Angelina Jolie lässt sich Eierstöcke und Gebärmutter entfernen

Angelina Jolie: Eierstöcke, Brüste und Gebärmutter entfernen aus Angst vor Krebs
Angelina Jolie: "Mein Arzt sagte mir, dass mein Risiko, aufgrund des Gendefekts an Brustkrebs zu erkranken, bei 87 Prozent liegt. Die Wahrscheinlichkeit, an Eierstockkrebs zu erkranken, liegt bei 50 Prozent." © Corbis

Nach der Amputation ihrer Brüste lässt sich Angelina Jolie nun auch ihre Eierstöcke und Gebärmutter entfernen, um ihr Krebsrisiko noch weiter zu senken. 2013 hatte sich die Schauspielerin aus Angst vor Brustkrebs zu einer doppelten Mastektomie entschlossen.

Ein massiver Eingriff und eine Lebensentscheidung. War das wirklich notwendig? Hier erklärt die 39-Jährige ihre Entscheidung - Leserinnen und Leser sagen dazu ihre Meinung.

 

Brustkrebs und Eierstockkrebs: Die Erklärung von Angelina Jolie

"Meine Mutter kämpfte siebeneinhalb Jahre gegen den Krebs. Sie lebte lange genug, um ihre ersten Enkel zu umarmen. Doch meine anderen Kinder werden niemals die Chance haben, zu erfahren, wie liebevoll und fantastisch sie war."

"Wir sprechen oft über Mamas Mama. Und ich versuche, ihnen zu erklären, welche Krankheit sie uns genommen hat. Sie fragen dann, ob dasselbe auch mit mir geschehen kann. Ich sage ihnen, dass sie sich keine Sorgen machen sollen. Doch die Wahrheit ist, dass auch ich das Gen in mir trage. Es trägt die Bezeichnung BRCA1."

"Mein Arzt sagte mir, dass mein Risiko, aufgrund des Gendefekts an Brustkrebs zu erkranken, bei 87 Prozent liegt. Die Wahrscheinlichkeit, an Eierstockkrebs zu erkranken, liegt bei 50 Prozent."

"Sobald ich das Ergebnis meines Arztes kannte, habe ich entschieden, zu handeln. Ich wollte das Risiko minimieren. Ich entschied mich für eine doppelte Masektomie. Ich begann mit den Brüsten, weil dort mein Risiko höher und eine Entfernung der Eierstöcke komplizierter ist."

"Ich schreibe diesen Brief, um anderen Frauen zu sagen, dass mir die Entscheidung für eine Mastektomie nicht leicht gefallen ist. Aber ich bin nun sehr glücklich damit. Mein Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, ist von 87 auf unter fünf Prozent gesunken. Ich kann jetzt meinen Kindern sagen, dass sie nicht befürchten müssen, ihre Mutter an Brustkrebs zu verlieren."

 

Angelina Jolies Entscheidung, sich Brüste und Eierstöcke entfernen zu lassen: Reaktionen von Leserinnen und Lesern
 

"Ich bin 32, habe ebenfalls das BRCA1-Gen und riesige Angst, an Krebs zu erkranken. Ich habe bereits mehrere Ärzte gefragt, ob ich mir die Brüste entfernen lassen soll. Einige raten dazu, andere sagen mir ich solle abwarten und besser jeden Monat zur Vorsorge-Untersuchung gehen. Denn es geht ja nicht nur um eine Mastektomie, eine definitiv ein sehr schwere Operation. Und um wirklich sicherzugehen, müsste ich mir auch die Eierstöcke entfernen lassen. Denn auch diese Krebsart wird durch das Gen ausgelöst. Die psychischen und physischen Folgen wären aber aufgrund des Fehlens der Hormone unglaublich massiv. Ich denke, die Entscheidung von Frau Jolie war sehr mutig. Aber sie hat auch Schattenseiten. Das sollte man nicht vergessen."

 

Die Angst vor Brust- und Eierstockkrebs bestimmt mein Leben

"Ich habe meine Mutter durch Brust- und Eierstockkrebs viel zu früh verloren. Schuld war das BRCA1-Gen, das zu 50 Prozent vererbt wird. Heute bin ich selbst Mutter und gehe regelmäßig zu Mammografie. Können Sie sich vorstellen, wie das ist, wenn man schon Tage vor dem Termin vor lauter Panik kaum noch zurechnungsfähig ist? Diese Angst ist zum Dauergast in meinem Leben geworden."

 

Ich bin Angelina Jolie sehr dankbar

"Ich bin 40 und habe das BRCA-Gen. Ich habe keine Wahl. Ich muss mich nur noch entscheiden, wann ich meine Brüste entfernen lasse und meine Eierstöcke. Bisher hatte ich nicht den Mut. Deshalb bin ich Angelina Jolie sehr dankbar. Sie ist das Ebenbild einer schönen Frau. Wenn sie den Mut hat, so etwas zu tun und ihre Erfahrungen mit der Welt zu teilen, dann hilft das allen anderen BRCA-Trägerinnen. Vielleicht werden wir dadurch als weniger extrem angesehen, wenn wir eine Entscheidung treffen, die das Leben für immer verändert - aber möglicherweise verlängert. Ich bin sehr dankbar."

 

Mehr Mut zum Gentest

"Vielen Dank, Frau Jolie. Erst letzte Woche hatte ich eine Patientin mit mehreren Krebserkrankungen in der Familie. Ich riet ihr dringend zu einem Gen-Test. Sie sagte, sie wolle nichts davon wissen. Ich sagte ihr, dass wir ihr Risiko massiv senken könnten. Aber sie lehnte dennoch ab. Ich hoffe inständig, dass Angelina Jolie mehr Überzeugungskraft besitzt als ich. Es wäre sehr wichtig."

 

Das Unkontrollierbare kontrollieren wollen

"Mir scheint es, als ob der heutige Wahn, seinen Körper und seine Gesundheit unter allen Umständen kontrollieren zu wollen, auch bei Frau Jolie eine wichtige Rolle gespielt hat. Wir haben verlernt, mit Dingen zu leben, die sich außerhalb unserer Kontrolle befinden. Alles, was sich nicht unter unserer Kontrolle befindet, bedroht uns und muss eliminiert werden. Das scheint unsere gesamte Gesellschaft zu durchziehen. So privat die Entscheidung von Angelina Jolie auch ist, so symptomatisch ist sie für unsere heutige Zeit."

"Hat Angelina Jolie nicht etwas frühzeitig gehandelt? Vielleicht hätte sie sie auch mit vorwiegend vegetarischer Ernährung, Verzicht auf Alkohol, Rauchen, raffinierten Zucker vorbeugen können. Ich habe gelesen, dass eine sportlich-gesunde Lebensweise die beste Vorbeugung gegen Krebs ist."

 

Niemand sollte so leiden müssen

"Ich bin Arzt und Ehemann. Meine Frau erkrankte vor Kurzem an Brustkrebs. Beide Brüste und die Eierstöcke mussten entfernt werden. Dazu zweimal Chemotherapie, Bestrahlung, ein Jahr lang extrem starke Medikamente. Sie leidet sehr. Bis heute. Und es gibt keine Gewissheit, ob der Krebs nicht doch noch einmal zurückkommt. Frau Jolie, ich gratuliere Ihnen. Niemand sollte so leiden müssen."

 

Ich habe überlebt – die Mastektomie war meine beste Entscheidung

"Als ich meinen Arzt danach fragte, ob ich mir beide Brüste amputieren lassen sollte, wollte er mich zum Psychiater schicken. Es war in den 1990er-Jahren. Zehn Jahre später wurde bei mir Brustkrebs im Frühstadium diagnostiziert. Diesmal habe ich auf die Mastektomie bestanden. Ich habe überlebt. Es war die beste Entscheidung, die ich je troffen habe. Meine neuen Brüste sind nicht so schön wie die echten. Aber nur wenige Menschen wissen, dass es keine Originalteile sind."

 


Ich erhole mich nur langsam von der Brust-Amputation

"Meine OP war am 2. März 2013. Die Wundheilung war nicht gut, und ich hatte Blutungen. Nun merke ich aber, dass es stetig besser wird. Ich mache Dehnungsübungen. Die Beweglichkeit wird immer besser. Aber erst seit etwa vier Wochen kann ich Kleidung mit beiden Armen über den Kopf an- und ausziehen. Und die Gefühlsstörungen im Oberarm werden auch nur ganz langsam besser."

 

Was wird Angelina Jolie ihren ebenfalls gefährdeten Töchtern raten?

"Eine Freundin von mir war im August zur Krebsvorsorge, im Oktober hatte sie geradezu 'explodierenden' Brustkrebs. So viel zum Thema 'Mit Vorsorge kann einem nichts passieren'. Ja, ich kann Frau Jolie gut verstehen. Aber frage ich mich, wie sie mit ihren leiblichen Töchtern umgehen wird: Die könnten ja auch erblich vorbelastet sein."

 

Der BRCA1 Gentest sollte nicht allein ausschlaggebend sein

"Ich halte nichts davon, es jedermann als die einzig richtige Lösung zu propagieren. Ich denke, Gentests, die ein erhöhtes Krebsrisiko anzeigen, sollten richtig eingeordnet werden. Es ist doch ein Irrglaube, dass alles, was in den Genen steht, bereits festgeschriebenes Schicksal ist."

"Ich bin Brustkrebs-Überlebende, die durch Chemo, eine doppelte Mastektomie und Bestrahlung gehen musste, als ich 41 war und zwei kleine Kinder hatte. Getestet wurde ich jedoch auf BRCA negativ. Der Krebs wurde diagnostiziert, als ich schon im 3. Stadium war. Der negative BRCA-Test bietet also keine absolute Sicherheit. Ich rate allen Frauen zur monatlichen Selbstuntersuchung ihrer Brüste."

Quelle: TV Hören und Sehen, 22/2013

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