Angela Merkel: „Ansonsten werden wir hohe Fallzahlen bekommen“

Ines Fedder Medizinredakteurin

Angela Merkel äußerte sich gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach ihrem Besuch im Robert-Koch-Institut zur aktuellen Corona-Lage. Die Befürchtung: erneut hohe Fallzahlen. Auf welche Faktoren es jetzt ankommt? Alle Informationen hier!

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Am Dienstagvormittag traten die Bundeskanzlerin Angela Merkel, Gesundheitsminister Jens Spahn und der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar H. Wieler vor die Presse, um die aktuelle Corona-Lage zu erläutern. Im Vordergrund: ein nachdrücklicher Appell an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen.

„Der R-Faktor ist im Augenblick wieder über 1. Das hat mit der Delta-Variante zu tun“, erläutert Angela Merkel zu Beginn der Pressekonferenz. Die Frage, die aktuell die Bundesregierung und auch das Robert-Koch-Institut beschäftigt ist: Wie verhindern wir, dass immer mehr Mutationen entstehen? Denn bei hoher Inzidenz ist hier die Wahrscheinlichkeit besonders groß. 

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Der Weg, der laut Merkel hauptsächlich dazu geführt hat, dass die Zahlen in Deutschland überhaupt so niedrig sind, ist das Impfen. „Die dritte Welle ist ja nicht gebrochen worden, weil wir uns so gut an die Regeln gehalten haben, sondern weil das Impfen sich bemerkbar gemacht hat“, so die Kanzlerin. Und genau hier sei noch Luft nach oben.

 

Angela Merkel: Impfquote von 85 Prozent!

Zwar sei die Impfbereitschaft in Deutschland sehr, sehr hoch, jedoch müsse man die Impfung nun an die Menschen bringen. „Es gibt viele Menschen, die sich impfen lassen wollen, aber aus irgendeinem Grund nicht zum Arzt gehen“, erläutert RKI-Chef Lothar Wieler.

Das muss sich ändern. Denn: „Die Impfquote muss bei 85 Prozent liegen bei den 12-59-Jährigen und 90 Prozent bei den über 60-Jährigen, dann ist der Anstieg beherrschbar“, wagt Kanzlerin Angela Merkel einen Blick in die Zukunft. „Ansonsten werden wir wieder sehr hohe Fallzahlen bekommen.“

Neben der Einhaltung der Basis-Maßnahmen und der weiteren Testungen muss nun also weiter geimpft werden.

Und genau dafür warben die Kanzlerin, Jens Spahn und der RKI-Chef noch einmal nachdrücklich.

„Wir haben es selbst in der Hand. Jetzt im Sommer entscheiden wir, wie der Herbst und der Winter aussehen wird“, sagt Jens Spahn. „Impfung hilft uns als Nation, eine neue Realität zu schaffen.“ Es gäbe jetzt laut Spahn keine Ausreden mehr. Denn Impfstoff ist genüg da und Termine sind aktuell leicht zu bekommen – ein eingelöstes Versprechen Spahns, der immer wieder betonte, bis zum Ende des Sommers allen ein Impfangebot machen zu können.

Nur durch das Impfen bietet sich dann im Herbst und Winter auch die Möglichkeit, höhere Inzidenzen zu bewältigen, weiß auch der Gesundheitsminister. Aber wie soll die Impfkampagne nun weiter angeschoben werden? 

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Kreative Wege bei den Coronaschutzimfungen

Hier gilt es jetzt, auch kreative Wege zu gehen. Denn wie auch Angela Merkel bekräftigt: „Je mehr geimpft sind, desto freier werden wir wieder sein.“
„Sprechen Sie miteinander – in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein – und werben sie für das Impfen. Denn wir brauchen einander“, ermutigt die Kanzlerin. Das Impftempo sei zwar aktuell noch hoch, aber man sehe, dass es nachlasse.

 

Jens Spahn zur Corona-Impfkampagne: „Gelegenheit macht Impfung“

„Impfen ist eine sehr individuelle Entscheidung. Aber jede einzelne Entscheidung macht auch einen Unterschied für die Gesellschaft“, appelliert auch Jens Spahn. Es geht nun darum, Gelegenheit zu schaffen für Impfungen. Impfangebote wie etwa vorm Supermarkt oder im Sportverein werden daher ausdrücklich begrüßt. 

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Corona-Impfung: Auswirkung auch auf die Kinder

Es werde trotz aller Notwendigkeit einer hohen Impfquote keine Impfpflicht geben – aber ein Impfgebot! „Es ist ein Gebot der Vernunft“, sagt der Gesundheitsminister. Denn wer sich jetzt impft, schützt nicht nur sich, sondern auch die in der Corona-Pandemie vernachlässigten Kinder.

„Nachdem Kinder und Jugendliche in den letzten Monaten auf sehr viel verzichtet haben, geht es jetzt auch darum, Rücksicht auf sie zu nehmen“, so Spahn. 

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Die Pandemie ist nicht vorbei. Aber wir können uns glücklicherweise wieder mehr Freiheiten leisten, da sind sich Jens Spahn, Angela Merkel und auch RKI-Chef Lothar Wieler einig. Und damit dies auch so bleibt, müssen neue Anreize für die Impfungen geschaffen werden, ansonsten – da besteht auch bei Angela Merkel absolut kein Zweifel – werden wir wieder hohe Fallzahlen bekommen.

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