Angst vorm Zahnarzt: Wie sie Betroffene überwinden können

Daphne Sekertzi

Schätzungen zufolge hat in Deutschland jeder Zehnte Angst vorm Zahnarzt. Betroffene können selbst harmlose Kontrolluntersuchungen nur unter größter Anspannung überstehen. Die Angst kann aber auch so stark sein, dass der Zahnarzt über Jahre komplett gemieden wird. Welche Ursachen hat die Angst und was können Betroffene tun?

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Inhalt
  1. Panische Angst vorm Zahnarzt: Traumatische Erfahrungen
  2. Angst vor dem Zahnarzt äußert sich durch körperliche Symptome
  3. Schlechte Zähne können Angst vorm Zahnarzt verstärken
  4. Angst vorm Zahnarzt – was tun? 5 Tipps für Betroffene
  5. Angst vom Zahnarzt: Beruhigungs- und Betäubungsmittel als Hilfe

Mindestens einmal im Jahr steht der Zahnarztbesuch bevor. So sollte es zumindest sein. Doch manche Menschen können sich nicht dazu überwinden – sie leiden unter einer Dentalphobie, der Angst vor dem Zahnarzt. Sie lassen Termin um Termin verstreichen oder entschließen sich dazu, gar nicht mehr zur Zahnärztin zu gehen. Es gibt jedoch Wege und Möglichkeiten, die Angst zu überwinden.

 

Panische Angst vorm Zahnarzt: Traumatische Erfahrungen

Die Dontophobie gründet meist auf zwei Ängsten: Die Angst vor Schmerzen und die Angst vor dem Zähne ziehen. Bei einer Phobie klaffen die Vorstellung der Angst-besetzten Situation und die Realität weit auseinander. Im Falle der Zahnarztphobie verschwimmt diese Grenze jedoch.

Bis in die 1980er hinein erhielten Kinder vor einer zahnmedizinischen Behandlung keine Lokalnarkose, sodass die Schmerzen einfach ertragen werden mussten. Zudem wurden Zähne früher öfter gezogen, da weniger Behandlungsmethoden zur Verfügung standen. Das hat bei Menschen älterer Generationen das Bild des Zahnarztes als Stümper verfestigt, der mit Bohrer, Spritzen und Feilen bewaffnet seinen Patient:innen Schmerzen zufügen möchte.

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Traumatische Erfahrungen beim Zahnarzt kann aber auch bei jüngeren Betroffenen die Ursache für die Angst darstellen. Daneben fördern Geschichten von anderen Menschen, die von schiefgelaufenen Behandlungen und Höllenschmerzen berichten, die Dontophobie. Haben hingegen Kinder Angst vor dem Zahnarzt, kann dies schlichtweg erlerntes Verhalten ihrer Eltern sein.

 

Angst vor dem Zahnarzt äußert sich durch körperliche Symptome

Vermeidungsverhalten ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass jemand Angst vor dem Zahnarzt hat. Entweder werden Termine immer wieder verschoben oder sie werden gar nicht erst vereinbart. Viele Menschen sind sich ihrer Angst nicht bewusst, weil sie die typischen Angstsymptome nicht als solche wahrnehmen oder sie verdrängen. In der Regel haben Betroffene jedoch ein Problembewusstsein – nämlich dann, wenn der Zahnarztbesuch trotz großer Schmerzen und Beschwerden unmöglich erscheint.

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Die Angst vor dem Zahnarzt äußert sich zudem je nach Schwere durch verschiedene körperliche Symptome:

  • Beklemmungsgefühle
  • Schweißausbrüche und feuchte Hände
  • Herzrasen
  • Zittern
  • Muskelverspannungen
  • Mundtrockenheit
  • Häufiger Harndrang
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Übelkeit
  • Schwindel und Benommenheit
  • Gefühl, der Situation völlig ausgeliefert zu sein
  • Panikattacken
 

Schlechte Zähne können Angst vorm Zahnarzt verstärken

Die Angst vorm Zahnarzt bleibt meist nicht ohne Folgen: Karies, Entzündungen und andere Erkrankungen können nicht frühzeitig behandelt werden, wenn der Zahnarzt über Jahre gemieden wird. Dadurch entstehen meist irreversible Schäden an Zähnen und Zahnfleisch. Für Betroffene stellt dies ein weiterer Grund dar, sich keiner Behandlung zu unterziehen.

Die Überzeugung, völlig verfaulte Zähne zu haben, lässt die Angst vorm Zahnarzt nur noch größer werden. Zu groß ist die Scham vor dem gefürchteten urteilenden Blick des Arztes. In der Folge entsteht ein Teufelskreis. Doch es gibt viele Wege, um ihn zu durchbrechen.

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Angst vorm Zahnarzt – was tun? 5 Tipps für Betroffene

Betroffenen kann es bereits helfen, sich vor Augen zu führen, dass keine Behandlung ohne ihr Einverständnis durchgeführt werden kann. Der Zahnarzt wird Sie selbst bei notwendigen Behandlungen zu nichts zwingen, sondern Ihnen lediglich Therapievorschläge machen.  

Darüber hinaus können folgende Tipps dabei helfen, die Angst vorm Zahnarzt zu bewältigen:

  1. Der erste Schritt ist der schwierigste – einen Termin zu vereinbaren. Bitten Sie eine Vertrauensperson darum, dies für sie zu übernehmen. Die Vertrauensperson kann Sie auch als seelische Unterstützung zu Ihrem ersten Termin begleiten.
  2. Klären Sie das Praxisteam direkt bei der Terminvereinbarung über Ihre Angst auf, damit sich der behandelnde Arzt oder die Ärztin auf Sie einstellen kann.
  3. Suchen Sie eine Zahnarztpraxis auf, die im Umgang mit Angstpatienten geschult oder darauf spezialisiert ist. Sie bekommen dort einen kurzfristigen Termin und werden umfassend beraten.
  4. Entspannungstechniken wie Meditation, autogenes Training oder Yoga können die Schwere der Angstsymptome reduzieren.
  5. Die zuverlässigste und effektivste Methode, die Angst vor dem Zahnarzt zu überwinden, ist eine kognitive Verhaltenstherapie. Meist reichen dafür bereits einige wenige Sitzungen.

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Angst vom Zahnarzt: Beruhigungs- und Betäubungsmittel als Hilfe

Heutzutage muss niemand mehr Schmerzen beim Zahnarzt fürchten. Bei kleineren Eingriffen wird mittels einer Lokalanästhesie die zu behandelnde Stelle so betäubt, dass der/die Patient:in keine Schmerzen empfindet. Ein bei Zahnärzten häufig eingesetztes Betäubungsmittel ist Lachgas: Es dämpft das Schmerzempfinden, reduziert den Würgereiz und löst Wohlempfinden aus.

In schweren Fällen bieten viele Arztpraxen für umfangreichere Sanierungen der Zähne zwar eine Betäubung mittels Vollnarkose an. Jedoch sollte diese Methode das letzte Mittel der Wahl sein, da sie den Körper belastet und immer ein Risiko darstellt. Darüber hinaus trägt eine derartige Betäubungsmethode nicht dazu bei, die Angst zu überwinden.

Eine Zwischenform der Betäubung stellt die sogenannte Analgosedierung dar. Dabei handelt es sich um ein leichtes Beruhigungsmittel, das die Patient:innen in einen Dämmerschlaf versetzt und das Schmerzempfinden ausschaltet. Trotzdem behalten die Patient:innen – im Gegensatz zur Vollnarkose – die Kontrolle.

Vor einer Behandlung können zudem natürliche Beruhigungsmittel wie Lavendel, Baldrian und Hopfen die Angst vor dem Zahnarzt reduzieren.

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