Angst vor der Geburt: Was kann ich tun?

Michelle Kröger

Die Freude auf das Baby ist enorm, doch die Angst vor der Geburt ebenso. So ergeht es vielen Frauen. Wenn die Furcht vor der Entbindung zu extrem wird, sollte professionelle Hilfe gesucht werden. Denn durch eine Verkrampfung wird die Geburt nicht leichter.

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Bei starker Angst vor der Geburt sollte professionelle Hilfe gesucht werden Foto:  iStock/nataliaderiabina
Inhalt
  1. Mögliche Gründe für die Angst vor der Geburt
  2. Was ist Angst?
  3. Entspannung bei der Geburt ist wichtig
  4. Angst vor der Geburt überwinden
  5. Hilfe suchen bei starker Angst vor der Geburt
  6. Kaiserschnitt als Lösung bei großer Angst?
 

Mögliche Gründe für die Angst vor der Geburt

Die Angst vor der Geburt wird häufig auch als sogenannte Tokophobie bezeichnet. Doch warum fürchtet sich eine Frau genau vor der Entbindung? Meist empfinden sie eine Angst vor den Schmerzen, die währenddessen auf sie zukommen. Andere Frauen haben Bedenken, dass ihr Kind bei der Geburt zu Schaden kommen könnte, wieder andere haben schlechte Erfahrungen bei einer vorherigen Geburt sammeln müssen.

Auch negative Geburtsberichte von Freunden und anderen Müttern können zu Geburtsangst führen. Ein weiterer möglicher Grund ist außerdem die Urangst vor dem Unbekannten – und vor allem: vor dem Unvorhersehbaren. Man ist all dem als Mutter ausgeliefert, hat keinerlei Kontrolle über das, was im Kreißsaal passiert. So empfinden es zumindest viele Frauen.

 

Was ist Angst?

Es handelt sich bei Angst eigentlich um einen natürlichen Schutzmechanismus – und ganz wichtig – nicht um eine Schwäche. Dieser Schutzmechanismus soll uns Menschen vor Unbekanntem, Unsicheren oder Gefährlichem bewahren. Empfinden wir Angst vor etwas, befindet sich der gesamte Organismus in Alarmbereitschaft.

Frau macht Hypnobirthing
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Eine Situation, in der eine starke Angst aufkommen kann ist auch die Geburt: eine individueller, unkalkulierbarer Zustand. Keine Entbindung gleicht der anderen, Planbarkeit ist nur selten gegeben. Aus diesem Grund kann ein wenig Respekt vor diesem wichtigen Ereignis auch der Wachsamkeit und Aufmerksamkeit dienen.

Doch wer extreme Angst verspürt, der hat mitunter mit Schwierigkeiten während der Geburt zu tun. Starke Furcht kann zu Lähmungen, Verspannungen und Verkrampfungen führen.

 

Entspannung bei der Geburt ist wichtig

Warum kann extreme Angst den Geburtsvorgang stören? Dafür sollte man sich Folgendes vor Augen führen: Die Gebärmutter einer Frau besteht aus einem Muskelgeflecht, längs und quer gestreift. In der Schwangerschaft sorgt es dafür, das Kind zu halten.

Doch bei der Geburt haben die Muskelgruppen die wichtige Aufgabe, das Baby nach außen zu drücken. Eine wichtige Voraussetzung: Entspannung. Ja, die ringförmigen Muskeln im unteren Teil der Gebärmutter müssen sich entspannen. Die längs gestreiften im oberen Teil der Gebärmutter hingegen müssen sich stark zusammenziehen. Dabei handelt es sich um ein wichtiges Zusammenspiel der Muskeln.

Doch wird diese Interaktion durch Angst und Panik lahmgelegt, kann das die Geburt erheblich erschweren. Die Folge: eine Anspannung der Muskeln. Der Körper verschließt sich. Dadurch kann die Durchblutung der Gebärmutter und die Versorgung des Kindes gestört werden. Außerdem verstärken sich die Schmerzen bei fehlender Entspannung noch mehr. Auch dadurch kann noch mehr Angst entstehen. Eine Kettenreaktion.

Bei Nachlassen der Geburtsangst stellt sich eine Lockerung der Muskelgruppen ein und der Schmerz reduziert sich merkbar. So werden die Schmerzen ertragbarer.

Frau bei der Geburt in Rückenlage.
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Angst vor der Geburt überwinden

Es ist nun besser nachvollziehbar, dass Angst einer schwangeren Frau nur im Weg steht. Doch wie lässt sich die Angst vor der Geburt überwinden? Was kann einem in dieser Panik helfen? Ein paar wichtige Hinweise:

  1. Vertrauen schaffen: Vertrauen in die natürlichen Funktionen des Körpers und in dessen Kraft ist empfehlenswert. Im Normalfall arbeiten während einer Geburt alle Organe und all das Gewebe unseres Körpers gut zusammen.
  2. Vorbereitung ist alles: Sich umfassend zu informieren schafft Sicherheit – am besten zusammen mit dem Partner oder der einer anderen Begleitperson. Gemeinsame Geburtsvorbereitung, eine Besichtigung des Geburtsorts (z.B. Kreißsaal in Klinik, Geburtshaus) und Gespräche mit den Hebammen vor Ort können helfen. Auch ein Geburtsvorbereitungskurs kann die Angst nehmen.
  3. Richtig atmen und entspannen: Entspannungstechniken machen von der Angst frei. Das gelingt etwa mit speziellen Atemübungen, die Sie sich zum Beispiel von einer Hebamme erklären lassen können. Einige Frauen schwören auch auf die Technik des sogenannten "Hypnobirthing". Ängste lassen sich auch durch etwa Yoga-, Meditations- oder Achtsamkeitskurse minimieren. Einige Krankenkassen übernehmen diese sogar.
  4. Beleghebamme: Schon frühzeitig sollte sich frühzeitig um eine Beleghebamme bemüht werden. Sie wird zur Begleiterin in der Schwangerschaft, aber auch während der Entbindung. Das schafft Vertrauen.
 

Hilfe suchen bei starker Angst vor der Geburt

Wer ein Problem mit extremer Geburtsangst bei sich bemerkt, sollte sich rechtzeitig vor dem Entbindungstermin professionelle Hilfe und Unterstützung suchen. Die Angst sollte dabei offen angesprochen werden – zum Beispiel bei einer Hebamme oder einem behandelnden Frauenarzt.

Kind nach der Geburt in den Armen der Mutter
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Kaiserschnitt als Lösung bei großer Angst?

Frauen, die unter starker Geburtsangst leiden, wollen sich häufig nicht auf einen normalen Entbindungsverlauf einlassen und wünschen sich deshalb einen geplanten Kaiserschnitt.

Eine Operation erscheint den meisten Betroffenen viel kontrollierbarer als eine natürliche, vaginale Geburt. Dabei darf man jedoch niemals die medizinischen Risiken ausblenden, die ein solcher operativer Eingriff mit sich bringt.

Quellen:

  • Angst vor der Geburt, familienplanung.de
  • Bhatia, M. S., & Jhanjee, A. (2012). Tokophobia: A dread of pregnancy. Industrial psychiatry journal, 21(2), 158.
  • Lewis, L. (2018). Re: sixty seconds on… Tokophobia. Tokophobia is rare but fear of childbirth is common. BMJ, 362, k3933.
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