Angst vorm Autofahren überwinden: So habe ich es geschafft

Unter einer Angst vor dem Autofahren, im Fachjargon: Amaxophobie, leiden viele Menschen – nicht nur Fahranfänger und Fahranfängerinnen. Es gibt auch Menschen, die trotz langjährigem Führerschein plötzlich Angst vorm Autofahren entwickeln oder in bestimmten Situationen wie in der Stadt oder im Winter bei Schnee regelrechte Panikattacken beim Autofahren bekommen. Da Unsicherheiten im Straßenverkehr eine Unfallgefahr darstellen können, ist es um so wichtiger, unsere Angst vorm Autofahren zu überwinden, wenn wir uns ans Steuer setzen. Dies sind meine Erfahrungen, wie ich es geschafft habe.

Eine Frau fährt Auto.
Angst vorm Autofahren kommt häufiger vor als viele denken. Foto: iStock / Motortion

Vorweg: Meiner Ansicht nach muss niemand einen Führerschein machen. Wer es schafft, seinen Alltag ohne Auto zu bestreiten, ist aus ökologischer Sicht natürlich auf der richtigen Seite. Mir geht es lediglich darum, Menschen, die auf das Auto angewiesen sind – ob in Ausnahmefällen oder regelmäßig – aufzuzeigen, dass es möglich ist, seine Angst vorm Autofahren zu überwinden.

Ursachen der Fahrangst

Die sogenannte Amaxophobie ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, die Betroffene in ihrer Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Die Ursache dieser Fahrangst muss nicht zwingend ein erlebter Unfall sein. Auch fehlende Fahrpraxis, grundsätzlicher Stress oder ein anderes traumatisches Erlebnis, das sich in der Angst vorm Autofahren manifestiert, können Auslöser sein.

Bei Betroffenen kann sich die Angst auch immer mehr steigern: War es zunächst nur die Angst vor Autobahnfahrten, kommen dann vielleicht noch Tunnel und Brücken als angstauslösende Hindernisse hinzu, die es zu vermeiden gilt. Das Resultat: Die Betroffenen werden immer gefangener in ihren Ängsten, planen umständliche Routen, um beispielsweise Tunnel zu meiden, und setzen sich irgendwann gar nicht mehr hinters Steuer.

Ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin eine Betroffene. Ich habe Angst vor dem Autofahren trotz Führerschein. Meine Erfahrungen und Strategien möchte ich daher teilen.

Angst vorm Autofahren als Fahranfängerin

Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen. Im Gegensatz zu den Großstadtkindern, die aufgrund des gut ausgebauten Netzes an öffentlichen Verkehrsmitteln oft – völlig zurecht - keine Notwendigkeit sehen, einen Führerschein zu machen, war es bei mir keine Frage, dass ich einen Führerschein machen werde. Doch ich hatte schon immer großen Respekt vorm Autofahren und so absolvierte ich mit absoluter Panik vorm Autofahren meine erste Fahrstunde und es wurde zunächst auch nicht besser. Nach etlichen Fahrstunden schaffte ich es trotz meiner ständigen Fahrangst die Fahrprüfung zu bestehen. Puh, ich hatte es endlich hinter mich gebracht – und das war es dann auch erstmal.

Angst vorm Autofahren: die Vermeidungsstrategie

Kurz nachdem ich die Fahrprüfung absolviert hatte, zog ich in die Großstadt und da brauchte ich ja kein Auto. Ich musste mich mit meiner Angst vor dem Autofahren als Fahranfängerin also erst einmal nicht mehr regelmäßig auseinandersetzen – und genau das war das Problem. Mir mangelte es nach dem Erwerb des Führerscheins an regelmäßiger Fahrpraxis. Nur in Ausnahmefällen, wenn ich das Auto meiner Mutter geliehen hatte, saß ich am Steuer.

Angst vorm Autofahren in der Stadt und auf unbekannten Straßen

Die Angst vorm Autofahren war in der Stadt natürlich besonders groß. Auch eine Urlaubsreise nach Südfrankreich, bei der ich die Strecke komplett fahren musste, weil mein damaliger Freund (Großstadtkind) keinen Führerschein hatte, war ein absolutes Desaster. Die Kombination aus mir unbekannten Straßen und der damaligen Nichtexistenz eines Navigationssystems sowie der ständigen Panik vor Unfällen mit LKW manifestierte meine Angst vor dem Autofahren mehr und mehr.

Panikattacken beim Autofahren

Besondere Angst hatte ich vor Tunneln und Brücken. Musste ich mit dem Auto durch einen Tunnel fahren oder eine Brücke überqueren, bekam ich regelrechte Panikattacken beim Autofahren mit Schweißausbrüchen und Herzrasen. Autofahren war bei mir demnach mit einer erheblichen psychischen Belastung verbunden.

Angst vorm Autofahren überwinden: Der simpelste und schwerste Tipp

Vor etwa fünf Jahren hat meine Mutter mir ihr altes Auto geschenkt. Das Auto stand also plötzlich immer vor der Tür und so wagte ich mich auch mehr und mehr hinters Steuer. Und tatsächlich ist das auch mein wichtigster Tipp, um die Angst vorm Autofahren zu überwinden, auch wenn es der schwierigste ist: Übernehmen Sie selbst immer wieder das Steuer, anstatt als Beifahrer:in die Angst auslösende Situation zu vermeiden. Wenn Sie wieder regelmäßig fahren, werden Sie entsprechend immer routinierter und Sie verlieren immer mehr die Angst vorm Autofahren.

Diese Strategie ist ein wichtiges Tool aus der Verhaltenstherapie. In diesen sogenannten Expositionen begeben sich Betroffene in Situationen, die ihnen Angst bereiten und sogar Panik auslösen können, um zu lernen, dass die Angst nicht beständig ist, sondern nach einer gewissen Zeit abflacht.

Das hat bei mir tatsächlich funktioniert: Wenn ich zu meiner Mutter fuhr, musste ich immer wieder über eine große Brücke. Es nützte nichts. Es gab nur diesen Weg. Hatte ich bei den ersten Malen noch Panikattacken, während ich die Brücke überquerte, wurde es nach und nach immer besser.

Fahrangst mithilfe der Technik überwinden

Ein weiterer Aspekt, der mir geholfen hat, meine Ängste hinterm Steuer immer mehr loszulassen: Navigationssysteme. In der heutigen Zeit können wir uns voll und ganz auf die Straße konzentrieren und müssen nicht noch anhalten und Landkarten studieren, wenn wir unbekannte Routen fahren. Selbst wenn wir uns verfahren, bringt uns das Navigationssystem wieder auf den richtigen Kurs. Das hat bei mir dazu beigetragen, vor allem die Angst vorm Autofahren in der Stadt zu überwinden.

3 wichtige Tipps, um Fahrangst zu überwinden

Je nach Ausprägung der Fahrangst können folgende Tipps helfen, sich hinterm Steuer sicherer zu fühlen:

  1. Gedanken umprogrammieren: Machen Sie sich bewusst, wie viele Menschen einen Führerschein haben und wie wenige Unfälle im Vergleich zu der hohen Anzahl an Autofahrer:innen tatsächlich passieren.

  2. Regelmäßige Pausen: Es kling banal, ist aber extrem wichtig, um die Anspannung loszulassen und für Entspannungsmomente zu sorgen. Am besten: Aussteigen und mehrmals tief in den Bauch atmen.

  3. Unterstützung suchen: Wenn Autofahren bei Ihnen Panikattacken verursacht, sollten Sie das Fahrtraining nicht alleine, sondern mit professioneller Unterstützung machen. Bei Fahrangst aufgrund von mangelnder Fahrpraxis helfen Auffrischungskurse und Trainings zur Fahrsicherheit. Ist der Auslöser Ihrer Fahrangst ein erlebter Unfall, ist es ratsam therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

Meine Erfahrungen: Angst vorm Autofahren anerkennen statt bekämpfen

Es gibt somit mehrere Strategien, um Fahrangst zu reduzieren. Der wichtigste Tipp ist jedoch vermutlich Folgender: Es geht nicht vorwiegend darum, die Angst vorm Autofahren zu bekämpfen, sondern zu lernen, damit umzugehen.

Auch bei mir ist die Angst nicht komplett weg, wenn ich ins Auto steige. Es gibt immer noch Situationen, die bei mir Panikattacken beim Autofahren verursachen können. Ich weiß allerdings mittlerweile besser, wie ich es schaffe, mich nicht von der Panik überwältigen zu lassen. Ich sehe die Angst vorm Autofahren zwar noch als meine Begleiterin auf dem Beifahrersitz, aber sie schreit mich nicht mehr die ganze Zeit laut von der Seite an, sondern meldet sich nur noch in Extremsituationen. Es ist somit möglich mit der Angst vorm Autofahren umgehen zu lernen und sie dadurch immer mehr zu überwinden.

Quelle:

Angst und Panik vorm Autofahren: Was dagegen hilft, in: ADAC