teilweisen Gefühllosigkeit eingeschränkt fühlen. Das kann im beruflichen Bereich oder im Privatleben, etwa in Beziehungen, der Fall sein.

 

Welche Ursachen stecken hinter einer Anhedonie?

Eine Anhedonie kann bei einer Depression oder einer depressiven Verstimmung auftreten. Im Gespräch mit einem Patienten wird der Psychiater oder Psychotherapeut nach unterschiedlichen Beschwerden fragen. So deuten neben der Anhedonie selbst vor allem Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Antriebsschwäche, Appetitlosigkeit oder Konzentrationsstörungen auf depressive Episoden hin.

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Die Schizoide Persönlichkeitsstörung ist eine weitere mögliche Ursache der Anhedonie. Betroffene Patienten ziehen sich zunehmend von ihren Freunden und Verwandten zurück. Sie vermeiden emotionale zwischenmenschliche Kontakte.

Die schizoide Persönlichkeitsstörungen darf nicht mit der Schizophrenie verwechselt werden. Sie ist eine schwere psychische Erkrankung, die unter anderem mit Realitätsverlust und Wahnvorstellungen sowie Denk-, Sprach- sowie Gefühlsstörungen einhergeht.

Nicht zuletzt können Beschwerden, die auf eine Anhedonie hindeuten, rein körperliche Ursachen wie eine Schilddrüsenunterfunktion, einen Eisenmangel oder einen Vitaminmangel haben. Im Zuge der Diagnostik sollte deshalb das Blut untersucht werden.

 

Gibt es gegen die Anhedonie eine wirksame Behandlung?

Bei einer Anhedonie orientiert sich die Therapie immer an den jeweiligen Ursachen. Handelt es sich um körperliche Funktionsstörungen, etwa eine Schilddrüsenerkrankung, so wird der Arzt diese vorrangig behandeln.

Geht eine Anhedonie jedoch auf psychische Erkrankungen zurück, so sind der Psychiater beziehungsweise der Psychotherapeut gefragt. Aus eigener Kraft kann es nur selten gelingen, die Beschwerden in den Griff zu bekommen. Depressive Episoden lassen sich mit Psychotherapien und mit Antidepressiva wirksam behandeln. Die Patienten erlernen zudem Bewältigungsstrategien, die ihnen dabei helfen, die Phasen der Anhedonie besser zu bewältigen und erneuten Episoden vorzubeugen.

Foto: iStock
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Quellen:

Rainer Maderthaner (2017): Psychologie, Stuttgart: UTB-Taschenbücher

Unipolare Depression, in: AWMF online, awmf.org

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